Armagnac (Branntwein)
1956 Armagnac

Armagnac ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung für in der Gascogne in Frankreich hergestellten Brandy (Weinbrand). Nach einer Verordnung von 1909 sind rund 15.000 ha Rebfläche in den Départements Gers, Landes und Lot-et-Garonne liegenden Bereichen zur Armagnac-Herstellung zugelassen.

Armagnac ist die älteste bekannte französische Spirituose und kontrollierte Ursprungsbezeichnung gemäß den Europäischen Begriffsbestimmungen für Spirituosen. Name, Herkunft und Herstellungsverfahren sind durch die Appellation d'Origine Contrôlée gesetzlich geregelt.

Im Unterschied zu Cognac wird Armagnac in einem kontinuierlichen Brennverfahren nur einmal destilliert, also nicht rektifiziert. Anschließend erfolgt für drei bis 20 Jahre die Lagerung in Eichenholzfässern. Je länger die Lagerung, desto höher die Qualitätsstufe. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 40 vol.% .

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Armagnac wird oft als der kleine Bruder des berühmteren Cognac bezeichnet, womit man ihm aber nicht gerecht wird. Während die Cognac-Herstellung nur in das 17. Jahrhundert zurückreicht, wurde das Brennen von Armagnac bereits 1461 urkundlich erwähnt – das Jahr, in dem im Département Landes eine Brennerei zu seiner Erzeugung genehmigt wurde. Die entsprechende Urkunde befindet sich heute im Musée de l' Armagnac in Condom.

Für diese frühe Kultur der Branntweinherstellung waren drei Kulturkreise verantwortlich: die Römer mit ihren Weinbaukenntnissen, die Gallier mit ihrer Handwerkskunst der Fassherstellung und die Mauren mit der Destillationstechnik. Zu dieser Zeit wurde Armagnac noch als Medizin verwendet und hauptsächlich schmerzlindernd und desinfizierend eingesetzt. Der Name Armagnac leitet sich ab von lat. aqua ardens, was so viel wie „brennendes Wasser“ bedeutet.

Anbau und Herstellungsprozess

Grundlage für Armagnac sind Weißweine, die in erster Linie aus den Rebsorten Colombard, Ugni Blanc und Folle Blanche gekeltert werden. Insgesamt sind elf Rebsorten zugelassen. Die drei Anbaugebiete heißen Bas-Armagnac, Haut-Armagnac und Ténarèze, wobei die Bezeichnungen „bas“ (franz. für niedrig) und „haut“ (franz. für hoch) aber nichts mit der Qualität des Produkts, sondern nur mit der Lage des Gebiets zu tun haben. So liefert im Gegenteil das Gebiet das Bas-Armagnac einen besseren Branntwein als das Haut-Armagnac, das daher in der Produktion mittlerweile kaum mehr eine Rolle spielt. Die Spitzenlagen des Bas-Armagnac werden Grand Bas genannt.

Die Rebstöcke müssen ein Alter von fünf Jahren erreicht haben, ehe ihre Trauben erstmals verwendet werden dürfen. Der Grundwein wird nach traditionellen Regeln zubereitet. Weder Schwefeldioxid noch Zucker darf zugefügt werden, während des Gärungsprozesses ist auch ein Umfüllen verboten.

Der Wein wird in kupfernen Brennblasen nach dem kontinuierlichen Verfahren nur einmal gebrannt. Hierin besteht der Unterschied zum Cognac, der nach charentaiser Methode in einer geschlossenen Brennblase zweimal gebrannt wird. Die weitere Lagerung erfolgt in Fässern mit 225 bis 420 Liter Inhalt, die aus der typischen Gascogner „Schwarzen Eiche“ hergestellt werden. Für die Fertigung der Holzfässer aus der Steineiche der Gascogne wird das Holz sechs Jahre lang gelagert, bevor es verarbeitet wird. Im Gegensatz zu den oft uralten Cognac-Fässern, die immer wieder neu eingesetzt werden, benutzt man für den Armagnac für jede Ernte neue Fässer. Dieses Holz verleiht dem Branntwein sein unverwechselbares Bukett (Bouquet) und seine typische Bernsteinfarbe. Das frische Destillat verbleibt solange in neuen Fässern, bis die Herauslösung der Bestandteile aus dem Holz in optimaler Weise erfolgt ist. Dann wird es in ältere Fässer umgefüllt, um einen zu starken Holzgeschmack zu vermeiden und um eine weitere langsame Entwicklung zu ermöglichen: die aus dem Holz gelösten Aromen gewinnen an Finesse, Anklänge von Vanille und typischerweise Backpflaume entwickeln sich. Sobald der Armagnac das richtige Alter – mindestens ein Jahr, in der Regel sechs bis acht Jahre – erreicht hat, wird er in die traditionelle bauchige Flasche mit dem langen Hals abgefüllt.

Prestigeprobleme

Die hohe Qualität, die handwerklich einwandfreie Herstellung, die strenge Reglementierung, der Export in immerhin 132 Länder und die im Gegensatz zu Cognac deutliche geringere Produktionsmenge würden den Armagnac eigentlich zu einem begehrten Luxusprodukt prädestinieren, tatsächlich aber leidet er seit den Nachkriegsjahren unter deutlichen Prestigeproblemen. Damals war er besonders begehrt und verzeichnete eine extrem hohe Nachfrage, was schließlich zu einem Verfall der Qualität, zu einem Ruin des Images und im Bewusstsein der Verbraucher dazu führte, Armagnac als „kleiner“ oder „schlechterer Cognac“ anzusehen – eine Ansicht, die teilweise noch heute vorherrscht.

Klassifizierung

Je nach Alter unterscheidet man wie beim Cognac „Drei Sterne“, „V.S.O.P.“ und „Napoléon“ sowie die vom Calvados bekannte Klassifizierung als „Hors d'Age“. Gebräuchlich ist weiterhin „Millésime“ für Armagnac aus Wein eines einzelnen Jahrgangs.

Überwiegend wird Armagnac als Sorten- und Jahrgangsverschnitt angeboten. Nur in wenigen Häusern kommen auch sortenreine Brände auf die Flasche. Steht auf einer Flasche die Bezeichnung „Bas-Armagnac“, so enthält sie nur erstklassige Gewächse ohne jeglichen Gebietsverschnitt. Eine Flasche mit der Bezeichnung „Appellation Armagnac“ deutet hingegen darauf hin, dass der Inhalt aus Bränden von Ténarèze und dem Haut-Armagnac oder aus allen drei Appellationen bestehen kann.

Relativ selten ist der Jahrgangs-Armagnac.

Die Häuser

Zu den bekanntesten Armagnac-Herstellern gehören Domaine Boingnères, Armadis, Castarede, Francis Darroze, Janneau Fils, Baron de Sigognac und Marnier-Lapostolle, wobei Armadis das jüngste (gegründet 1946), aber größte Haus darstellt, Darroze bereits 1793 gegründet wurde und ausschließlich Jahrgangs-Armagnacs herstellt und bei Marnier-Lapostolle 1880 der Grand Marnier erfunden wurde, ein Haus, das sowohl Cognac als auch Armagnac produziert.

Literatur

  • Charles Neal: Armagnac: The Definitive Guide to France's Premier Brandy. Wine Appreciation Guild, ISBN 1-891267-20-5 (englisch)

Weblinks


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