Ariowitsch

Max Ariowitsch (* 1880 Leipzig; † 1969 in New York) war jüdischer Rauchwaren-Händler und Stifter in Leipzig.

Leben und Wirken

Als Sohn des Rauchwarenhändlers Julius (Judel) Ariowitsch (1855–1908) und Louise Hepner (Tochter des Rauchwarenhändlers Mendel Hepner, geboren am 12. Juli 1856 im damals preußischem Meseritz,[1] mit Ihrer Familie noch vor 1870 nach Leipzig übergesiedelt) wurde Max Ariowitsch 1880 in Leipzig geboren. Julius Ariowitsch stammte aus Slomin in Weißrussland, er zog 1877 nach Leipzig und begründete im gleichen Jahr eine Rauchwarenfirma am Brühl 71, welche jedoch erst am 17. Juni 1892 in das Handelsregister eingetragen wurde. Schon Max Ariowitschs Großvater, Mordechai Ariowitsch, führte in Weißrussland einen Rauchwarenhandel und war regelmäßiger Besucher der Leipziger Messe.[2][3]

Max Ariowitsch erhielt 1902 die englische Staatsbürgerschaft. 1904 wurde er zusammen mit seinem Schwager Hermann Halberstamm Teilhaber in der Pelzhandelsfirma seines Vaters und verantwortlich für die Tochterfirmen in England (Ariowitsch & Jacob Fur Co. Ltd., 1905) und den USA (Ariowitsch & Company, Anglo-American Fur Merchants Corp., 1932). Nach dem Tod seines Vater wurde Max Ariowitsch einer der mächtigsten und reichsten Pelzhändler am Brühl. Nür selten trat er öffentlich in Erscheinung, was ihm dem Beinahmen Graue Eminenz einbrachte.[4] Er wurde Mitglied der Leipzig-Loge. 1912 wurde sein Sohn Julius geboren, zwei Jahre später sein Sohn Eduard.[5]

Seine tiefreligiöse Mutter, Louise Ariowitsch, erwarb nach dem Tod Ihres Mannes das Grundstück Färberstraße 11, in dem sie wohnte und im Hinterhaus Vereinsräume sowie Räume für religiöse Zwecke einrichtete. 1921 wurden diese Räume zur Synagoge erweitert, umgangssprachlich wurde sie auch „Ariowitsch-Synagoge“ genannt.

Seinem Vater zu Ehren gründete Max Ariowitsch 1930 zusammen mit seiner Mutter und seinem Schwiegersohn Herbert Halberstam (geb. 1864 in Brody, gest. 1941, Dr. jur., Rechtsanwalt in Wien) die Julius-Ariowitsch-Stiftung, mit deren Mitteln das Israelitische Altenheim in der Hinrichsenstraße errichtet wurde.[3]

1933, im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, verlegte Ariowitsch die geschäftlichen Aktivitäten in die Schwester-Firmen in England und den USA. Durch einen ehemaligen Mitarbeiter namens Haimson, welcher vermutlich aus Verärgerung über eine abgelehnte Beförderung Anzeige wegen Steuerhinterziehung und Verstöße gegen Devisenbestimmungen erstattete, hatte Max Ariowitsch zusätzliche Probleme. Zuletzt mussten beide, Ariowitsch und Haimson, Deutschland verlassen.[6]

1935 emigrierte er zunächst nach England und später in die USA, wo er seine Firma Anglo-American Fur Merchants Corp. zur zweitgrößten amerikanischen Rauchwarenfirma ausbaute.[7]

Louise Ariowitsch emigrierte ebenfalls im hohen Alter vor der zunehmenden Verfolgung und Diskriminierung im damals judenfeindlichen Deutschland nach Paris, wo sie am 19. Juli 1939 starb.[8]

Die deutsche Firma am Brühl wurde 1941/1942 zwangsliquidiert.

Einzelnachweise

  1. http://www.waldstrassenviertel.de/ariowitsch.htm
  2. http://www.juden-in-sachsen.de/leipzig/AriowitschJulius.html
  3. a b Wilhelm Harmelin: Juden in der Leipziger Rauchwarenwirtschaft. In: Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. H. 12/1966, S. 274, München, Verlag F. Bruckmann KG
  4. Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl. Leipzig, Fachbuchverlag 1989, ISBN 3-343-00506-1
  5. http://www.juden-in-sachsen.de/leipzig/AriowitschMax.html
  6. Harold James: Die deutsche Bank und die „Arisierung“. München, C. H. Beck 2001, ISBN 3-406-47192-7, S. 123 f. (eingeschränkte Vorschau bei Google Buchsuche)
  7. http://www.juden-in-sachsen.de/stadtfuehrer.pdf
  8. http://www.waldstrassenviertel.de/ariowitsch.htm




Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Max Ariowitsch — Max (Marcus) Ariowitsch (* 26. September 1880 in Leipzig; † 17. März 1969 in New York) war ein jüdischer Rauchwaren Händler und Stifter in Leipzig. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Wirken 2 Julius Ariowitsch Stiftung …   Deutsch Wikipedia

  • Brühl (Leipzig) — Der Brühl ist eine der ältesten Straßen in Leipzig. Er hatte bis zum Zweiten Weltkrieg den Ruf als Weltstraße der Pelze, war die bedeutendste Straße der Stadt und trug wesentlich zu Leipzigs Weltruf als Handelsmetropole bei. Einige Zeit… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Ar — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Emil Franz Hänsel — „Kunst Anzeige“ im Leipziger Kalender 1908. Abgebildet ist das Wohn und Bürohaus Christianstraße 1, in dem sich Hänsels Architekturbüro befand. Emil Franz Hänsel (* 6. April 1870 in Döbeln; † 21. Oktober 1943 in Leipzig) war ein deutscher… …   Deutsch Wikipedia

  • Leipzig — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Waldstraßenviertel — Liviastraße im Waldstraßenviertel Das Waldstraßenviertel ist ein Wohngebiet der Stadt Leipzig nordwestlich der Innenstadt. Es gilt als eines der größten geschlossen erhaltenen Gründerzeitviertel in Europa und genießt als Flächenarchitekturdenkmal …   Deutsch Wikipedia

  • Musikviertel (Leipzig) — Das Musikviertel 1906 – Blick vom Turm des Neuen Rathauses Als Musikviertel (mitunter umgangssprachlich auch Musikerviertel genannt) wird inoffiziell das Wohngebiet der Leipziger Südwestvorstadt bezeichnet. Der Name des Viertels geht auf die im… …   Deutsch Wikipedia

  • Synagogen in Leipzig — Die meisten der Synagogen in Leipzig fielen den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer oder wurden während der NS Zeit profaniert. Im Leipziger Stadtgebiet besitzt als einzige heute noch die Brodyer Synagoge ihre ursprüngliche Funktion. In der… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”