Armee-Aufklärungsdetachement
Abzeichen des AAD 10

Das Armee-Aufklärungsdetachement 10 ist eine Spezialeinheit der Schweizer Armee. Es ist als Berufsformation zentraler Bestandteil des Gren Kdo 1 sowie auch Kern-Komponente der AGFA (Aufklärungs- und Grenadierformationen der Armee).

Inhaltsverzeichnis

Auftrag

Die Einheit hat folgende Einsatzprofile:

  • Beschaffung von Schlüsselinformationen
  • Schutz von Truppen, Personen und Einrichtungen bei erhöhter Gefährdungslage
  • Rückführung von Schweizer Bürgern aus Krisenlagen im Ausland
  • Offensive Aktionen im Rahmen der Raumsicherung und Verteidigung

Organisation

Das AAD 10 soll im Endausbau (2011) aus 91 besonders ausgewählten, speziell ausgebildeten und multifunktionell einsetzbaren Berufssoldaten bestehen. Das kompaniestarke AAD 10 gliedert sich in vier Spezialisten-Züge:

  • Zug 1: Spezialisten für Einsätze im Gebirge
  • Zug 2: Spezialisten für amphibische Einsätze
  • Zug 3: Fallschirm-Spezialisten
  • Zug 4: Spezialisten für den Einsatz motorisierter Mittel

Rekrutierung und Ausbildung

Die Erfüllung der oben genannten Aufträge erfordert von den Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachements eine überdurchschnittliche physische und psychische Leistungsfähigkeit. Deshalb werden die zukünftigen Angehörigen des AAD einem strengen und mehrstufigen Auswahlverfahren unterworfen. Die Kandidaten werden dabei detailliert auf ihre physische, psychische und intellektuelle Leistungsfähigkeit geprüft.

Vorauswahl

Hier hat der Anwärter einen zweitägigen Sporttest zu bestehen, und zwar in folgenden Disziplinen, die alle sehr detailliert bestimmt sind:

(Folgende Leistungen sind das Minimum (B-Klassifizierung))

- Liegestütze Der Anwärter muss innerhalb von 2 Minuten 50 Liegestütze ohne Unterbruch durchführen.

- Rumpfbeugen Der Anwärter muss innerhalb von 2 Minuten 60 Rumpfbeugen ohne Unterbruch durchführen.

- Klimmzüge (Ristgriff) Der Anwärter muss innerhalb von 2 Minuten 10 Klimmzüge ohne Unterbruch durchführen.

- 5 km - Geländelauf Der Anwärter muss innerhalb von 24 Minuten in Sportkleidung eine Distanz von 5 km zurücklegen.

- 8 km - Eilmarsch Der Anwärter muss innerhalb von 58 Minuten in Tarnanzug, Kampfstiefeln und mit 15 kg Gepäck eine Distanz von 8 km zurücklegen.

- 25 km - Eilmarsch Der Anwärter muss innerhalb von 3,5 Stunden in Tarnanzug, Kampfstiefeln und mit 25 kg Gepäck eine Distanz von 25 km zurücklegen.

- Schwimmen Der Anwärter muss innerhalb von 10 Minuten eine Distanz von 300 m schwimmen.

Diese Disziplinen werden nach drei Kategorien bewertet: A = Erfüllt die Grundanforderungen nicht. B = Erfüllt die Grundanforderungen. C = Übertrifft die Grundanforderungen klar.

Auswahl

Auch wenn der Anwärter diese Prüfungen gut oder überdurchschnittlich meistert, heisst das noch nicht, dass er im AAD 10 aufgenommen ist. Nach 3-4 Monaten folgt ein 3-wöchiger Auswahlkurs (engere Auswahl) in welchem die Kandidaten intensiv in allen Leistungsbereichen geprüft werden (körperlich, Persönlichkeit, Motivation u. v. a.). Sollte der Anwärter auch diese Auswahl bestehen, kann er nun einen Vertrag unterschreiben, mit welchem er offiziell Angehöriger des Armee-Aufklärungsdetachements 10 wird.

Ausbildung

Die Ausbildung zum Armee-Aufklärer dauert insgesamt ca. 18 Monate, wobei die Grundausbildung nach ca. 40 Wochen abgeschlossen ist. Die Spezialisten- und Zugsausbildung wird nach der Grundausbildung gemäss den operationellen Bedürfnissen und Eignungen der jeweiligen Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachements durchgeführt.

Nebst der praktischen Ausbildung in den verschiedensten Einsatztechniken wird auch ein grosser Wert auf Weiterbildung im Bereich der Sprach-, Taktik-, Kommunikations- sowie Rechtskenntnisse etc. gelegt.

Ausrüstung

Das Armee-Aufklärungsdetachement 10 benutzt für seine zukünftigen Operationen das von Rheinmetall für das Kommando Spezialkräfte hergestellte Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug Serval.

Für die heiklen Einsätze sind die Elite-Grenadiere speziell ausgerüstet. Sie schiessen mit der kürzesten Version des Sturmgewehrs 90, der Waffe für Spezial- und Polizeieinheiten. Es ist leichter als das übliche Sturmgewehr, gibt 700 Schuss (5,56 mm) pro Minute ab und trifft sowohl auf kurze als auch auf lange Distanzen äusserst zielgenau. Auf das Gewehr können ausserdem Zielhilfe, Nachtsichtgerät oder taktische Lichter aufgesetzt werden. Auch ein Rotpunktzielgerät, das mit einem Laser den Einschusspunkt markiert, ist montierbar. Mit einem 30 Schuss-Magazin (anstelle des 20ers) können die Grenadiere zudem mehr Schüsse abgeben und müssen weniger nachladen.

Zur Ausrüstung des AAD 10 gehört auch ein ultraleichter Helm aus der höchst belastbaren Kunstfaser Kevlar. Durch einen aufklappbaren Restlichtverstärker können sich die Soldaten auch im Dunkeln orientieren. Neben einer Splitterschutzweste tragen sie auch feuerfeste Spezialhandschuhe und Knieschoner.

Geschichte

Die Aufstellung der Einheit wurde im Bericht über die Konzeption der Armee XXI vom 24. Oktober 2001 (Armeeleitbild XXI) vorgesehen.

Kritik

Nach Angaben des Ministeriums (Departements) für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport erfolgt "ein Teil der Ausbildung des Armee-Aufklärungsdetachementes 10 [...] in Kooperation mit inländischen oder ausländischen Partnern, um auf ihrem Fachwissen basieren zu können oder um Wissenslücken zu schliessen. Die Ausbildungskooperation mit dem Ausland ist auf Wunsch und Vorgabe der Kooperationspartner klassifiziert. [...] Aus Gründen der Operationssicherheit sind Informationen zu Einsatzplanung und Einsatzführung des AAD klassifiziert."[1]

Aus der Sicht rechtskonservativer Schweizer Kritiker der jüngeren Entwicklung der Schweizer Armee ist das AAD 10 "eine kleine feine Geheimarmee, die [...] eng und unkontrollierbar mit ausländischen Diensten verflochten ist." Die Zeitschrift Die Weltwoche bezeichnet dies als "weitere[n] heimliche[n] Schritt[e] auf dem Weg in die totale Kooperation mit ausländischen Armeen" und zitiert einen Angehörigen des AAD mit der Aussage, er sei "in abgelegenen Camps im Ausland von amerikanischen Spezialisten für Nahkämpfe und verdeckte Operationen ausgebildet" worden.[1]

Verweise

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Urs Paul Engeler, Heinrich L. Wirz: Los Rambolinos. In: Die Weltwoche Nr. 35.06, S. 8f. (MP3 Podcast)

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