Arno Nadel

Arno Nadel (* 5. Oktober 1878 in Wilna/Litauen; † März 1943 im KZ Auschwitz) war ein deutsch-jüdischer Musikwissenschaftler, Schriftsteller und Maler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Arno Nadel entstammte einer jüdischen Familie; sein Vater war Mechaniker. Er erhielt bei Eduard Birnbaum in Königsberg Unterricht in synagogalem Gesang. 1895 ging er nach Berlin, wo er die Jüdische Lehrerbildungsanstalt besuchte. Anschließend wirkte er als Lehrer und Musiker. Ab 1916 war er Leiter des Chors und Kantor an der Synagoge in der Berliner Pestalozzistraße. Er sammelte und bearbeitete jüdische Volkslieder und Synagogenmusik, daneben veröffentlichte er Kritiken und musiktheoretische Aufsätze. 1923 erhielt er von der Berliner Jüdischen Gemeinde den Auftrag zur Zusammenstellung einer Anthologie der Synagogenmusik; er schloss diese Arbeit 1938 ab und beabsichtigte das Ergebnis in sieben Bänden unter dem Titel "Hallelujah" zu veröffentlichen. Nadel wurde am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Es war ihm gelungen, seinen musikalischen Nachlass vor den Nazis in Sicherheit zu bringen; Nadels Sammlungen ruhen heute in der Schreiber Jewish Music Library in Philadelphia (Pennsylvania).

Neben seinem musikalischen und musikhistorischen Werk schuf Arno Nadel ein literarisches Werk, das aus Gedichten und Theaterstücken besteht und von Nadels Interesse an philosophischen und religiösen Themen beeinflusst ist; daneben übersetzte er aus dem Jiddischen. Nadel war außerdem als Maler und Zeichner aktiv.

Werke

  • Aus vorletzten und letzten Gründen, Berlin 1909
  • Cagliostro, Berlin 1913
  • Um dieses alles, München [u.a.] 1914
  • Adam, Leipzig 1917
  • Jacob Steinhardt, Berlin 1920
  • Das Jahr des Juden, Berlin 1920 (zusammen mit Joseph Budko)
  • "Rot und glühend ist das Auge des Juden", Berlin 1920
  • Der Sündenfall, Berlin 1920
  • Der Ton, Leipzig 1921
  • Das gotische ABC, Berlin 1923
  • Heiliges Proletariat, Konstanz 1924
  • Die Erlösten, Berlin 1924
  • Tänze und Beschwörungen des Weissagenden Dionysos, Berlin 1925
  • Drei Augen-Blicke, Berlin 1932
  • Das Leben des Dichters, Berlin 1935
  • Der weissagende Dionysos, Heidelberg 1959; wieder 1986

Herausgeberschaft

  • Jontefflieder, Berlin 1919
  • Jüdische Volkslieder, Berlin
    • 1,1 (1920)
    • 1,2 (1920)
  • Jüdische Liebeslieder, Berlin [u.a.] 1923
  • Die Haggadah des Kindes, Berlin 1933
  • Zemirōt šabat, Berlin 1937

Übersetzungen

  • Samuel Lewin: Chassidische Legende, Charlottenburg 1924
  • Salomon An-Ski: Der Dybuk, Berlin 1921

Siehe auch

Literatur

  • Jascha Nemtsov, Arno Nadel. Sein Beitrag zur jüdischen Musikkultur, Hentrich & Hentrich Verlag Berlin 2008, ISBN 978-3-938485-89-7.

Weblinks


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