Arno Waldschmidt
Arno Waldschmidt: "Selbst" Bleistift, 1994

Arno Waldschmidt (* 1936 in Kassel) ist ein deutscher Zeichner und Grafiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Waldschmidt wurde 1936 in Kassel als Sohn eines Steuerberaters und einer Hausfrau geboren. Er absolvierte eine Lehre als Schaufenstergestalter bei Karstadt und studierte Gebrauchsgrafik an der Kasseler Werkkunstschule. 1961 gründete er zusammen mit Christian Chruxin, Dieter Lübeck, Albert Schindehütte und Fridjof Werner die Künstlergruppe „situationen 60“. Die Gruppe eröffnete eine Galerie, die jedoch nach einem Tag wieder geschlossen wurde. Später ging Waldschmidt nach Berlin, wo er sich 1963 mit Günter Bruno Fuchs, Uwe Bremer, Johannes Vennekamp und Albert Schindehütte zur Werkstatt Rixdorfer Drucke zusammenschloss. Die Rixdorfer erregten in den Folgejahren Aufsehen, sowohl mit ihren richtungsweisenden typographischen Arbeiten, als auch durch ihre provokanten Auftritte. Nebenbei verfolgte Waldschmidt weiterhin eigene künstlerische Projekte. Seit 1972 lebt Waldschmidt im Sommer in Gifkendorf bei Lüneburg und im Winter in Berlin.

Werke

Am Beginn von Arno Waldschmidts künstlerischer Laufbahn standen monochrome Prägedrucke, die er seit 1959 herstellte. Zunächst verwendete er hierfür eine Wäschemangel und prägte auf einfaches Löschpapier. Später benutzte er eine große Radierpresse und teure Bütten.

Ab 1969 konzentrierte er sich auf die Arbeit mit Holz. Durch das Übereinanderlegen vorgeformter Holzplatten entstanden weiße Holzfigurationen, die aus dieser Umkehrung der Relieftechnik eine räumliche Tiefe erhielten.

Anfang der 70er Jahre ging Waldschmidt dazu über, fast ausschließlich Bleistiftzeichnungen herzustellen. Dabei entwickelte sich sein Stil von offenen, die Umrisse des Abgebildeten betonenden Strichen zu detailreichen Portraits, die auf arrangierten Photographien basieren. Waldschmidt verzichtet dabei auf jede Form der Schraffur, Verwischung oder Grauschattierung. Stattdessen setzt er sorgfältig Striche nebeneinander, beginnend mit einem harten Bleistift und anschließend mit immer weicher werdenden Stiften. Die auf diese Art entstehenden Zeichnungen weisen einige charakteristische Eigenheiten auf. Zum einen finden sich nur selten Hintergründe auf den Bildern, Waldschmidt richtet seine Aufmerksamkeit auf Gesichter, Körper, Gegenstände. Zudem ist die Betonung von Gesichtsfalten auffällig; gegenüber der Vorlage fügt Waldschmidt häufig sogar Falten hinzu. Eine besondere Faszination der Bilder liegt in der peniblen Ausarbeitung der Kopf- und Barthaare. Als zusätzliches gestalterisches Mittel, gliedert Waldschmidt seine Bilder gern in mehrere Teile und rahmt diese getrennt voneinander. Somit scheinen seine Zeichnungen quasi über den Rahmen hinaus zu existieren. Schließlich spielen die Bildtitel im Werk Waldschmidts eine nicht zu unterschätzende Rolle. Diese bilden einen zusätzlichen Kommentar des Gezeichneten, auf der Grenze zwischen tragischer Komik und Selbstironie. So ist beispielsweise ein Bild mit den Portraits von 22 engen Freunden Waldschmidts mit einem Satz aus Heimito von Doderers "Repertorium" überschrieben: „Ich halte jeden Menschen für voll berechtigt, auf die, von den Ingenieursgesichtern und Betriebswissenschaftlern herbeigeführte, derzeitige Beschaffenheit der Welt mit schwerstem Alkoholismus zu reagieren.“

Für die Werkstatt Rixdorfer Drucke fertigte er außerdem zahlreiche Holzschnitte und in Zusammenarbeit mit Bremer, Schindehütte und Vennekamp typographische Drucke an, die vom anarchistischen Witz der Gruppe zeugen. Für die V. O. Stomps Ausstellung in der Universitätsbibliothek der Justus Liebig Uni Giessen schuf er für das Ausstellungsplakat ein Portrtätholzschnitt von Stomps für das Ausstellungsplakat, der Sammlung Hendrik Liersch.

Buchveröffentlichungen (Auswahl)

  • monochrome paarungen Stierstadt: Eremiten-Presse 1961.
  • Die Neger Siebdrucke (mit A. Schindehütte) zu dem Theaterstück von Jean Genet. Gifkendorf: Merlin Verlag, 1965.
  • Auf den Leib geschrieben Vier Leporellos (mit A. Schindehütte) vier Damen auf den Leib geschrieben. Gifkendorf: Merlin Verlag, 1967/68
  • Das Mädchen und der Knopf Fotobuch mit Ulricke Bock. Gifkendorf: Merlin Verlag 1969
  • Bürgerliche Gedichte 32 Zeichnungen zu den Gedichten Karol Kröpkes. Gifkendorf: Merlin Verlag 1970
  • Pantalon Ouvert Dramatische Unterhaltungen. Mit Johannes Grützke und Jan Peter Tripp. Gifkendorf: Merlin Verlag 1978. ISBN 3-87536-117-2
  • Alles ist gut, was gut ist! Bleichstiftzeichnungen aus 7 Jahren. Gifkendorf: Merlin Verlag 1986. ISBN 3-87536-192-X
  • Die Ermordung der Mona Lisa (mit Helmut Eisendle) Gifkendorf: Merlin Verlag ISBN 978-3-926112-03-3
  • Guntram Vesper, Stomps in Giessen, mit einer Porträtzeichnug V. O. Stomps von Arno Waldschmidt, Corvinus Presse, 2008,
  • Herr Gott, Frau Engel und der Mann mit dem Hut, ein Kunst-Märchen, (über C. Mühlenhaupt), Corvinus Presse, 2008
  • Lustbarkeiten, Holzschnitte und Gedichte, Corvinus Presse, 2009

Buchveröffentlichungen mit der Werkstatt Rixdorfer Drucke (Auswahl)

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1961 Galerie im center, Göttingen
  • 1961 Galerie die zinke, Berlin
  • 1967 Galerie mum, Solingen
  • 1972 Galerie Siebrasse, Köln
  • 1973 Galerie Neubauer-Wohlang, Hamburg
  • 1972 Galerie Voigt, Nürnberg (mit A. Schindehütte)
  • 1978 Galerie Hilger, Wien
  • 1979, 83, 86 Galerie Apex, Göttingen
  • 1979 Galerie Lilo Schmidt, Schneverdingen
  • 1979 Centre Culturel Allemand, Paris
  • 1982, 83, 86, 92, 98 Galerie Gering (-Kulenkampff), Frankfurt
  • 1984 Worpsweder Kunsthalle – Friedrich Netzel
  • 1985, 89 Galerie Marlies Rosenzweig, Bonn
  • 1986, 89, 96 Galerie Merlin Verlag, Gifkendorf
  • 1986 Kunstverein Celle
  • 1988 Galerie im Liebweinturm, Burghausen (Mit J. Grützke & J. P. Tripp)
  • 1991 Galerie Tafelski, Berlin
  • 1994, 98 Galerie Brandtstätter, Öhningen
  • 1995 Galerie Gruber, Tübingen
  • 1996 Galerie Schnake, Münster
  • 1996 Kulturspeicher im Schloss, Oldenburg
  • 2001 Galerie Carlos Hulsch, Berlin
  • 2002 Galerie Rose, Hamburg
  • 2004 FINEARTS CON.TRA., Berlin

Weblinks


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