Mönchzell
Mönchzell
Gemeinde Meckesheim
Wappen von Mönchzell
Koordinaten: 49° 20′ N, 8° 51′ O49.3352777777788.8480555555556155Koordinaten: 49° 20′ 7″ N, 8° 50′ 53″ O
Höhe: 155 m ü. NN
Fläche: 4,6208 km²
Einwohner: 1.196 (2004)
Postleitzahl: 74909
Vorwahl: 06226

Mönchzell ist seit 1973 ein Ortsteil der Gemeinde Meckesheim in Nordbaden (Baden-Württemberg) und gehört zum Rhein-Neckar-Kreis.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Mönchzell liegt rund 20 km südöstlich von Heidelberg, der Ort befindet sich am Lauf des Lobbachs auf einer Höhe von 150 bis knapp 260 Meter. Die Siedlung liegt an der Einmündung des Brunnenbächleins in das nach Südwesten gerichtete Lobbachtal.

Geschichte

1337 wurde Mönchzell erstmals urkundlich als "Wyelercellen" im Lorscher Codex erwähnt, und zwar in einer das Kloster Lobenfeld betreffenden Urkunde. Der Ort entstand vermutlich im 9. Jahrhundert als kirchliche Ausbausiedlung. Die kirchliche Zugehörigkeit zur Pfarrei Lobenfeld mit dem dortigen Kloster wie die frühere Ausrichtung Mönchzells zum Lobbachtal hin, könnten für einen Ausbau von Lobenfeld her sprechen, während die amtliche Kreisbeschreibung einen Ausbau von Meckesheim her vermutet, ohne hierfür irgendwelche Gründe anzuführen. Am ehemaligen Mönchzeller Weiher, im heutigen Hofgut Fellmann zwischen dem Weihergarten und der Friedhofstraße gelegen, dürfte die Keimzelle Mönchzells zu finden sein. Dort könnte wie bei anderen Zellorten auch, die kirchliche Zelle eines Einsiedlers existiert haben, worauf auch Mauerreste, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch vorhanden waren (siehe Ortschronik Pfarrer Nieder), hindeuten könnten. Mag es sich vielleicht um eine mönchische Klause oder Eremitage gehandelt haben, so findet sich die Bezeichnung Mönchzell doch erst ab 1354 und stammt von der damaligen Ortsherrschaft, den Herren Mönch von Rosenberg, ab.

In der amtlichen Kreisbeschreibung wird vermutet, dass Mönchzell alter Besitz der Grafen von Lauffen-Dilsberg und in das staufische Reichsland um Wimpfen einbezogen war. Nach dem Ende der Staufer ging die Zenthoheit über die Herren von Weinsberg 1330 an die Kurpfalz über, während die Ortsherrschaft von den Grafen von Katzenelnbogen ausgeübt wurde, ab 1354 auch von den Herren Mönch von Rosenberg. Das Dorf war zwischen den unterschiedlichen Herrschaftslinien meist hälftig geteilt und wurde auch verschiedentlich verpfändet, so dass als Herren u.a. auch die Landgrafen von Hausen, Albrecht von Venningen und Franz von Sickingen auftreten. 1503 konnte ein Georg Prantner das ganze Dorf erwerben, 1528 erwarb es Karl von Zandt.

1577 hatte das Dorf rund 80 Einwohner. Vermutlich verlief die alte Hauptausdehnung des Ortes quer zur Talrichtung, also vom "Schloss" (heutiges Hofgut Fellmann) zur Lobbach hin. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich die heutige Hauptstraße in Talrichtung. Innerhalb des ältesten Teils von Mönchzell (Hofgut) lag im Spätmittelalter ein Burgstadel, der 1565 von Georg von Zandt zur adeligen Wohnstatt ausgebaut wurde. Georg von Zandt gelang es auch, das bisherige Mannlehen in ein Erblehen umzuwandeln, so dass der Ort bis zum Tod von Felizitas Engelhard geb. von Zandt 1669 im Besitz der Familie blieb. Anschließend trat Andreas Hartmann von Festenburg als Lehnsherr auf, dessen verschuldete Nachkommen den Ort 1777 an Friedrich Johann Emich von Üxküll-Gyllenband, einem weitläufigen Verwandten, abtreten mussten. Unter den Üxküll wuchs die Bevölkerung rasch an. Wurden 1777 noch 221 Einwohner gezählt, so hatte sich diese Zahl bis 1818 auf 448 mehr als verdoppelt. Der Ort war bis in die jüngste Vergangenheit überwiegend landwirtschaftlich geprägt und hat sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem insbesondere durch Vertriebene ein weitere großer Bevölkerungszuwachs bis 1950 auf 789 Einwohner zu verzeichnen war, zu einer Arbeiterwohngemeinde entwickelt.

1803 gelangte Mönchzell zu Baden und war zunächst dem Amt Neckargemünd unterstellt. 1809 errichtete der württembergische Staatsminister Karl Heinrich Emich von Üxküll ein grundherrliches Amt Mönchzell für Justizsachen ein, das direkt dem Oberamt Heidelberg unterstellt war. Nach Aufhebung der grundherrlichen Verfassung 1813 wurde Mönchzell wieder in das Amt Neckargemünd eingegliedert, nach dessen Auflösung 1857 in das Amt Eberbach und 1863 in das Oberamt Heidelberg, das 1938 zum Landkreis Heidelberg umgegliedert wurde. Im Zuge der Kreisreform 1973 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde nach Meckesheim eingemeindet.

Wappen

Ehemaliges Gemeindewappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Silber auf grünem Boden ein Mönch in schwarzer Kutte und Kappe, in den Händen ein aufgeschlagenes schwarzes Buch haltend, mit einer Gebetskette am Rock. Es geht zurück auf ein Siegel aus dem 19. Jahrhundert. Das Wappen wurde 1911 vom Generallandesarchiv Karlsruhe entworfen. Die Gemeinde nahm es auch an, nutzte es aber erst seit der Beschaffung eines neuen Siegelstempels im Jahr 1959.

Brauchtum

Der Volksmund weiß scherzhaft zu berichten, dass die Erbsünde aus Mönchzell kommen soll. Die Mönchzeller Katholiken mussten nach der Reformation zum Kirchgang in das über den Reichelsberg zwei bis drei Kilometer entfernte Spechbach gehen. Eine Kirchgängerin hatte sich verspätet und traf erst ein, als der Pfarrer mitten in seiner Predigt war, die von der Erbsünde handelte. Als der Pfarrer in voller Fahrt in die Kirche rief "Und wo kommt Sie her die Erbsünde, wo kommt sie her?" trat die Mönchzeller Kirchgängerin ein und hörte gerade noch den letzten Halbsatz "wo kommt Sie her?". Sie fühlte sich angesprochen und antwortete ängstlich im Kurpfälzer Dialekt "Vun Minischzell, Herr Pfarrer". Diese Geschichte verbreitete sich im gesamten Kleinen Odenwald und seitdem kommt die Erbsünde aus Mönchzell.

Die Mönchzeller werden im Volksmund als „Kiwwelschisser“ bezeichnet, womit die frühere Armut im Ort Ausdruck findet. Viele Mönchzeller Häuser hatten wohl nicht einmal Toiletten, und die Bewohner verrichteten ihre Notdurft in Kübeln.

Die Ortsfarben sind - in Anlehnung an das Ortswappen - grün und weiß. Sie wurden z.B. vom SC Germania 1933 Mönchzell und den Musikfreunden Mönchzell als Vereinsfarben getragen.

Sehenswürdigkeiten

  • Evangelische Kirche St. Peter, erbaut 1787/90 im ehemaligen Pfarrgarten als Ersatz für eine bereits im 15. Jahrhundert erwähnte frühere Kirche im Gutshof. Die Kirche ist ein schlichter rechteckiger Saalbau mit in die Fassade integriertem Glockenturm. Die einstmals vorhandene historische Ausstattung mit Altar und Kanzel wurde im Zuge von Modernisierungen entfernt, ebenso die einstige Herrenloge, die der Familie von Üxküll vorbehalten war und später zur Sakristei umgebaut wurde, so dass die Kirche bis auf die Buntglasfenster heute praktisch keinen Schmuck mehr aufweist.
  • Katholische Kirche Maria Gottesmutter. Die kath. Kirche geht auf einen neogotischen Bau von 1904 zurück, wurde jedoch im späten 20. Jahrhundert erneuert, so dass von der neogotischen Kirche lediglich noch einige Fenster sowie ein Schnitzaltar und die Orgel in dem modernen Gebäude zu sehen sind.
  • Hofgut Fellmann, früherer herrschaftlicher Hof („Schloss“), der in seiner heutigen Gestalt größtenteils auf einen Neubau um 1770 zurückgeht. Zum Gut gehörte einst auch das 1910 abgerissene Rentamt sowie die Ziegelhütte und eine 1564 erstmals erwähnte Mühle. Das Gut wurde von den Erben der Grundherren 1867 an die Pfälzer Katholische Kirchenschaffnerei verkauft, diese veräußerte es 1982 an den damaligen Pächter Fellmann.
  • Rathaus von 1865
  • Schulhaus von 1904

Persönlichkeiten

  • Antonius Jakobus Henckel (* 1669 in Merenburg; † 1727 in Germantown) war Pfarrer in Mönchzell. Henckel wanderte mit seiner Ehefrau und acht Kindern nach Nordamerika aus und wurde zum Reformator der lutherischen Kirche in Pennsylvania.
  • Karl Friedrich Bauer (* 11. März 1827 in Mönchzell; † 1889 Milwaukee) war einer der führenden Köpfe der Badischen Revolution 1848/49 im Kraichgau.

Weblinks

 Commons: Mönchzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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