Arno Stern

Arno Stern (* 23. Juni 1924 in Kassel) ist ein in Deutschland geborener Kunsterzieher und Forscher, der heute die französische Staatsbürgerschaft besitzt.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Arno Stern besuchte drei Jahre lang die Schule in Kassel, bevor er mit seinen Eltern nach der Machtergreifung Hitlers nach Frankreich emigrierte. Nach jahrelanger Staatenlosigkeit wurden die Sterns französische Staatsbürger.

1946 arbeitete er in einem Heim für Kriegswaisen in einem Pariser Vorort. Sein Auftrag war es, die Kinder zu beschäftigen. Arno Stern ließ sie malen. So entstand der Malort. In den 1950er Jahren baute er seine Arbeit aus und richtete ein Atelier im Pariser Viertel Saint Germain-des-Prés für Kinder ein. 33 Jahre lang war dieses Atelier unter dem Namen "Académie du Jeudi" in Betrieb, bis Arno Stern in ein anderes Quartier umsiedelte. Dem neuen Ort gab er den Namen Closlieu (deutsch: Malort). Die Medien wurden mit der Zeit auf Sterns Arbeit aufmerksam. Arno Stern wurde mehrfach interviewt, Reportagen wurden gemacht, und er selbst schrieb Artikel über sein Schaffen. [1]

Auch die UNESCO wurde auf Stern aufmerksam und delegierte ihn als Experten zum ersten Internationalen Kongress über Kunsterziehung nach Bristol.

Sterns Ansatz liegt nicht im Therapieren und im Aufarbeiten des Gemalten. Stern beschreibt dies mit folgenden Worten: „Die Äußerung selbst verliert ihre unersetzliche Rolle, die keinesfalls eine der Kommunikation dienliche sein kann.“

Werk

Stern hatte den Wunsch und die Vorstellung von einer „Donnerstagsakademie“ – einer Kinderakademie (zur Erklärung: Der Donnerstag war damals ein schulfreier Tag in Frankreich). So kam es, dass Stern 1949 ein Malatelier für Kinder im Pariser Stadtviertel Saint Germain-des-Prés eröffnete. Die Académie du Jeudi wurde alsbald ein großes Medienprojekt. Aber Sterns Wunsch war es nicht, ein medienwirksames Atelier zu haben, sondern sein Traum war es, einen Ort zu schaffen, an dem die Kinder ihr Innerstes ausleben können, und dies abgesondert von der Öffentlichkeit.

In dieser Zeit begann für Stern der wichtigste Entwicklungsprozess. Bis dahin beschrieb Stern das Malen der Kinder als „Kinderkunst“. Im Laufe der Zeit distanzierte sich Stern immer mehr von diesem Begriff und entwickelte den Begriff der Formulation. Das Malen unter Sterns Aufsicht verfolgt keinen therapeutischen Zweck und ist deshalb keine Kunsttherapie, sondern der Schwerpunkt liegt auf der praktischen Betätigung.

Die Académie du Jeudi blieb 33 Jahre am gleichen Ort, bevor Stern in ein noch zentraleres Viertel in Paris umzog. In der Nähe der „Madeleine“ eröffnete Stern dann die Closlieu, und definierte die deutsche Übersetzung Malort. „Der geschlossene Raum“ heißt die exakte Übersetzung ins Deutsche.

1987 gründete Stern das Institut de Recherche en Sémiologie de l'Expression - Forschungsinstitut für Ausdruckssemiologie). Das Institut beschäftigte sich mit der Entwicklung der Formulation.

Einzelnachweise

  1. Olivier Keller: Denn mein Leben ist Lernen. Wie Kinder aus eigenem Antrieb die Welt erforschen, Freiamt 1999, S. 21 f.

Veröffentlichungen

  • Der Malort. Mit Elonore Stern (Fotografie). Daimon, Einsiedeln (Schweiz) 1998.
  • Die natürliche Spur. Wenn die Mal-Lust nicht zu Werken führt. Verlag Mit Kindern wachsen, Freiburg 2001.
  • Das Malspiel und die natürliche Spur: Malort, Malspiel und die Formulation. Drachen, Klein Jasedow 2005 ISBN 3-927369-14-4
  • Die Expression: Der Mensch zwischen Kommunikation und Ausdruck. Classen, Zürich 1994 und Klotz, Eschborn 2008.

Presse

  • Das Alphabet der Menschheit. In: Der Spiegel. Nr. 23, 2008, S. 172ff. (2. Juni 2008, online).

Weblinks


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