Armee Russlands
Streitkräfte Russlands
Вооружённые Си́лы Росси́йской Федера́ции / Wooruschonnyje Sily Rossijskoj Federazii
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident (derzeit Dmitri Anatoljewitsch Medwedew)
Verteidigungsminister: Anatoli Eduardowitsch Serdjukow
Militärischer Befehlshaber: Nikolai Jegorowitsch Makarow
Militärische Führung: Generalstab
Sitz des Hauptquartiers: Moskau
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 1.037.000
Reservisten: 1.500.000
Wehrpflicht: ja
Wehrtaugliche Bevölkerung: insgesamt (Männer und Frauen; Alter 15–49): 21.500.000 Männer und 28.800.000 Frauen
Wehrtauglichkeitsalter: vollendetes 18. Lebensjahr
Haushalt
Militärbudget: € 40 Milliarden
Anteil am BNE:
Geschichte
Gründung: 1991

Die Russischen Streitkräfte sind die bewaffneten Streitkräfte der Russischen Föderation, die aus Teilstreitkräften Heer, Luftstreitkräften und Marine sowie den eigenständigen Streitkräften Luftlandetruppen, Strategischen Raketenstreitkräften und Weltraumstreitkräften besteht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schwere Panzerhaubitze 2S19
Russische Soldaten mit Transportpanzer BTR-80 im Rahmen des IFOR-Einsatzes, November 1996

Die russische Armee sieht sich nach wie vor in der Tradition der Roten Armee und der Armee des Russischen Imperiums. So wurde eine abgeänderte Version der Flagge der Sowjetunion (ohne Hammer und Sichel) unter dem Präsidenten Wladimir Putin als Armeeflagge eingeführt und gleichzeitig zaristische Orden, Paradeuniformen und Militärlehranstalten für die Jugend wieder eingeführt. Russland unterhält eine Wehrpflichtarmee mit Militärbasen im Ausland und dem immer noch weltweit größten Arsenal an Kernwaffen nach den USA. Die Schwerpunkte des militärstrategischen Interesses bildet gemeinsame Engagement mit anderen Staaten der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit und zukünftig wohl vermehrt mit den Staaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Es dient der Sicherung der Südgrenzen Mittelasiens und des Kaukasus gegen Islamisten. In diesem Zusammenhang ist auch die umstrittene Militäraktion in Tschetschenien zu sehen.

Ein großes Problem der russischen Streitkräfte war die Finanzknappheit. So befinden sich viele der teilweise modernen Geräte, Schiffe, U-Boote, Flug- und Fahrzeuge in einem schlechten Zustand. Ferner gab es immer wieder Probleme bei den Zahlungen des ohnehin sehr geringen Soldes. Für Kritik aus der russischen Bevölkerung sorgte der Umgang und die Informationspolitik der Armeebehörden mit der Katastrophe des gesunkenen U-Bootes Kursk.

Mittlerweile allerdings (seit 2002) scheint sich die Lage zu stabilisieren. Es werden wieder verstärkt Manöver durchgeführt und es laufen Modernisierungs- und Neubauprogramme an. So wird die Luftwaffe, wenn auch langsam, mit modernisierten Abfangjägern MiG-31BM, Su-27SM, neuen Jagdbombern Su-34 und modernisierten Erdkampfflugzeugen Su-25SM ausgerüstet. Auch werden erhebliche Beträge in neue Atomwaffen investiert. Bis zum Jahr 2015 wird Russland einige Dutzend Raketen-Schachtstartanlagen und über 50 mobile Raketenkomplexe Topol-M in Dienst stellen.

Auf einer Kommandeurstagung am 17. November 2004 sprach Präsident Wladimir Putin von einer Steigerung der Militärausgaben und die Entwicklung neuer Nuklearwaffen an. Der Verteidigungsminister Sergej Iwanow teilte mit, dass die Streitkräfte zum 1. Januar 2005 rund 1.207.000 Mann umfassen werden, neben 876.000 Zivilangestellten bei den Streitkräften. Iwanow berichtete zudem, dass von Januar bis September 2005 in den Einheiten die dem Verteidigungsministerium unterstanden 423 Soldaten im Dienst gefallen sind, darunter 148 in Tschetschenien. Weitere 509 Soldaten waren außerhalb ihrer Dienstzeit ums Leben gekommen, davon begingen 127 Soldaten Suizid.

Die Militärausgaben betrugen 2007 ca. 35,5 Milliarden Dollar und sollen nun auf ca. 66 Milliarden Dollar für 2009 angehoben werden, bei gleichzeitiger Abrüstung veralteten Kriegsgerätes und Einführung, bzw Aufnahme der Serienproduktion von modernen Kampfpanzern(T-90), Marineeinheiten und Flugzeugen. So wurden schon 2004 alle T-55-Kampfpanzer ausgemustert. Dennoch befinden sich laut globalsecurity.org nach wie vor mehr als 20.000 Kampfpanzer im Dienst, davon ca. 4.500 des Typs T-80 und mehr als 7.400 vom Typ T-72.

Im August 2007 fand auf den umliegenden Militärstützpunkten von Tscheljabinsk das Grossmanöver "Friedensmission 2007" im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit statt, an dem neben Russland, Streitkräfte aus Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, Usbekistan und der Volksrepublik China teilnahmen. China entsandte eigens hierfür 14 Flugzeuge und 32 Hubschrauber rund 2.000 km weit zum Übungsgebiet.

2008 wurde eine umfassende Militärreform begonnen, die zur Reduzierung der Armee auf eine Million Soldaten führen soll, darunter auch eine Reduzierung der Anzahl von Generälen von 1100 auf 900. Außerdem soll statt der Regimenter und Divisionen eine Brigadenstruktur eingeführt werden und zudem mobile Truppenteile in ständiger Gefechtsbereitschaft aufgestellt. Der Dienstgrad des Fähnrich ist durch die Reform nicht mehr vorgesehen.

Die größte strategischen Kommandostabsübung in der Geschichte der russischen Streitkräfte fand ebenfalls 2008 unter der Bezeichnung „Stabilität-2008“ statt. Daran nahmen fast alle Gattungen und Teilstreitkräfte der russischen Armee, die anderen bewaffneten Strukturen Russlands und die weißrussischen Streitkräfte teil. Die strategischen Bomber Tu-160 und Tu-95MS erfüllten nicht nur Flüge mit voller Gefechtszuladung, sondern starteten auch Marschflugkörper, wobei sie den gesamten Kampfsatz verschossen.

Befehlskette

Der Oberbefehl über die russischen Streitkräfte liegt beim Präsidenten der russischen Föderation. Die organisatorische und operative Leitung übt das Verteidigungsministerium aus, während der ebenfalls im Ministerium angesiedelte Generalstab für die Ausführung dieser Anordnungen zuständig ist. Das Verteidigungsministerium ist für Versorgung der Streitkräfte, Personalverwaltung und die allgemeine Aufrechterhaltung der Kampffähigkeit zuständig. An seiner Spitze stehen der Verteidigungsminister, zurzeit Anatoli Serdjukow, sowie ein Gremium aus drei leitenden Staatssekretären, unterstützt von sechs Unterstaatssekretären und einem Inspekteur. In Friedenszeiten ist der Verteidigungsminister zugleich der oberste militärische Befehlshaber. Traditionell handelte es sich bei den russischen (sowjetischen) Verteidigungsministern nicht um einen Zivilisten, sondern um einen hochrangigen General. Iwanow war der erste Zivilist auf diesem Posten. Fast alle Funktionsträger im Ministerium sind Offiziere. Auch der Duma gehören überproportional viele aktive Offiziere an. 2004 wurden die operativen Befugnisse des Verteidigungsministers zu Ungunsten des Generalstabs ausgeweitet.

Generalstabschef ist seit Juni 2008 Armeegeneral Nikolai Makarow. Oberkommandierender der russischen Landstreitkräfte ist seit August 2008 Armeegeneral Wladimir Boldyrew. Der Oberbefehlshaber der Strategischen Raketentruppen ist zurzeit Generaloberst Nikolai Solowzow; Generalmajor Oleg Ostapenko befehligt seit Juli 2008 die russischen Weltraumtruppen.[1]

Ausrüstung und Gliederung

Trotz der oft hochmodernen und teilweise auch von anderen Armeen unerreichten Ausrüstung einzelner Truppenteile war in den meisten Kampfverbänden doch die veraltete, den modernen Anforderungen nicht mehr entsprechende Technik im Einsatz. Infolge der wirtschaftlichen Konsolidierung Russlands zog aber auch hier eine Wandlung ein. Das Militärbudget wurde seit Putins Machteintritt etwa vervierfacht, wobei einige Spezialisten vermuten, dass die tatsächlichen Militärausgaben noch weit höher als offiziell bekannt gegeben liegen. [2]

Heer

Ein russischer Marineinfanteriesoldat während eines Manövers in Polen im Juni 2003
Russische Fallschirmjäger in Kasachstan

Das Russische Heer gliedert sich in 6 Heereskorps

  • Moskauer Militärdistrikt
  • Leningrader Militärdistrikt
  • Nord-Kaukasischer Militärdistrikt
  • Wolga-Uralischer Militärdistrikt
  • Sibirischer Militärdistrikt
  • Fernöstlicher Militärdistrikt

Oberbefehlshaber ist seit 2004 der Armeegeneral Aleksei Fedorovich Maslov.

Russischer Soldat mit Ausrüstung

Das eigentliche Heer besteht aus Bodenkampfeinheiten (Infanterie/Panzer/Gepanzerte Fahrzeuge/Transporter und Luftabwehreinheiten) und Hubschraubern, da die gesamte Heeres-Luftwaffe kürzlich in die Zuständigkeit der Russischen Luftwaffe übergeben wurde. [3]

Infanterie

Die aktuelle Standardausrüstung eines russischen Infanteristen trägt die Bezeichnung „Barmiza“ und besteht aus der kugelsicheren Weste 6B12 „Zabralo“ welche einen Direkttreffer aus einer AK-74 in einer Entfernung von bis zu zehn Meter abfangen soll [4],[5] dem Helm- 6B6 „Borit-M“, einem Wasseraufbereitungsfilter und Vorrichtungen zur individuellen Feldbeobachtung, Kommunikations- und lebenserhaltende Einrichtungen.

Als Waffe wird neben der AK-74 auch der Nachfolger AN-94 geführt, welcher aber optisch zum Verwechseln ähnlich aussieht.[6]. Als Nachfolgemodell wird schon die verbesserte Variante "Ratnik" entwickelt, welche hauptsächlich verbesserte Navigations- und Kommunikationsvorrichtungen haben soll (so die Anbindung an das Russische Navigationssystem GLONASS).

Panzerwaffe

Seit dem Zerfall der Sowjetunion und etwa bis zu dem zweiten Tschetschenien-Krieg bestand ein Drittel der Russischen Panzerwaffe aus veralteten T-55 und T-62, die jedoch nach und nach ausgemustert werden. Der Zulauf des T-80UM, die Modernisierung älterer T-80U und die Indienststellung des T-90 sind angelaufen und werden je nach Finanzlage beschleunigt. So befinden sich mittlerweile etwa 550 T-90A im Dienst, bis zum Jahre 2015 sollen es etwa 1200 sein. Dazu kommt noch etwa dieselbe Anzahl an auf das Niveau des T-90 aufgerüsteten T-72. Parallel wird an der Entwicklung einer neuen Panzergeneration gearbeitet. Der Anfang soll mit dem T-95 gemacht werden.

Luftstreitkräfte

→ Hauptartikel: Russische Luftstreitkräfte

Oberbefehlshaber ist seit Mai 2007 Generaloberst Alexander Nikolajewitsch Selin. In den Jahren des Verfalls, bis etwa 2002 war die Luftwaffe, ihrer Natur nach der Zweig der Streitkräfte, der am stärksten gelitten hat. Die meisten Projekte wurden eingestellt, die Piloten und die Flugzeuge blieben am Boden, da kein Kraftstoff für die Flugstunden vorhanden war. Mittlerweile sieht die Lage wieder anders aus, wobei die aktuelle Strategie weniger auf das Herstellen eines Flugzeuges der Fünften Generation gezielt ist, sondern auf das maximieren von Fähigkeiten der Flugzeuge aus der Vierten Generation, so werden viele Flugzeuge entsprechend nachgerüstet und verbessert. Die Entwicklung eines Flugzeuges der Fünften Generation ist jedoch ebenfalls in Arbeit, wobei im Unterschied zu den US-Typen wesentlich weniger Wert auf das Stealth-Konzept gelegt wird, dagegen wesentlich mehr auf höchste Manövrierfähigkeit. Daneben wird die Entwicklung einer modernen Hubschrauberflotte voran getrieben.

Die immer noch brauchbaren, aber in die Jahre kommenden Mil Mi-24 sollen durch die Mil Mi-28 und Kamov Ka-50 ersetzt oder ergänzt werden. So sollen bis zum Jahre 2015 300 Mi-28 in Dienst gestellt werden (50 bis 2010).[7] Dabei wird der Mi-28N vermutlich die Rolle des Hauptkampfhubschraubers übernehmen und der Ka-50 den Sondereinheiten vorbehalten sein.

Russland verfügt über 11 Zerstörer der Udaloy-Klasse

Marine

Hauptartikel: Russische Marine

Die Russische Marine hat den größten Teil der ehemaligen Sowjetischen Flotte übernommen und setzt sich aus den folgenden Flotten zusammen:

Dazu kommen noch die Einheiten der Marineinfanterie und die Küstenartillerie.

Oberbefehlshaber ist seit September 2007 Admiral Wladimir Sergejewitsch Wysozki. Nach den Wirren und der katastrophalen Lage der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts befindet sich die Flotte gerade in einer großangelegten Modernisierung-Phase. Dabei sollen bis zum Jahr 2015 etwa 45% der Ausrüstung ersetzt werden [8]. 25% der den Streitkräften zur Verfügung gestellten Summe sollen explizit in die Modernisierung der Flotte fließen [9]

Traditionell wird bei den Russischen Streitkräften kaum Wert auf Flugzeugträger gelegt. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass in der aktiven Entstehungsphase in den 60-70er Jahren die sowjetische Führung zu der Meinung gelangt war, die Flugzeugträger seien an Ihrem Preis/Leistungsverhältnis gemessen zu verwundbar, als dass sich eine Aufholjagd auf die in diesem Bereich weitaus erfahreneren USA lohnen würde. Deswegen besitzt Russland nur noch einen von lediglich zwei Flugzeugträgern der ehemaligen UDSSR - die Admiral Kusnezow. Die meisten anderen, flugzeugtragenden Schiffe wurden entweder verkauft oder verschrottet. [10] Neuanschaffungen sind erst nach 2015 geplant. Dagegen befinden sich mehrere strategische und konventionelle U-Boote im Bau. Außerdem unterlaufen viele Schiffe größere Modernisierungsmaßnahmen. Trotz alldem bleibt die Flotte noch weit unter dem Standard der ehemaligen Sowjetflotte.

2008 operierte die russische Marine mehrmals in den Weltmeeren. So nahm sie in der Karibik an einer gemeinsame Übungen mit der venezolanischen Marine teil und passierte erstmals seit 1944 wieder den Panamakanal. Weitere Flottenbesuche fanden in Nicaragua und Kuba statt.

Luftlandestreitkräfte

Hauptartikel: Luftlandetruppen (Russland) ‎ ‎ Gegründet zur Zeit des Zweiten Weltkrieges als ein Teil der Luftstreitkräfte, bilden die Luftlandestreitkräfte, abgekürzt WDW genannt, in Russland jetzt einen eigenen Zweig der Gesamtstreitkräfte. Sie bestehen aus 4 Divisionen, einer Brigade und einem Ausbildungszentrum in der Größe einer Brigade.[11]

Daneben gibt es noch eine mobile Luftlandedivision und ein Luftlanderegiment, die direkt dem jeweiligen Militärbezirk, in dem sie gerade positioniert sind, unterstellt sind. Neben eigentlichen Infanteriewaffen sind die WDW auch mit entsprechenden gepanzerten Fahrzeugen wie dem BMD Panzer ausgerüstet.[12] Dank der Aufgabe im feindlichen Hinterland Kampfzonen zu errichten und den militärischen Erfolgen in der Vergangenheit [13], wie z.B. beim Kampf um die Anhöhe 776 im Zweiten Tschetschenienkrieg, [14] verstehen sich die Truppen der WDW als Elite-Einheiten.

Strategische Raketentruppen (RVSN)

Die RVSN (Raketnye voyska strategicheskogo naznacheniya Rossiyskoy Federatsii) wurden am 24. März 2001 durch ein Dekret des russischen Präsidenten gegründet und bilden historisch gesehen einen Zusammenhang zu dem 1959 gegründeten Teil der sowjetischen Streitkräfte. Im Juni 2001 wurden die Weltraumstreitkräfte aus den Strategischen Raketenstreitkräften abgesondert und in eine separate Unterabteilung der Gesamtstreitkräfte zusammengefasst.

Aktuell ist, nach mehreren erfolgreichen Testabschüssen die Umrüstung von alten SS-18/SS-19 auf die entwickelte R-24 (SS-X-29) geplant.[15][16][17]

Präsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew (l.) mit Generaloberst Nikolai Solovtsov (m.) und Verteidigungsminister Anatoli Eduardowitsch Serdjukow (r.), 2008
Gliederung
  • Zentralkommandostelle bei Moskau
    • 27. Raketenarmee in Wladimir mit 5 Raketendivisionen, ihr unterstellt sind 216 Raketen
    • 31. Raketenarmee in Orenburg mit 2 Raketendivisionen, 77 Raketen
    • 33. Raketenarmee in Omsk mit 4 Raketendivisionen, 133 Raketen

Eine vierte, die 53. Raketenarmee in Tschita, wurde 2002 aufgelöst.

Die Mannschaftsstärke beträgt derzeit 120.000 Mann, zwei Drittel davon Militärangehörige, der Rest zivile Angestellte. Befehlshaber der RVSN ist seit dem 26. April 2001 Generaloberst Nikolai Solovtsov (*1949).

Anzahl der Systeme und Sprengköpfe[18]

Weltraumstreitkräfte

Die Weltraumstreitkräfte Russlands fassen die Einheiten, die für die strategische Raketenabwehr, die Ausführung eines Nuklearschlages, die Erkundung der Gebiete eines potentiellen Gegners und die Informationsversorgung anderer Einheiten, zusammen.[19] Das Arsenal stellt dabei hauptsächlich die Satellitenflotte Russlands dar. Diese besteht aus mindestens 95 Satelliten, nach Quellenangaben sollte Ende 2007 die Anzahl von ca. 102 Satelliten, von denen die meisten militärischer Natur sind, erreicht werden.[20] Ursprünglich war dieser Sektor der Streitkräfte ein Teil der Luftstreitkräfte, erst 1992 wurde daraus ein eigenständiger Zweig und 1997 wurden sie den Strategischen Raketenstreitkräften unterstellt. Die eigentliche Geburtsstunde als ein selbständiger Teil der Russischen Armee war am 1. Juni 2001.

Militäranlagen im Ausland

Heute befinden sich schätzungsweise 25 russische Militärstützpunkte in neun ehemaligen Sowjetrepubliken. Dabei werden vor allem drei strategische Schwerpunkte gebildet: das Aufrechterhalten des Einflusses in Zentralasien in Konkurrenz zu China, die Einflussnahme auf die südliche Region, insbesondere den Kaukasus und ein Gegensteuern gegen die Ost-Expansion der Nato durch eigene Basen in Weißrussland. Die wichtigsten Stützpunkte im Ausland sind:

  • Gabala in Aserbaidschan mit der dortigen Radarstation, wo Einrichtungen der Weltraumstreitkräfte und der 37. Langstrecken-Luftflotte angesiedelt sind.
  • Eriwan in Armenien mit der 426. Luftwaffengruppe.
  • Gyurmi nahe der türkisch-armenischen Grenze mit der 127. motorisierten Schützendivision.
  • Baranawitschy in Weißrussland mit Einrichtungen der Weltraumstreitkräfte und der 37. Langstrecken-Luftflotte.
  • Wilejka in Weißrussland mit dem Längstwellensender Wilejka.
  • Sary Shagan, ein Raketenstartplatz und Übungsgelände in Kasachstan.
  • der Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan.
  • Kant in Kirgisistan mit Militärflughafen, einer großen Zahl schnell luftverlegbarer Einheiten und der 5. Luftarmee
  • Tiraspol in Moldawien mit einer Operationsgruppe der russischen Streitkräfte, ehemals 5. motorisierte Gardeschützenbrigade.
  • das Satellitenkontrollzentrum Nurek in Tadschikistan.
  • Duschanbe, Kulob und Qurghonteppa in Tadschikistan mit der 201. motorisierten Schützendivision und der 670. Luftwaffengruppe.
  • Sewastopol in der Ukraine mit der Schwarzmeerflotte.

Eine Besonderheit stellt Kirgisistan dar. Es erlaubt als einziges Land sowohl den USA als auch Russland das Betreiben von Militäreinrichtungen auf seinem Gebiet. Sowohl eine große US- als auch eine große russische Einrichtung befinden sich in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt.

Kadettenanstalten

Erste Kompanie einer Kadettenanstalt um 1910

Die Tradition der militärischen Jugendlehranstalten bestand in Russland seit der Zeit Peters des Großen bis etwa in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. In der Sowjetzeit vielfach beseitigt lebte die jedoch oft noch bis in die 60er und 70er Jahre im Exil fort, oder wurde um die Zeit des Zweiten Weltkrieges in die der Sowjetischen Realität angepassten Form wiederhergestellt.

In der Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Tradition der Zaristischen Kadettenanstalten und Militärischer Gymnasien auf breiter Front wiederbelebt. Im Russischen Imperium gab es etwa fünfzig unterschiedliche Institute dieser Art. [21]

Im heutigen Russland sind nur einige tatsächlich wiederbelebte Traditionsanstalten wie die "Kadettenanstalt von Omsk", oder die "Zweite Moskauer Kadettenanstalt", viele sind reine Neuschöpfungen auf alter Tradition, mitunter auch in Bauten der Zaristischen Kadettenanstalten untergebracht. Einige der höheren Militärischen Akademien, wie das berühmte "Suvorwskoje Uchilische" bestehen jedoch erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Andere wiederum, wie die "Petersburger Raketen und Artillerie-Anstalt" (ursprünglich das Petersburger "Hof Regiment", Mitte des 19. Jahrhunderts in die "Konstantinische Kadettenanstalt" umbenannt) sind Weiterentwicklungen alter Militäranstalten entsprechend neuen Anforderungen ergänzt. [22]

Die Anstalten selber haben unterschiedlichste Ziele, Anforderungen und Möglichkeiten. Während einige nicht viel mehr als Allgemeine Schulen mit militärischem oder militärnahem Hintergrund sind, sind andere Eliteanstalten mit harten Aufnahmeprüfungen und sehr guten Möglichkeiten zu einer Offiziers-Karriere nach Abschluss. Es gibt halb selbstständige Anstalten wie das "Suvorowskoje" oder "Nachimowskoe", daneben solche die dem Verteidigungsministerium, dem Innenministerium oder dem FSB angehören.[23]

Nach einer mehrjährigen Ausbildung gibt es für die Absolventen z.B die Möglichkeit ohne Eintrittsexamen in die Höheren Militärischen Lehranstalten einzutreten. Sie besitzen auch die Qualifikation, mit Eintrittsexamen in beliebige Hochschulen nichtmilitärischer Richtung aufgenommen zu werden.[24] Es gibt auch die Tradition, eine bedeutende Quote an Kindern aus schwierigen Lebensverhältnissen, wie Kindern schwerbehinderter Eltern oder aus Waisenhäusern aufzunehmen.

Orden für besondere Verdienste

Dedowschtschina

Einschlägige Verletzungen der Bürger- und Menschenrechte waren und sind innerhalb der russischen Streitkräfte immer noch ein bisweilen aufsehenerregendes Thema. Besonders berüchtigt ist die so genannte Dedowschtschina.

Am 6. Februar 2006 gab die russische Militärstaatsanwaltschaft bekannt, dass im Jahre 2005 insgesamt 139.000 Straftaten innerhalb der Armee registriert wurden. Darunter wurden 6.000 Soldaten wegen Misshandlung durch Kameraden verletzt, 2.600 Soldaten wurden für derartige Straftaten verurteilt.

Im Jahr 2006 wurden 6.700 Rekruten von Vorgesetzten misshandelt, 33 starben an den Folgen der Mißhandlungen. Der Generalstaatsanwalt Juri Tschaika teilte mit, dass von den insgesamt 766 durch Unfälle und Verbrechen in der russischen Armee Gestorbenen einige auch bei privaten Arbeiten für ihre Vorgesetzten gestorben waren.[25] Die Militärreformen von 2006 sollen nach dem Willen der politischen Führung Russlands helfen, auch dieses Problem unter Kontrolle zu bringen.

Beteiligung Russlands an UN-Friedensmissionen

In der Vergangenheit hat Russland sich schon mehrfach an UN-Friedensmissionen beteiligt. So an der von der NATO geführten und durch UN-Mandat legitimierten Implementation Force (IFOR) und Stabilization Force (SFOR) in Bosnien-Herzegowina und an der Kosovo Force (KFOR) im Kosovo (ehemals Serbien). Außerdem mit 113 Soldaten an der im Dezember 2005 beendeten United Nations Mission in Sierra Leone (UNAMSIL).

Durch bilaterale Vereinbarungen erfolgten außerdem Friedenseinsätze 1992 in den Krisenegionen Transnistrien in Moldawien und zusammen mit Georgien in Südossetien.

Im Rahmen der GUS-Friedensmissionen folgten Einsätze 1993 zusammen mit kasachischen Soldaten in Tadschikistan und 1994 in Abchasien in Georgien.

Beteiligung Russlands 2008 Soldaten Militärbeobachter Polizisten
MINURSO (Westsahara) - 18 -
MINUSTAH (Haiti) - - 7
MONUC (Dem. Rep. Kongo) - 29 4
UNIOSIL (Sierra Leone) - 1 -
UNMEE (Äthiopien, Eritrea) - 3 -
UNMIK (Kosovo) - 1 39
UNMIL (Liberia) - 3 8
UNMIN (Nepal) - 8 -
UNMIS (Sudan) 122 13 11
UNMIT (Osttimor) - - 5
UNOCI (Elfenbeinküste) - 11 -
UNOMIG (Georgien) - 4 2
UNTSO (Israel, Palästina) - 4 -

Wappen und Flaggen

Verweise

Interne Verweise

Literatur

  • Zdzislaw Lachowski: Foreign Military Bases in Eurasia, SIPRI Policy Paper No. 18, Juni 2007. Als pdf-Datei

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.mil.ru/848/1045/index.shtml russisch
  2. Keir Giles, Military Service in Russia: No New Model Army, CSRC, May 2007
  3. http://warfare.ru/?lang=&catid=239&linkid=2239
  4. niistali.ru/article/gladishev_1.doc
  5. Kirasa Offers new Soldier is Protective Wear
  6. Боевой комплект индивидуальной защиты бойца - "Бармица"
  7. Russia’s Air Force to Replace Combat Helicopters by 2015 - Kommersant Moscow
  8. [http://en.rian.ru/analysis/20071005/82619436.html RIA Novosti - Unmanned aerial vehicles increase in numbers
  9. RIA Novosti - Russia's Navy gets ambitious
  10. Грани.Ру // Война:: Масорин: Россия построит атомные авианосцы
  11. siehe http://www.desant.ru/
  12. Боевые возможности воздушно-десантных войск
  13. http://usacac.army.mil/CAC/milreview/English/JulAug01/JulAug01/bobja01.pdf
  14. http://usacac.army.mil/CAC/milreview/English/JulAug01/JulAug01/bobja01.pdf
  15. RIA Novosti - Russia hits target in ICBM debut test
  16. http://ifri.org/files/Securite_defense/proliferation_paper_Fedorov1.pdf
  17. RVSN - Strategic Missile Troops - Russian and Soviet Nuclear Forces
  18. http://russianforces.org/missiles/
  19. The Russian Federation Ministry of Defence official homepage on the Internet
  20. Lenta.ru: Численность российской орбитальной группировки превысит сто спутников
  21. http://www.armymuseum.ru/kad20_r.html
  22. http://www.ruscadet.ru/kktoday/kk%20mo/kk_mo/krak/comm.htm
  23. http://www.ruscadet.ru/kktoday/list.htm
  24. http://www.rian.ru/spravka/20080226/100050762.html
  25. Unfälle, Missbrauch, Mord - Moskaus tödliche Armee - n-tv.de

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