Mühlhausen (Kraichgau)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Mühlhausen
Mühlhausen (Kraichgau)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mühlhausen hervorgehoben
49.24758.7238888888889144
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 144 m ü. NN
Fläche: 15,31 km²
Einwohner:

8.245 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 539 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 69240–69242
Vorwahlen: 06222, 07253
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 054
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 6
69242 Mühlhausen
Webpräsenz: www.muehlhausen-kraichgau.de
Bürgermeister: Karl Klein (CDU)
Lage der Gemeinde Mühlhausen im Rhein-Neckar-Kreis
Bayern Hessen Rheinland-Pfalz Heidelberg Heilbronn Landkreis Heilbronn Landkreis Karlsruhe Mannheim Neckar-Odenwald-Kreis Eberbach Altlußheim Angelbachtal Bammental Brühl (Baden) Dielheim Dossenheim Eberbach Eberbach Eberbach Edingen-Neckarhausen Edingen-Neckarhausen Epfenbach Eppelheim Eschelbronn Gaiberg Heddesbach Heddesheim Heiligkreuzsteinach Helmstadt-Bargen Hemsbach Hirschberg an der Bergstraße Hockenheim Ilvesheim Ketsch Ladenburg Laudenbach (Bergstraße) Leimen (Baden) Leimen (Baden) Lobbach Malsch (bei Wiesloch) Mauer (Baden) Meckesheim Mühlhausen (Kraichgau) Neckarbischofsheim Neckargemünd Neidenstein Neulußheim Nußloch Oftersheim Plankstadt Rauenberg Reichartshausen Reilingen Sandhausen St. Leon-Rot Schönau (Odenwald) Schönbrunn (Baden) Schriesheim Schwetzingen Schwetzingen Sinsheim Spechbach Waibstadt Walldorf (Baden) Weinheim Weinheim Wiesenbach (Baden) Wiesloch Wilhelmsfeld ZuzenhausenKarte
Über dieses Bild

Mühlhausen ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Mühlhausen gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und liegt in 125 bis 250 Metern Höhe im Kraichgau, etwa 20 km südlich von Heidelberg. Durch Mühlhausen fließt der Waldangelbach, in den das Tairnbächle mündet.

Nachbargemeinden

Die Gemeinde grenzt im Norden an Dielheim, im Osten an die Stadt Sinsheim, im Südosten an Angelbachtal, im Süden an die Stadt Östringen und Bad Schönborn im Landkreis Karlsruhe, im Westen an Malsch und im Nordwesten an die Stadt Rauenberg.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Mühlhausen gehören die ehemaligen Gemeinden Rettigheim südwestlich und Tairnbach nordöstlich von Mühlhausen. Zu allen drei früheren Gemeinden gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. In der Gemeinde Mühlhausen in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 liegt die Wüstung Grombacher Märkel, an deren Stelle später eine heute ebenfalls abgegangene Ziegelhütte errichtet wurde. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Tairnbach liegen die Wüstungen Sternweilerhof und Glismutehusen.[2]

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Tairnbach ist eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.

Geschichte

Mühlhausen wurde im Jahre 783 im Lorscher Codex als Mulinhusa erstmals urkundlich erwähnt. Die Herrschaften wechselten mehrfach, es waren unter anderem die Abtei Mosbach, das Hochstift Worms und ab 1272 das Hochstift Speyer.

Rettigheim wurde im Jahre 788 ebenfalls im Lorscher Codex als Radinchheim erstmals erwähnt und gehörte später zum Kloster Odenheim. Speyer erwarb 1338 mit der Vogtei auch die Grundherrschaft über den Ort. 1546 erlangte es dann alle Herrschaftsrechte.

Tairnbach wurde um 1300 erstmals als Deiernbach erwähnt und war zu dieser Zeit ebenfalls speyerisch. Zur Reformationszeit gehörte das Dorf jedoch zum Herrschaftsbereich der Herren von Hirschhorn – und damit zum Ritterkanton Odenwald – und wurde somit evangelisch. Nach mehreren Herrschaftswechseln erwarben 1735 die Freiherren von Überbrück zu Rodenstein den Ort.

1803 kamen Mühlhausen und Rettigheim zu Baden, 1805 auch Tairnbach.

Von der Kaiserzeit bis zum Ende Weimarer Republik war in Mühlhausen und Rettigheim das Zentrum die prägende Partei. Die NSDAP erhielt 1933 jeweils ein Viertel der Stimmen. In Tairnbach waren bis zum Ersten Weltkrieg die Nationalliberalen am stärksten. Anschließend waren die DDP und die DVP die bevorzugten Parteien, ehe ab 1930 die NSDAP die Mehrheit erhielt. Alle drei Teilorte gehörten zum Landkreis Heidelberg, bis dieser 1973 im neugegründeten Rhein-Neckar-Kreis aufging.

Einwohnerentwicklung 1652 1787 1834 1875 1939 1965
Mühlhausen[3] 97 534 950 1175 2083 3080
Rettigheim[4] 75 330 566 612 883 1486
Tairnbach[5] 413 466 669 889

Religionen

Entsprechend der langen Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer waren Mühlhausen und Rettigheim römisch-katholisch geprägt. Die Religionsverteilung änderte sich kaum, so dass 1965 immer noch mehr als 90 Prozent der Einwohner katholischen Glaubens waren. Heute bilden Mühlhausen, Malsch und Rettigheim die Seelsorgeeinheit Mühlhausen im Dekanat Wiesloch des Erzbistum Freiburgs.

In Tairnbach gab es im 19. Jahrhundert ein starke jüdische Gemeinde, die im Ort eine Synagoge unterhielt. 1825 erreichte sie ihren Höhepunkt, als sie ein Drittel der Einwohnerzahl stellte.[6] Nach der Abwanderung in die Städte löste sich die Gemeinde auf und 1905 waren 99 Prozent der Tairnbacher evangelisch. Durch die Aufnahme von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der katholische Anteil auf 16 Prozent im Jahr 1961.

Eingemeindungen

Im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform wurde am 1. Januar 1972 Rettigheim und am 1. Januar 1975 Tairnbach zu Mühlhausen eingemeindet.

Politik

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 58,2 %
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30
20
10
0
60,3%
22,3%
17,4%
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Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2004
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+1,5%
+0,6%
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Das Rathaus von Mühlhausen

Gemeinderat

Dem Gemeinderat gehören neben dem vorsitzenden Bürgermeister 23 Mitglieder an. Sie werden alle fünf Jahre direkt gewählt. In Tairnbach gibt es einen Ortschaftsrat. Die Wahl am 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis:

  1. CDU 60,3 % (-2,2) - 14 Sitze (+1)
  2. FWB 22,3 % (+1,5) - 5 Sitze (+1)
  3. SPD 17,4 % (+0,6) - 4 Sitze (+1)

Bürgermeister

Karl Klein (CDU) ist seit 1992 Bürgermeister von Mühlhausen.

Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In geteiltem und halbgespaltenem Schild oben in Silber ein vierspeichiges, achtschaufeliges schwarzes Mühlrad, unten rechts in Blau an silbernem Stiel mit zwei silbernen Blättern eine silberne Weintraube, unten links in Gold ein grünes Kleeblatt.

Nach den Eingemeindungen 1972 und 1975 hatte Mühlhausen zunächst sein altes Wappen – das Mühlrad – weitergeführt. Auf Wunsch der Gemeinde wurde in Zusammenarbeit mit dem Generallandesarchiv das neue dreigeteilte Wappen geschaffen und zusammen mit der Schwarz-Weißen Flagge 1997 vom Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis verliehen. Es zeigt nun mit dem Rettigheimer Kleeblatt und der Tairnbacher Weintraube auch Elemente aus den alten Wappen der beiden eingemeindeten Orte.[7]

Partnerschaften

Mühlhausen unterhält seit 1991 partnerschaftliche Beziehungen zu Saint-Étienne-de-Montluc in der Bretagne in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Katholische Kirche Mühlhausen
Katholische St.-Nikolaus-Kirche in Rettigheim

Der Turm der katholischen Kirche St. Cäcilia in Mühlhausen wurde um 1250 errichtet. Um 1530 wurde die oktogonale Glockenstube und der spitze Turmhelm aufgesetzt. Das flache Schiff wurde 1805 erbaut. Der 1881 errichtete Chor wurde bei der Erweiterung 1952 ersetzt durch ein Querschiff mit Apsis in modernem Stil.

Die katholische St.-Nikolaus-Kirche in Rettigheim wurde 1823/24 im spätklassizistischen Stil erbaut. 1956 wurde sie erweitert.

Das Tairnbacher Schloss wurde 1736 erbaut. Von 1905 bis 1975 diente es Tairnbach als repräsentatives Rathaus.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Über Jahrhunderte waren die drei heute in der Gesamtgemeinde Mühlhausen vereinigten Orte landwirtschaftlich geprägt und ein wichtiger Weinbaustandort. Im 19. und 20. Jahrhundert vollzog sich zunächst der Wandel zu einem Fabrikationsort der Zigarrenindustrie und dann zu einer Wohngemeinde für Pendler. Mühlhausen liegt an der regionalen Entwicklungsachse Speyer–Wiesloch–Sinsheim mit einer guten Verkehrsanbindung an die Unternehmen in Wiesloch, Walldorf, Östringen, Heidelberg und Mannheim.

Der Orgelbauer Karl Göckel (* 1957) hat seinen Sitz in Rettigheim.

Verkehr

Mühlhausen ist über die vier Kilometer entfernte Anschlussstelle Wiesloch/Rauenberg der A 6 an das Fernstraßennetz angebunden. Außerdem verläuft die B 39 durch die Gemeinde.

In die umliegenden Gemeinden führen Buslinien. Mühlhausen gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Historisch ist noch die Nebenbahn von Wiesloch-Walldorf nach Meckesheim beachtenswert, die am 14. Mai 1901 eröffnet wurde und am 16. Oktober 1901 einen weiteren Streckenabschnitt in Richtung Waldangelloch über Rauenberg, Rotenberg, Mühlhausen, Tairnbach, Eichtersheim und Michelfeld erhielt. Der Bahnverkehr wurde 1980 eingestellt.

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

In den Ortsteilen Rettigheim und Tairnbach gibt es jeweils eine Grundschule, in Mühlhausen befindet sich eine Grund- und Hauptschule. Öffentliche Büchereien gibt es in Mühlhausen und Rettigheim. Die Volkshochschule Südliche Bergstraße hat in Mühlhausen eine Außenstelle. Für die jüngsten Bewohner gibt es zwei kommunale, zwei römisch-katholische und (in Tairnbach) einen evangelischen Kindergarten.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • 1919, 1. Juli, Hans Bender, deutscher Schriftsteller und Herausgeber.
  • 1957, 5. April, Armin Rühl, deutscher Schlagzeuger.

Literatur

  • Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
    • Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
    • Bd 2: Die Stadt Heidelberg und die Gemeinden des Landkreises Heidelberg. Karlsruhe 1968
  • Georg Adam: Ein Dorf erzählt seine Geschichte: 1200 Jahre Mühlhausen im Kraichgau mit den Ortsteilen Rettigheim und Tairnbach; 783-1983. Mühlhausen im Kraichgau 1982

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 392–394
  3. Kreisbeschreibung Bd. 2 S. 722.
  4. Kreisbeschreibung Bd. 2 S. 798.
  5. Kreisbeschreibung Bd. 2 S. 961.
  6. Alemannia Judaica
  7. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 82

Weblinks

 Commons: Mühlhausen (Kraichgau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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