Nagyágit

Nagyágit
Nagyágit
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Nagyágit aus Nagyag (Săcărâmb), Rumänien
Chemische Formel [Pb(Pb,Sb)S2][Au,Te] [1]
Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze
2.HB.20a[1] (8. Auflage: II/D.15-20) (nach Strunz)
02.11.10.01 (nach Dana)
Kristallsystem monoklin (pseudotetragonal) [2]
Kristallklasse monoklin-prismatisch \ 2/m [3]
Farbe Grau (Grau-Weiß bis Grau-Schwarz)
Strichfarbe Grau-Schwarz
Mohshärte 1,5
Dichte (g/cm3) 7,35 bis 7,49 [2]
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Bruch biegsam, geringfügig verformbar
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}, sehr vollkommen nach {101}
Habitus dünntafelige, blättrige Kristalle; körnige bis massige Aggregate
Häufige Kristallflächen {010}
Zwillingsbildung multiple Zwillinge nach (001)
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten In Salpetersäure unter Abscheidung von Gold, in Königswasser unter Abscheidung von Chlorsilber und Schwefel löslich

Nagyágit (Blättererz, Blättertellur, Nagyáger Erz) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung [Pb(Pb,Sb)S2][Au,Te] [1] und entwickelt meist graue, undurchsichtige und metallisch glänzende Kristalle mit dünntafeligem bis blättrigem Habitus, aber auch körnige bis massige Aggregate. Durch multiple Zwillingsbildung täuscht Nagyágit oft eine pseudoorthorhombische[4] bis -tetragonale[2] Symmetrie vor.

Inhaltsverzeichnis

Besondere Eigenschaften

Vor dem Lötrohr auf Kohle gelegt ist Nagyágit leicht schmelzbar, wobei sich gelbes Blei(II)-oxid und in einiger Entfernung weiße tellurige Säure absetzt. Nach längerem Blasen wird schließlich ein Goldkorn ausgeschieden. Aufgelöst in Salpetersäure scheidet Nagyágit Gold ab, und in Königswasser Blei(II)-chlorid sowie Schwefel.[5]

Etymologie und Geschichte

Bereits 1782 untersuchte der österreichische Chemiker und Mineraloge Franz Joseph Müller von Reichenstein die damals noch unbekannten Minerale Nagyágit und Sylvanit in den Golderzen aus der Grube Mariahilf bei Zlatna (dt. Klein Schlatten, ung. Zalatna) nahe Sibiu (dt. Hermannstadt, Siebenbürgen, Rumänien), die weniger Gold als erwartet enthielten. Er führte dies auf das Vorkommen eines neuen, bislang unbekannten Elementes zurück, und verlieh der metallischen Phase den Namen metallum problematicum (auch aurum problematicum beziehungsweise aurum paradoxum).

1797 untersuchte Martin Heinrich Klaproth in Berlin die Proben von Reichenstein erneut, bestätigte im Jahr darauf dessen Vermutung und verlieh dem neuen Element den Namen Tellur.

Als eigenständiges Mineral wurde Nagyágit jedoch erst 1845 von Haidinger beschrieben. Von ihm stammt auch der Name Nagyágit, nach der Typlokalität Nagyág (heute Sǎcǎrîmbu) in Rumänien.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde Nagyágit als potentieller Hochtemperatur-Supraleiter erneut untersucht. Erst im Zuge dieser Forschungen wurde 1999 die Kristallstruktur von Nagyágit von Mineralogen in Wien und Salzburg endgültig geklärt.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten 8. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik gehört der Nagyágit zur Abteilung der „Sulfide und Sulfosalze mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur < 1 : 1“, wo er zusammen mit Buckhornit, Jonassonit und Montbrayit eine eigene Gruppe bildet.

Seit der 2001 überarbeiteten 9. Auflage der Strunz'schen Systematik der Minerale ist die Klasse der Sulfide und Sulfosalze zum einen erweitert auf die Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenite, Sulfantimonite und Sulfbismuthite und zum anderen teilweise präziser unterteilt nach der Art der an der Verbindung beteiligten Kationen. Der Nagyágit ist somit jetzt in der Abteilung der „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ zu finden, wobei das Mineral zusammen mit Buckhornit, Museumit und Watkinsonit in der Unterabteilung „Mit Cu, Ag, Fe, Sn und Pb“ steht.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Nagyágit ebenfalls in die Klasse der Sulfide, dort allerdings in die Abteilung der „Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der (allgemeinen) Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=2:3“. Hier bildet er als einziges Mitglied die unbenannte Unterabteilung „2.11.10“.

Bildung und Fundorte

Nagyágit bildet sich in gold- und tellurhaltigen hydrothermalen Gängen. In der Typlokalität bei Sǎcǎrîmbu tritt es zusammen auf mit Altait, Petzit, Stutzit, Sylvanit, Tellurantimon, Coloradoit, Krennerit, gediegen Arsen und Gold, Proustit, Rhodochrosit, Arsenopyrit, Sphalerit und Tetraedrit. Eine andere Paragenese mit Calaverit, Gold, Tellurobismuthit, Altait, Galenit, Pyrit findet sich z.B. in der Bohuliby–Mine in Tschechien.

Weltweit konnte Nagyágit bisher an rund 50 Fundorten nachgewiesen werden (Stand: 2010): In der „El Sid Mine“ bei Koptos in Ägypten; der Farallón Negro Mine im argentinischen Departamento Belén; der armenischen Provinz Kotajk; Western Australia (Australien); der „Chelopech Au-Cu Mine“ bei Panagjurischte in Bulgarien; der „El Hueso Mine“ bei Diego de Almagro in der chilenischen Región de Atacama; der „Emperor Mine“ bei Vatukoula in Fidschi; der „Kawazu Mine“ bei Shimoda in Japan; im „Olive Mabel claim“ (British Columbia) und der „Huronian Mine“ (Ontario) in Kanada; der „Sahuayacan Mine“ im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua; der „Sylvia Mine“ bei Thames in Neuseeland; der österreichischen Gemeinde Schellgaden bei Muhr (Salzburg); Hunedoara und Kreis Alba in Rumänien; bei Gondo in der Schweiz; Böhmen in Tschechien; im ehemaligen Bergwerk Clogau bei Bontddu in Wales (UK) sowie in mehreren Regionen der Vereinigten Staaten (USA).[6]

Kristallstruktur

Nagyágit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/m mit den Gitterparametern a = 4,22 Å; b = 4,18 Å; c = 15,12 Å und β = 95,4° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[7]

Verwendung

Aufgrund seiner Seltenheit besitzt Nagyagit nur eine geringe Bedeutung als Golderz.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c IMA/CNMNC List of Mineral Names - Nagyágit (englisch, PDF 1,8 MB; S. 197)
  2. a b c Handbook of Mineralogy – Nagyagite (englisch, PDF 64 kB)
  3. Mindat - Nagyágite (englisch)
  4. Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 454.
  5. von Kurr's Mineralreich in Bildern (3. Auflage); S. 45)
  6. Mindat - Localities for Nagyágite
  7. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 124.

Literatur

  • H. Effenberger et al. (1999): Toward the crystal structure of nagyagite, [Pb(Pb,Sb)S2][(Au,Te)], American Mineralogist 84, 669-676
  • Z. Johan, I. Dódony, P. Morávek, J. Pašava (1994): Buckhornite, Pb2AuBiTe2S3, from the Jilove gold deposit,

Czech Republic. Abstract in: Jambor and Roberts: New Mineral Names, American Mineralogist 1995, 187-188

Weblinks

 Commons: Nagyagite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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