Arngrímur Jónsson
Arngrímur Jónsson
Arngrímur auf dem 10-Kronen-Geldschein

Arngrímur Jónsson der Gelehrte (isländisch: Arngrímur Jónsson lærði; * 1568 in Auðunarstaðir in Víðidalur; † 27. Juni 1648 in Melstaður in Vestur-Húnavatnssýsla) war ein isländischer Gelehrter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er war der Sohn des Großbauern Jón Jónsson und seiner Frau Ingibjörg Loptsdatter. Er wurde von seinem Verwandten Guðbrandur Þorláksson, Bischof in Hólar, aufgezogen. Er nannte sich bald nach seiner Heimatgegend „Viðalín“, ein Name, den seine Nachkommen beibehielten. Er war zweimal verheiratet: 1598 mit Solveig Gunnarsdatter. Aus dieser Ehe stammten drei Kinder. 1628 mit Sigríður Bjarnadatter. Mit ihr hatte er neun Kinder, deren letztes in seinem 79. Lebensjahr geboren wurde. Für die ihm als Lebensgrundlage zugewiesene Landwirtschaft zeigte er nur geringes Interesse.

Werdegang

Mit 17 Jahren kam er für vier Jahre an die Universität Kopenhagen. Nach seiner Rückkehr wurde er Rektor der Lateinschule in Hólar und bischöflicher Kapellan. Das Rektorat behielt er bis 1598. 1596-1628 war er als bischöflicher Vikar Vertreter des Bischofs und verwaltete das Bistum während der langwierigen Krankheit des Bischofs bis zu dessen Tod 1627 das Bistum. Während dieser Zeit wurde er auch Pfarrer von Melstaður, wo er sich niederließ. Er war der engste Vertraute des Bischofs in dessen heftigen Rechtsstreitigkeiten. In dieser Funktion reiste 1592 er über Hamburg nach Kopenhagen, wo er bis 1593 blieb. Diese und eine spätere Auslandsreise 1602 nach Dänemark erhielten durch die dort geknüpften Verbindungen große Bedeutung. Zu Hause galt er als hochmütig und harten Sinnes. Trotz seines hohen Ansehens wegen seiner umsichtigen Verwaltung des Bistums schuf er sich durch sein wenig umgängliches Wesen so viele Feinde, dass, als er schon als selbstverständlicher Nachfolger des Bischofs angesehen wurde, die Geistlichen des Bistums rasch einen anderen wählten.

Nachwirkung

Während er von seinen Zeitgenossen nur als tüchtiger Prälat wahrgenommen wurde, hob die Nachwelt seine nationale Bedeutung hervor, weil er sich früher als andere Isländer als den ausländischen Gelehrten ebenbürtig erwies. Er lenkte den Blick der ausländischen Gelehrten auf Islands Frühzeit und dessen alte Literatur. Er gilt daher als Begründer der „Isländischen Renaissance“. Er schrieb für das Ausland auf Latein. Die dänische Regierung übertrug ihm die Aufgabe, die alten Schriften zu sammeln und zur Übersetzung und Auswertung nach Kopenhagen zu senden. Dafür erhielt er einen Teil der Abgaben aus den königlichen Krongütern in Island. Das führte ihn auch dazu, die vorherrschenden Darstellungen isländischer Verhältnisse bei den ausländischen Autoren zu korrigieren. Weiterhin übersetzte er verschiedene isländische Sagas für die dänischen Gelehrten ins Lateinische, z. B. die Jómsvíkinga saga und die norwegischen und dänischen Königssagas. Sie haben auch heute noch Bedeutung wegen seiner inzwischen verlorenen Quellen. Er stand in ständigem Briefwechsel mit dänischen Gelehrten wie Ole Worm und Stephan Stephanius. Seine literarische Tätigkeit begann mit seinem Werk Brevis commentarius de Islandia (Hafniæ 593), eine Kritik an den zeitgenössischen Ansichten über Island. Anlass war das plattdeutsche Gedicht des Hamburgers Gories Peerses, in dem dieser die Isländer und ihre Gewohnheiten verächtlich machte. Während dieses Gedicht selbst keine große Beachtung gefunden hatte, stützte sich Dithmar Blefken[1] offenbar auf dieses Gedicht in seinem Werk Islandia, sive populorum et mirabilium, quae in ea insula reperiuntur, accuratior descriptio, cui de Groenlandia sub finem quaedam adiecta (Leiden 1607). Da er auf Latein schrieb, fand es große Verbreitung in mehreren Auflagen und Übersetzungen ins Niederländische und Deutsche. Dagegen wandte sich Arngrímur mit seiner Schrift Anatome Blefkiana und, als die Schilderungen Blefkens immer noch weiteren Autoren als Grundlage diensten, mit der Schrift Epistola pro patria defensoria. In dieser Arbeit zerpflückte er erbittert und polemisch und ohne Unterscheidung zwischen wesentlichen und unwesentlichen Fehlern Satz für Satz Blefkens.

Außerhalb dieser Streitschriften steht sein Hauptwerk Crymogæa (Hamburg 1609 und öfter). Darin zeigt sich, dass ihm die Geschichte näher stand als die Beschreibung der Natur und der Geographie des Landes. Auch die zeitgenössischen Verhältnisse werden nur gestreift. Stattdessen werden die Sprache, die Literatur und die Gesellschaft der Vorzeit ausführlich dargestellt. Er entwickelte die Theorie, dass die zu seiner Zeit gesprochene isländische Sprache die alte Sprache der Nordländer sei, die gleiche Sprache, wie die in den alten Runeninschriften zu finden sei, ein Zweig der alten gotischen Sprache. Er stellte es dem klassischen Latein und Griechisch zur Seite und forderte, dass die Sprache rein erhalten werden müsse. Diese Ansicht fand ihre Stütze darin, dass isländische Studenten mühelos mittelalterliche Handschriften, die man in Island entdeckt hatte, lesen konnten. Diese Ansicht herrschte bis ins 19. Jahrhundert, wo sie Rasmus Christian Rask noch einmal bekräftigte. Er beschrieb zwar den Alten Vertrag[2] als einen Verlust der Freiheit, aber dachte noch nicht an die Wiederherstellung des Freistaates. Stattdessen pries er die dänischen Könige für ihre Fürsorge für Island.[3] Seine letzte Schrift war Specimen Islandiæ historicum (Amsterdam 1643). Darin stellte er die Landnahme dar und wandte sich gegen die Auffassung, Island sei mit dem „Ultima Thule“ identisch. Vorher hatte er noch die mehr persönliche Schrift Apotribe columniæ (Hamburg 1622) verfasst.

Er versuchte sich auch als isländischer und lateinischer Dichter und verfasste auch juristische Schriften in der Muttersprache und andere Texte auf Latein.

Arngímur Jónsson gilt auch als der Wegbereiter des isländischen Humanismus.

Werke

  • Rerum Danicarum Fragmenta
  • Brevis Commentarius und Crymogæa
  • Supplementum Historiæ Norvegicæ
  • Ad catalogum regum Sveciæ annotanda
  • Anatome Blefkeniana
  • Epistola pro patria defensoria
  • Apotribe virulentæ et atrocis calumniæ

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Viktor Hantzsch: Blefken, Dithmar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 17–19.
  2. Für das Vorige: Gunnar Karlsson: „Den islandske renæssance.“ In: Annette Lassen (Hrg.): Det norrøne og detnationale. Tagungsband einer Tagung an der Universität Reykjavík 17-18. März 2006. S. 29-40,31-33.
Quellenangaben
Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus dem dänischsprachigen Lexikon Dansk biografisk leksikon in der 1. Auflage von 1887 bis 1905. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel soweit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt.


Island Anmerkung zu isländischen Personennamen: Isländer werden mit dem Vornamen oder mit Vor- und Nachname, jedoch nicht allein mit dem Nachnamen bezeichnet. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname.

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