Nakir

Nakir und Munkar (arabischمنكر ونكير‎, DMG Munkar wa-Nakīr) sind laut islamischer Überlieferung zwei Engel. Ihre Namen werden im Koran nicht erwähnt und bedeuten "das Negative" und "das Verwerfliche". Ihre Aufgabe ist es, im Grab die Toten nach Gott, dem Propheten, der wahren Religion und der Gebetsrichtung zu befragen. Überführte Ungläubige schlagen Nakir und Munkar auf Gesicht und Rücken (47:27 und 8:50) und überantworten sie bei bestandener Prüfung entweder ihrem Wohlstand oder bei nicht bestandener Prüfung ihrer Pein und Strafe.

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Inhaltsverzeichnis

Ereignisse vor der Befragung im Grab

Der islamischen Überlieferung nach muss ein jeder Mensch die Zeit im Grab und die Befragung durch die Engel Munkar und Nakir nach seinem Tod erleben. Der islamische Prophet Mohammed sagte einer Überlieferung nach in diesem Zusammenhang :

Wenn sich jemand von dem Herunterdrücken des Grabes retten könnte, wäre es Sa´d Ibn Mu´adh, aber selbst er wurde von dem Grab heruntergedrückt, dann wurde er davon befreit. [1]

Hierbei unterteilt man zwischen Ereignissen, die einen gläubigen und rechtschaffenen Menschen begleiten und denen, die einen Ungläubigen (arabisch Kafir) begleiten.

In den Überlieferungen wird eine angenehme Zeit für den Gläubigen und eine unangenehme und schmerzvolle Zeit für den Ungläubigen beschrieben. Die Peinigung im Grab, die der islamischen Überlieferung nach den Ungläubigen und schlechte Muslime trifft, deren Sünden von Allah nicht vergeben wurden, bezeichnet man als Waahash.

Die Unterteilung zwischen den Ereignissen für die diese beiden Gruppen wird schon im Augenblick sichtbar, an welchem der islamischen Überlieferung nach die Seele des Menschen den Körper verlässt. In einer Überlieferung von Abu Huraira sagte der Prophet Mohammed folgendes zu der Situation eines gläubigen und rechtschaffenen Menschen :

Allah der Erhabene hat gesagt: Wer einen von meinen Verbündeten befehdet, dem habe ich den Krieg erklärt. Mein Knecht nähert sich mir nicht mit etwas, das ich mehr liebe als das, was ich ihm zur Pflicht auferlegte. Mein Knecht fährt fort, sich mir durch zusätzliche Frömmigkeit zu nähern, bis ich ihn liebe. Und wenn ich ihn liebe, bin ich sein Hören, mit dem er hört, sein Sehen, mit dem er sieht, seine Hand, mit der er zupackt, sein Fuß, mit dem er geht. Wenn er mich (um etwas) bittet, werde ich ihm gewiss gewähren, und wenn er mich um Beistand bittet, werde ich ihm gewiss Zuflucht geben. Ich zögere bei nichts so sehr wie beim Nehmen der Seele meines Gläubigen Dieners. Er hasst den Tod und ich hasse es ihn zu verletzen. [2]

Hingegen die Situation eines Ungläubigen nach der Überlieferung von al-Bara' ibn ʿAzib durch den Propheten Mohammed wie folgt charakterisiert wird :

Die Seele wird mit solch einer Schwierigkeit aus seinem Körper gezogen, wie man mit einer Heugabel durch nasse Wolle kämmt. [3]

In einer weiteren Überlieferung von al-Bara' ibn ʿAzib werden sowohl die Ereignisse, welche jeweils den Gläubigen und Ungläubigen widerfahren, vor der Befragung, als auch diese bei und nach der Befragung vom Propheten Mohammed detailliert geschildert. Zunächst die Ereignisse vor der Befragung, die dem Gläubigen und Rechtschaffenen widerfahren:

Wenn der gläubige Diener das Ende seiner Zeit in dieser Welt erreicht hat und anfängt, in das Jenseits überzugehen, kommen Engel mit weißen Gesichtern, welche so aussehen wie die Sonne, aus dem Himmel zu ihm herab. Sie bringen ihm die Leichentücher des Paradieses und einige seiner Hunuts (ein gut duftendes Gemisch, das benutzt wird, um den Körper und das Leichentuch des Toten zu parfümieren). Sie setzen sich vor seinen Augen. Dann kommt der Engel des Todes und setzt sich neben seinen Kopf und sagt: " Oh gute (oder beschütze ) Seele, komm für die Vergebung und für das Wohlgefallen Allahs heraus. Also wird sie herauskommen, wie ein Tropfen Wasser aus dem Mund der Regenhülle kommt und er (der Engel des Todes) wird sie nehmen."

In einem anderen Bericht sagte der Prophet :

"Bis seine Seele heraus kommt wird jeder Engel, der sich zwischen den Himmeln und den Erden befindet für ihn beten, so wie jeder Engel im Himmel. Die Tore des Paradieses werden für ihn geöffnet und die Wächter in jeder Stufe des Himmels werden zu Allah darum beten zu erlauben, seine Seele durch ihre Stufe steigen zu lassen."

Weiterhin heißt es in der Überlieferung :

Wenn (der Engel des Todes) die Seele entnommen hat, werden die (anderen Engel) sie nicht für einen Moment in seinen Händen lassen; sie nehmen sie sofort, hüllen sie in das Leichentuch und parfümieren sie mit dem Hunut. Dies ist, was Allah sagt: (…) wenn der Tod an einen von euch herantritt, unsere Boten seine Seele dahinnehmen; und sie vernachlässigen nichts. (Koran: Sure al-Anʿām, Vers 61)

Der Prophet erzählt weiter :

Sie nehmen die Seele hinauf und wann immer sie mit ihr an einer Gruppe von Engeln vorbeikommen, sagen sie : Wer ist diese gute Seele? Und Sie antworten darauf : Es ist Soundso, der Sohn des Soundso. Sie benutzen die schönsten Namen, mit denen Er einst in dieser Welt gerufen wurde. (Sie gehen weiter) bis sie den ersten Himmel erreicht haben. Sie bitten darum, dass er geöffnet wird und er öffnet sich. In jedem Himmel begleiten ihn jene zum nächsten Himmel, die am nahesten zu Allah sind , bis sie den siebten Himmel erreichen, wo Allah, möge er lobgepriesen und verherrlich sein, sagen wird: Nehmt das Buch meines Dieners in Illiyun auf. Und was lehrt dich wissen, was "Illiyun" ist? (Es ist) ein geschriebenes Buch, welche die nahesten zu Allah bezeugen werden (Koran: Sure al-Mutaffifīn, Verse 19 bis 21).

Weiter heißt es :

Also wird sein Buch in Illiyun aufgenommen. Dann wird Allah - der Gepriesene und Erhabene - sagen: Bringt ihn zurück zur Erde, denn dies war mein Versprechen. Ich habe sie daraus erschaffen, Ich werde sie dahin zurückbringen und ich werde sie davon erneut auferstehen lassen

Der Prophet fährt fort : Er wird zurück zur Erde und seine Seele wird zurück in seinen Körper gebracht und er wird die Schritte seiner Gefährten hören, wenn sie ihn verlassen.

Weiter wird in der Überlieferung nun die Situation des Ungläubigen vom Propheten Mohammed beschrieben :

Er sagte (al-Bara' ibn ʿAzib berichtet was der Prophet sagte): Was den ungläubigen Mann angeht (ist es wie folgt): Wenn er diese Welt verlässt und das Jenseits betritt , kommen finstere und harte Engel aus dem Himmel zu ihm herab. Ihre Gesichter sind schwarz und sie bringen ein Trauertuch aus der Hölle mit. Sie setzen sich, soweit das Auge reicht, um ihn herum. Der Engel des Todes kommt und setzt sich neben seinen Kopf und sagt : Oh böse Seele! Komm für die Wut und den Zorn Allahs heraus. Er sagte: "Die Seele wird mit solch einer Schwierigkeit aus seinem Körper gezogen, wie man mit einer Heugabel durch nasse Wolle kämmt". Er wird von jedem Engel verflucht, der sich zwischen Himmel und Erde befindet, sowie von jenen, die sich im Himmel befinden. Die Tore des Paradieses werden verschlossen und die Bewohner aus jedem Himmel werden Allah darum bitten der Seele nicht zu erlauben, über ihre Domäne hinweg zu steigen. Er wird sie nehmen und sofort in das Trauertuch tun, es wird so stinken wie der fauligste Gestank von totem Fleisch, der je auf der Erde bezeugt wurde. Sie werden die Seele empor heben und wann immer sie an einer Gruppe von Engeln vorbeikommen, sagen sie (die Engel): Wer ist diese böse Seele? Sie sagen : Es ist Soundso, der Sohn des Soundso. Sie benutzen die schlimmsten Namen, mit denen er einst in dieser Welt gerufen wurde. ( Sie gehen weiter ) bis sie den ersten Himmel erreicht haben. Sie werden darum bitten, dass er geöffnet wird und er wird nicht geöffnet. Dann rezitierte der Gesandte Allahs sallallahu aleyhi ua sallam: (..) werden die Pforten des Himmels nicht geöffnet werden, noch werden sie in das Paradies eingehen, ehe dann ein Kamel durch ein Nadelöhr geht (Koran, Sure al-Aʿrāf, Vers 31).

Dann wird Allah sagen: Bringt ihn zurück zur Erde, denn, dies war mein Versprechen : Ich habe sie daraus erschaffen, Ich werde sie dahin zurückbringen und ich werde sie davon erneut auferstehen lassen. Also wird seine Seele heruntergeschmissen, bis sie ihren Körper erreicht. Dann rezitierte er (der Gesandte Allahs sallallahu aleyhi ua sallam): Und wer Allah etwas zur Seite stellt, ist (so), als fiele er vom Himmel und die Vögel erhaschten ihn oder der Wind verwehte ihn an einen fernen Ort (Koran, Kapitel al-Haddsch, Vers 31).

So wird seine Seele zu ihrem Körper zurückgebracht. (Er sagte: Er wird die Schritte seiner Gefährten hören, wenn sie ihn verlassen). [4]

Die Befragung durch die Engel Munkar und Nakir und ihre Konsequenzen

Wenn es um das Erscheinen der Engel Munkar und Nakir geht unterteilt man auch hier wiederum zwischen den Erlebnissen eines gläubigen und frommen Menschen, und denen eines Ungläubigen bzw. eines Gläubigen, aber schlechten Menschen, dessen Sünden von Allah nicht vergeben wurden.

In der Überlieferung von al-Bara' ibn ʿAzib kommt der Prophet nun zum Erscheinen von Munkar und Nakir.

Zunächst die Situation eines Gläubigen :

Der Überlieferung al-Bara' ibn ʿAzibs nach sagte der Prophet Mohammed:

Zwei finstere Engel werden zu ihm kommen (ihn zurechtweisend) und werden ihn aufrecht hinsetzen. Sie werden ihn Fragen: "Wer ist dein Herr?" Er wird antworten:" Mein Herr ist Allah". Sie werden ihn fragen:" Was ist deine Religion?" Er wird antworten: "Meine Religion ist der Islam". Sie werden sagen: "Wer ist dieser Mann, der zu euch gesandt wurde?" Er wird sagen: "Er ist der Gesandte Allahs sallallahu aleyhi ua sallam". Sie werden fragen:" Was sind deine Taten?" Er wird sagen: "Ich pflegte das Buch Allahs zu lesen (rezitieren) und ich glaubte daran. Er wird ihn zurechtweisen und fragen: "Wer ist dein Herr? Welche ist deine Religion? Wer ist dein Prophet?" Und dies ist die letzte der Prüfungen, die den Gläubigen heimsuchen werden, wie Allah, möge Er lobgepriesen und verherrlicht sein, sagt: Allah stärkt die Gläubigen mit dem fest gegründeten Wort, in diesem Leben wie im künftigen; und Allah lässt die Frevler irregehen; und Allah tut, was er will ( Koran, Kapitel : Ibrahim, Vers : 27 ).

So wird er sagen: "Allah ist mein Herr und meine Religion ist der Islam und mein Prophet ist der Prophet Mohammed -sallallahu aleyhi ua sallam- . So wird eine Stimme aus dem Himmel ertönen (und Allah wird sagen): Mein Diener hat die Wahrheit gesprochen, so stattet ihn vom Paradies aus und kleidet ihm vom Paradies und öffnet für ihn ein Tor zum Paradies. Er (der Prophet) sagte: "So werden ihn Winde und düfte davon erreichen und sein Grab wird ausgeweitet, soweit das Auge reicht". Er sagte: "So wird ein Mann mit schönem Gesicht, guter Kleidung und angenehmen Geruch zu ihm kommen, welcher Sagen wird (In einer anderen Version dieser Überlieferung heißt es: "Es wird jemand kommen, in der Gestalt eines Mannes, welcher ein schönes Gesicht, gute Kleidung hat und einen angenehmen Duft von sich gibt (..)): "Freue dich über die Botschaft, freue dich über das Wohlgefallen Allahs und (über) Gärten, in denen es ewigen Segen gibt. Dies ist der Tag, der dir versprochen wurde." So wird er ihm sagen: "Und du, möge Allah dir das Gute verkünden. Wer bist du?" Er wird sagen: "Ich bin deine guten Taten und (ich schwöre) bei Allah, dass ich dich immer nur gesehen habe, wie du dich für die Anbetung Allahs beeilt hast und wie du dich immer davor widersetzt hast, Allah gegenüber ungehorsam zu sein. So möge Allah dich mit dem Guten belohnen." Dann wird sich ein Tor des Paradieses und ein Tor der Hölle für ihn öffnen, und es wird ihm gesagt: "Dies wäre dein Platz, wenn du Allah gegenüber ungehorsam gewesen wärest, aber Allah hat dir dies (das Paradies) an dessen Stelle gegeben." Wenn er sehen wird, was im Paradies ist, wird er sagen: "Mein Herr! Beschleunige das Eintreffen der Stunde (den Tag der Auferstehung), damit ich zu meiner Familie und meinem Reichtum zurückkehren kann. Es wird ihm dann gesagt: "Sei geduldig".

Im Kontrast dazu beschreibt der Prophet Mohammed der Überlieferung al-Bara' ibn ʿAzibs zufolge danach die Situation für den Ungläubigen (bzw. für den Muslim, dessen Sünden nicht vergeben wurden und als Konsequenz eine Bestrafung droht / In der Überlieferung selbst wird allerdings der "Ungläubige" in den Vordergrund gestellt):

" Zwei finstere Engel werden zu ihm kommen (ihn zurechtweisend) und werden ihn aufrecht hinsetzen. Sie werden ihn fragen: "Wer ist dein Herr?" Er wird sagen: "Hah-Hah (was auf Schmerz oder Gelächter hinweist). Ich weiß nicht! Sie werden fragen: "Welche ist deine Religion?" Er wird sagen: "Hah-Hah, ich weiß es nicht!" Sie werden fragen: "Was sagst du über diesen Mann, der zu euch geschickt wurde?" Er wird noch nicht einmal seinen Namen wissen, aber ihm wird dann gesagt "Mohammed" und er wird sagen: "Hah-Hah, ich weiß es nicht! Ich hörte die Leute dies und jenes sagen". Es wird gesagt: "Du sollst es niemals wissen."

"Dann wird eine Stimme aus dem Himmel rufen: "Er hat gelogen, also stattet sein Grab mit der Hölle aus. Und öffnet für ihn ein Tor der Hölle." Also wird einiges seiner Hitze und Gifte ihn erreichen und sein Grab wird zusammengedrückt, bis seine Rippen zusammengequetscht werden. Dann wird zu ihm ein Mann mit hässlichem Gesicht, schlechter Kleidung und verfaultem Geruch kommen. Er wird sprechen: "Ich bringe dir schlechte Nachrichten: Dies ist der Tag der dir versprochen wurde" .Er (der Verstorbene) wird sagen: "Und du, möge dir Allah schlimmere Nachrichten geben! Wer bist du? Dein Gesicht bringt schlechte Nachrichten. "Er wird sagen: "Ich bin deine schlechten Taten. (Ich schwöre) bei Allah, ich habe dich immer nur gesehen, wie du dich widersetzt hast, Allah zu gehorchen. Und (ich habe dich immer nur gesehen) wie du eifrig warst ihm gegenüber ungehorsam zu sein. Möge Allah es dir mit Bösem vergelten." Dann wird jemand zu ihm geschickt, der blind, taub und stumm ist und in seiner Hand einen Eisenstab trägt. Wenn er damit ein Kamel schlagen würde, würde es in Staub zerfallen. Er wird ihn (den Verstorbenen) so lang damit schlagen, bis er in Staub zerfällt. Dann wird Allah ihn wiederherstellen und er wird wieder geschlagen. Er wird einen Schrei von sich geben, den die gesamte Schöpfung, außer den Menschen und Dschinn hören werden. Dann wird ihm ein Tor zur Hölle geöffnet und sein Grab wird mit Dingen von der Hölle ausgestattet." Er wird sagen: "Oh mein Herr, möge die Stunde (der Tag der Auferstehung) niemals eintreffen."[5]

Bedeutung des Grabes im Islam

Das Grab ist ein wesentlicher Bestandteil der islamischen Eschatologie und hat große Bedeutung was das Leben nach dem Tod angeht. Da man im Grab einer Befragung durch die Engel Munkar und Nakir ausgesetzt ist, wird die Befragung als "kleines Gericht" bezeichnet. Dem Islam nach werden die Sünder dort für ihre Schandtaten bezahlen und die Guten werden für ihr Wohltaten belohnt.

Dem Islam nach werden einem Ungläubigen, der zu Lebzeiten nicht Muslim gewesen ist und die Existenz Allahs leugnete bzw. ihm "andere Götter zur Seite stellte" seine Sünden nicht vergeben.

Im Koran heißt es dazu:

48. Wahrlich, Allah wird es nicht vergeben, daß Ihm Götter zur Seite gestellt werden; doch vergibt Er das, was geringer ist als dies, wem Er will. Und wer Allah Götter zur Seite stellt, der hat wahrhaftig eine gewaltige Sünde ersonnen. (Sure an-Nisā', Vers 48)

Dem Islam nach hat dies zufolge, dass Ungläubige im Grab bis zum Tag der Auferstehung und in Dschahannam ewige Pein erleiden müssen und niemals von ihrer Strafe loskommen.

Dazu im Koran:

10. Die aber ungläubig sind und Unsere Zeichen verwerfen, die sollen die Bewohner des Feuers sein, darin müssen sie bleiben; und eine schlimme Bestimmung ist das! (Sure at-Taghābun, Vers 64)

Was den gläubigen Menschen angeht, glaubt man, dass sie von ihrer Schuld loskommen, wenn sie diese abbezahlt haben in Form von Pein. Ein Teil diess " Abbezahlens " geschieht im Grab. Die Sünden müssen allerdings nicht in Form einer peinigenden Strafe abbezahlt werden, wenn diese Von Allah vergeben werden.

In diesem Zusammenhang sagte der Prophet Mohammed: Die Seele eines Gläubigen ist an seine Schuld gebunden, bis sie abbezahlt wurde. [6]

Des Weiteren wird das Grab als eine wichtige Vorstufe zum Leben im Jenseits angesehen. Den Überlieferungen zufolge erlebt jemand, der die Befragung im Grab ohne Bestrafung überstanden hat, auch ein sorgloses Leben im Jenseits, da diese erste Stufe problemlos überstanden wurde. Ein Jemand, der die Befragung im Grab mit schmerzvoller Konsequenz getragen hat, erlebt ein demnach schweres Leben im Jenseits. Dies trifft auch auf einen Muslim zu, wenn dieser seine Schuld, falls sie nicht vergeben wurde, im Grab nicht vollständig abbezahlen konnte.

" Einer Überlieferung von Hane´a nach , dem Sklaven Uthman ibn Affans, sagte Uthman ibn Affan: "Ich hörte den Propheten - sallallahu aleyhi ua sallam - sagen: "Das Grab ist die erste Stufe des Jenseits: Wer auch immer diese überwindet, wird im Jenseits sorgenlos sein, und wenn er es nicht überwindet, wird er im schlimmsten Zustand sein" - Ich hörte ihn auch sagen: "Niemals habe ich einen schlimmeren Anblick gesehen als das Grab." [7]

In diesem Zusammenhang eine weitere wichtige Hadith (Überlieferung) von Ibn Umar :

" Der Gesandte Allahs - sallallahu aleyhi ua sallam - sagte: "Wenn jemand von euch gestorben ist, wird ihm sein (zukünftiger) Platz am Morgen und Abend gezeigt. Wenn er zu den Leuten des Paradieses gehört, dann ist er von ihnen, und wenn er zu den Leuten der Hölle gehört, dann ist er von ihnen. Ihm wird gesagt: "Dies ist dein Platz, bis dich Allah am Tage der Auferstehung erweckt."[8]

Des Weiteren wird dargelegt, dass die Peinigungen im Grab von Tieren wahrgenommen werden können, nicht aber von den Dschinn und Menschen mit Ausnahme des Propheten:

Einer Überlieferung von Ibn Mas´ud nach: "Der Prophet - sallallahu aleyhi ua sallam - sagte: "Die Toten werden in ihren Gräbern bestraft und sogar die Tiere können ihre Stimmen (Schreie) hören."[9]

Wie schon gesagt sind bis auf den Propheten Mohammed die Dschinn und andere Menschen nicht in der Lage die Qualen der Toten zu hören. Der Prophet Mohammed sagte:

"Diese Umma wird in ihren Gräbern geprüft. Würde ich nicht befürchten, dass ihr eure Toten nicht mehr begraben würdet, würde ich Allah darum bitten, euch das hören zu lassen, was ich höre.[10]

Aus diesen Überlieferungen geht eindeutig hervor, dass das Grab eine wichtige Funktion in der islamischen Religion besitzt.

Sünden, für die man im Grab gepeinigt wird

In diesem Bereich des Artikels geht es um einige Vorstellungen von Sünden, die zu einer Bestrafung im Grab führen können und die in Überlieferungen des Propheten Mohammed genannt werden.

Dem Islam nach steht der Unglaube eines Menschen hier wiederum als Sünde an höchster Stelle. Im Koran heißt es, dass Allah, wem er will, alle Sünden vergibt, bis auf, dass man ihm "andere Götter zur Seite stellt" oder gar überhaupt nicht an ihn glaubt :

" Wahrlich, Allah wird es nicht vergeben, dass ihm Götter zur Seite gestellt werden; doch vergibt Er das, was geringer ist als dies, wem er will. Und wer Allah Götter zur Seite stellt, der hat wahrhaftig eine gewaltige Sünde ersonnen." (Sure an-Nisā', Vers 48 ).

In diessem Zusammenhang ist zu sagen, dass dem islamischen Glauben nach jede Form des Unglaubens sowohl im Grab, als auch in Dschahannam bis in die Ewigkeit bestraft wird.

Ein weiterer Grund für die Peinigung im Grab kann die nachlässige Pflege nach dem Urinieren sein, welche vom Propheten Mohammed als häufigster Grund für eine Bestrafung im Grab angegeben wird.

- Hintergrundinformation : Der Muslim muss nach dem Urinieren und nach jeglicher anderen Form des Stuhlganges sicherstellen, dass der Urinfluss abgebrochen ist, und anschließend sein Gesäß und seine Genitalien waschen. Diese Form der Reinigung bezeichnet man als "Taharet", und sie ist Pflicht nach jedem Stuhlgang. -

In einer Überlieferung des Propheten Mohammed heißt es dazu: "Die häufigste Bestrafung im Grab ist wegen der (fehlenden Säuberung nach dem) Urinieren."[11]

Des Weiteren ist das "Verzehren" von Zinsen (das Nehmen von Zinsen) ein schwerwiegendes Vergehen im Islam, das untersagt ist und auch zur Peinigung im Grab führen kann. Im Koran heißt es dazu:

"Die Zinsen verschlingen, stehen nicht anders auf, als einer aufsteht, den Satan mit Wahnsinn geschlagen hat. Dies, weil sie sagen: "Handel ist gleich Zinsnehmen", während Allah doch Handel erlaubt und Zinsnehmen untersagt hat. Wer also eine Ermahnung von seinem Herrn bekommt und dann verzichtet, dem soll das Vergangene bleiben, und seine Sache ist bei Allah. Die aber rückfällig werden, die sind des Feuers Bewohner, darin müssen sie bleiben." (Sure al-Baqara, Vers 275)

Was nun die Peinigung im Grab in Zusammenhang mit dem Zinsnehmen anbelangt: In einem Auszug der Überlieferung von Samura ibn Dschundub, in welchem ein Mann, der vom Propheten Mohammed nach seinem Traum befragt wurde, von seinem Traum erzählt, heißt es :

"[…] Dann gingen wir weiter und kamen an einem Fluss an - ich glaube, er sagte: "Rot wie Blut" - und in diesem Fluss war eine schwimmender Mann. Und ein anderer Mann, der viele Steine gesammelt hatte, war auf einem Damm. Der schwimmende Mann kam zum Mann, welcher die vielen Steine gesammelt hatte, und öffnete seinen Mund. Und der Mann auf dem Damm legte einen Stein in seinen Mund. Der Mann im Fluss schwamm davon und kam (nach einer Weile) wieder, und jedes Mal, wenn er zurückkahm, öffnete er seinen Mund, und ein Stein wurde in seinen Mund gelegt. Ich fragte (meine beiden Begleiter): "Wer sind diese beiden?" Und sie antworteten mir: "Gehe weiter, gehe weiter!"

Später heißt es, als der Mann (in seinem Traum) von seinen beiden Begleitern über das Gesehene aufgeklärt wird:

" […] Und der Mann, den du im Fluss schwimmen sehen hast und dem die Steine in den Mund geworfen wurden, pflegten Zinsen zu verzehren." [12]

- Im ersten Teil der Überlieferung wir davon gesprochen, dass die Steine in den Mund "gelegt" wurden. Im zweiten Teil jedoch wird von einem "Werfen" gesprochen. Da es hier um zwei Männer geht, von denen einer auf einem Damm ( also einer hohen Ebene )steht, handelt es sich höchstem Anschein nach um ein "Werfen" der Steine. -

Anzumerken ist, dass nach der islamischen Glaubensrichtung auch alle anderen Sünden zur Peinigung im Grab führen können. Dies waren nur einige Beispiele.

Zusammenfassend ist zu sagen, wie es auch aus den genannten Überlieferungen hervorgeht, dass den Guten und Gläubigen eine gute Zeit und dem Schlechten und Ungläubigen eine schlechte Zeit im Grab und im Jenseits bevorsteht. Ein schlechter, aber gläubiger Mensch, wird der islamischen Lehre nach gleichberechtigterweise auch gepeinigt, wenn seine Sünden nicht vergeben werden, bis seine Schuld beglichen ist.

Einzelnachweise

  1. Sahih (authentisch) - überliefert bei at-Tirmidhi Sahih al-Dschami Nr.5182.
  2. Sahih (authentisch) - Überliefert von Imam Buchary
  3. Überliefert von al-Bara' ibn ʿAzib
  4. Überliefert von al-Bara' ibn ʿAzib
  5. Überliefert von al-Bara' ibn ʿAzib
  6. Überliefert und als Hassan erklärt von at-Tirmidhi. Von Al Albani als Sahih (authentisch) erklärt.
  7. Sahih (authentisch) - Nach Al Albani in Al Taghrib und Al Tarhib
  8. Überliefert bei Buchary und Muslim
  9. Von Al Albani als Sahih (authentisch) eingestuft, Sahih Al Dschami Nr.1961
  10. Sahih (authentisch) - Überliefert bei Muslim und Ahmad
  11. Als Sahih (authentisch) klassifiziert von al Albani, Sahih al Dschami Nr.3866
  12. Sahih ( authentisch ) - Überliefert bei Buchary

Internet

Literatur

  • D. B. Macdonald: s.v.Malā'ika. In: A. J. Wensinck, J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden 1941
  • Adel Theodor Khoury: s.v. Engel. In: Adel Theodor Khoury, Ludwig Hagemann und Peter Heine (Hrsg.): Islam-Lexikon. Freiburg 2006
  • Das Grab - Seine Pein und Glückseligkeit von Schaikh Hussain Al Awayischah / Übersetzng und Anmerkungen von Azad Ibn Muhammed al Kurdy

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