Nachmanides

Nachmanides (* 1194 in Girona; † 1270 in Palästina, eigentlich Moses ben Nachman, bekannt auch unter dem Akronym RaMBaN (hebr. רמב"ן), hergeleitet von Rabbi Moshe ben Nahman) war ein jüdischer Gelehrter, Arzt, Philosoph, Bibelexeget und Dichter aus Katalonien.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rabbi Moses ben Nachman, spanisch Bonastruc ça Porta, stammt aus einer Gelehrtenfamilie von Gerona, daher sein Beiname Rabbenu Moses Gerondi. Er war ein Nachfahre von Isaak ben Reuben von Barcelona und ein Cousin von Jona Gerondi. Ob der reiche Kaufmann Benveniste da Porta von Barcelona sein Bruder war, ist nicht gesichert. Nachmanides studierte jüdische Lehre, Medizin und Philosophie in Barcelona und gilt als einer der bedeutendsten jüdischen Religionsphilosophen seiner Zeit.[1]

Von seinem Lehrer Judah ben Jakar, einem Schüler von Isaac ben Abraham von Dampierre, lernte er die Tradition der Tosafisten Nordfrankreichs kennen, von Meir ben Isaak von Trinquetaille, die Methoden der provencalischen Jeschivot. Er entwickelte sich zu einer der einflussreichsten geistlichen und politischen Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in Katalonien. Von 1264 bis zu einer Emigration ins Heilige Land war er als Nachfolger von Jona ben Abraham Gerondi Chefrabbi von Katalonien.

Als in den Jahren 1230 bis 1232 der Maimonidesstreit in Montpellier erneut ausgebrochen war, versuchte Nachmanides schlichtend zu wirken. Einerseits forderte er die spanischen Gemeindevorsteher auf, nichts gegen die Maimonidesgegner der Provence zu unternehmen, anderseits versuchte er die französischen Rabbiner vom Bann der Maimonidesschriften abzuhalten. Er hatte jedoch mit seinen Bemühungen keinen Erfolg.

Aufgrund seiner Gelehrsamkeit und seines Ansehens wurde er auch vom König Jakob I. von Aragón als Ratgeber in jüdischen Angelegenheiten beigezogen. Im Jahr 1263 zwang in der König, an der Disputation von Barcelona teilzunehmen und die jüdische Seite gegen den Konvertiten Pablo Christiani zu vertreten. Nach der Disputation, die im Juli 1263 in Anwesenheit des Königs und von führenden Vertreter der Dominikaner und der Franziskaner stattfand, wurde Nachmanides zum Sieger erklärt. Vom Bischof von Gerona erhielt er den Auftrag, seine Ausführungen am Streitgespräch zu dokumentieren (veröffentlicht in Sefer Ṿikuaḥ ha-Ramban). Die Dominikaner, die mit dem Ausgang des Gespräches nicht einverstanden waren, versuchten 1265 Nachmanides wegen Beleidigung des christlichen Glaubens vor Gericht zu ziehen. Erst ein Brief vom Papst Clemens IV. an den König, bewog Nachmanides Katalonien zu verlassen und ins Heilige Land auszuwandern.

Im Sommer 1267 kam er in Akkon an und begab sich noch im gleichen Jahr nach Jerusalem. In einem Brief an seinen Sohn beschrieb er den desolaten Zustand der Stadt, die sieben Jahre zuvor von den Tataren-Horden zerstört worden war. Er begann die wenigen verbliebenen Juden in einer Gemeinde zu sammeln und richtet eine Synagoge und vermutlich auch eine Jeschiwa in der Stadt ein. Berichte über seine Aktivitäten verbreiteten sich rasch, sodass wieder viele jüdische Siedler nach Jerusalem strömten. Im Jahr 1269 kehrte er nach Akkon zurück und war bis zu seinem Tode 1270 Vorsteher der dortigen Gemeinde. Wo sein Grab liegt, ist nicht gesichert. Einige glauben, er sei an Fusse des Berges Karmel begraben, andere vermuten, er sei in Haifa an der Seite von Jechiel ben Josef von Paris beerdigt worden.[2]

Von vier seiner Nachkommen (drei Söhne und eine Tochter) sind die Namen überliefert. Sie waren offenbar weiterhin in Spanien geblieben.

Werk

Nachmanides entfaltete in dem um Maimonides' Schriften entbrannten Maimonidesstreit eine vermittelnde Tätigkeit. Seine Erklärungen zum Pentateuch und zum Buch Ijob lassen ihn als nüchtern gewandten Exegeten erkennen, der sich freilich von der kabbalistischen Strömung seiner Zeit mit fortreißen ließ.

Literatur

Weblinks

 Commons: Nachmanides – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Michael Krupp: Der Talmud / Eine Einführung in die Grundschrift des Judentums mit ausgewählten Texten, Gütersloher Verlagshaus, 1995, S. 174
  2. Vgl. Haviva Pedaya: NAḤMANIDES. In: Encyclopaedia Judaica, 2. Auflage, Band 14, Detroit, New York u.a. 2007, ISBN 978-0-02-865942-8, S. 739–748  (englisch)

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