Aristippos von Larissa

Aristippos (griechisch Ἀρίστιππος) von Larissa war ein griechischer Adliger und um 404 v. Chr. Herrscher in der Stadt Larissa (oder Larisa) in Thessalien. Er wird in Platons Dialog Menon erwähnt als enger Freund („Liebhaber“) des jungen Menon, der in dem genannten Dialog als Gesprächspartner des Sokrates auftritt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Aristippos gehörte – wie Platon mitteilt - dem Adelsgeschlecht der Aleuaden an, das in Thessalien und insbesondere in Larissa traditionell großen Einfluss hatte und dort die Herrschaft ausübte.[2] Die Aleuaden unterhielten seit alters her gute Beziehungen zu den Persern.[3]

Politische und militärische Aktivitäten

Aristippos war wie andere angesehene Personen in Thessalien, darunter auch sein vertrauter Freund Menon, ein Bewunderer und Schüler des berühmten Rhetors Gorgias, der sich eine Zeit lang in Larissa aufhielt und dort reichen Adligen seinen philosophisch-rhetorischen Unterricht erteilte.

Durch den Sieg des Emporkömmlings und Alleinherrschers Lykophron von Pherai über ein von den Aleuaden geführtes Adelsheer im Jahr 404 v. Chr. verloren die Aleuaden jedoch die Herrschaft in Larissa und mussten zeitweise ins Exil gehen, darunter auch Menons Familie.

Aristippos, der – wie der griechische Geschichtsschreiber Xenophon berichtet – ein Gastfreund des persischen Prinzen Kyros war, wandte sich nach der Niederlage gegen Lykophron an seinen persischen Verbündeten und erbat von ihm – so Xenophon – „den Sold für zweitausend Kriegsknechte auf drei Monate, weil er so seine Gegner überwinden könnte“.[4] Kyros, der sich zu jener Zeit als Satrap von Lydien an der kleinasiatischen Küste aufhielt, plante, seinen Bruder Artaxerxes vom persischen Thron zu vertreiben. Er ergriff gerne diese Gelegenheit, ein weiteres Söldnerheer unter seinen Befehl zu stellen, und gab Aristippos das Geld für viertausend Söldner auf sechs Monate, verbunden mit der Bedingung, dieses Heer für ihn bereitzuhalten und sich nicht früher mit der Gegenpartei auszusöhnen, als bis er sich mit ihm beraten hätte.[5]

Mit Hilfe der Söldner, die er mit dem persischen Geld anwarb, konnte Aristippos 402/401 v. Chr. die Herrschaft über Larissa zurückgewinnen. Als Kyros im Jahr 401 v. Chr. zu seinem Zug in das Innere des Perserreichs und nach Susa aufbrach, forderte er auch die thessalischen Truppen des Aristippos an. Dieser schickte sie ihm unter Führung seines Vertrauten Menon zu. Wie Xenophon berichtet, traf Menon mit tausend Hopliten (Schwerbewaffneten) und fünfhundert Peltasten (Leichtbewaffneten) sowie Soldaten der Doloper, Ainianen und Olynther beim Truppensammelplatz in Kolossai ein.[6]

Durch das Scheitern des Feldzuges des Kyros, in dessen Gefolge Menon sein Leben verlor, war Aristippos seines persischen Verbündeten beraubt. Es gelang ihm jedoch, Hilfe von dem Makedonenkönig Archelaos zu erhalten und in Larissa erneut eine extreme Oligarchie zu errichten.

Nachfolge

Über das weitere Schicksal des Aristippos schweigen die Quellen. Der Geschichtsschreiber Diodor erwähnt, dass 395 v. Chr. Medios (wahrscheinlich als Nachfolger des Aristippos) Fürst von Larissa war.[7] Die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Larissaiern und den Tyrannen von Pherai bestimmten auch in der Folgezeit die politische Entwicklung Thessaliens.[8]

Anmerkungen

  1. Platon: Menon, p. 70 a-b.
  2. Philipp Buttmann: Vom Geschlecht der Aleuaden. In: ders., Mythologus. Bd. II. Berlin 1829, S. 246-298.
  3. Herodot (7,6) beschreibt, wie aus Thessalien Aleuaden als Gesandte zu dem persischen Großkönig Xerxes kamen und ihn zum Zug nach Griechenland aufforderten.
  4. Xenophon: Des Kyros Anabasis. Der Zug der Zehntausend. Reclam Verlag, Stuttgart 2005. (Buch I 1,10).
  5. Xenophon, a.a.O.
  6. Xenophon, a.a.O., I 2,6.
  7. Diodor: Bibliotheke 14,82,5.
  8. Hans Beck: Polis und Koinon. Untersuchungen zur Geschichte und Struktur der griechischen Bundesstaaten im 4. Jahrhundert v. Chr. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3515071172 (Historia Einzelschriften Nr. 114), S. 127.

Quellen

  • Diodorus Siculus: Bibliotheke.
  • Platon: Menon.
  • Xenophon: Anabasis

Literatur

  • Debra Nails: The People of Plato: A Prosopography of Plato and Other Socratics. Hackett Publishing 2002, ISBN 0-87220-564-9, S. 50.

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