Haichou-Lanchou-Eisenbahn


Haichou-Lanchou-Eisenbahn

Haichou-Lanchou-Eisenbahn (in China auch Hai-Yü-Tsin-Lung-Eisenbahn genannt), wird Haichou, einen Hafenplatz am Gelben Meer, zwischen Shanghai und Kiautschou, mit Lanchou, der Hauptstadt der Provinz Kansu, verbinden und so einen großen Teil des chinesischen Reiches durchqueren. Die Bahn durchzieht die Provinzen Kiangsu, Honan (Yü) Shensi (Tsin) und Kansu (Lung). Da Haichou bisher nur mangelhafte Anlagen für den Seeverkehr besitzt, so soll hier ein neuer großer Hafen angelegt werden. Bis zu seiner Fertigstellung werden die über See kommenden Materialien für den Bahnbau in dem Hafenplatz Tienshenkon ausgeladen. Die Länge der Bahn beträgt etwa 1900 km. Die Bahn wird vorläufig eingleisig ausgeführt. Sie benutzt streckenweise die bestehenden Linien, nämlich die Tingkiangpu-Hsüchou-Bahn, die Kaifeng-Honan- und die Honan-Tungkuan-Bahn. Alle drei gehören der chinesischen Regierung und sind zum größten Teil im Betriebe. Die Bahn liegt, abgesehen von den mitbenutzten Strecken der Kaifeng-Honan- und Honan-Tung-Kuan-Bahn, meistens in der Ebene bis zur Grenze der Provinz Kansu; von dort beginnt wieder ein gebirgiges Gelände, in dem die Herstellung recht bedeutende Mittel erfordern dürfte. Von Lanchou aus ist eine Fortsetzung nach Ili (etwa 3000 km) geplant, von wo aus sich eine Verbindung mit der russischen Station Andishan der mittelasiatischen Bahn erreichen ließe. Nach Herstellung dieser Strecken würde der Weg von Shanghai nach Mitteleuropa etwa 4–5 Tage schneller zurückzulegen sein als bei der Fahrt durch Sibirien.

Der Bau der Bahn erfolgt durch die belgische Gesellschaft (société belge de construction de chemins de fer et de tramways en Chine), die im Jahre 1903 die Konzession für die Kaifeng-Honan-Bahn erworben und diese auch inzwischen fertiggestellt hatte; durch einen neuen Vertrag vom 24. September 1912 hat die Gesellschaft nun das Betriebsrecht für diese Strecke verloren, dafür aber den Bau einer neuen Bahn übernommen. Die chinesische Regierung hat durch Vermittlung der Gesellschaft eine Anleihe von 250 Mill. Fr. aufgenommen, die innerhalb von 40 Jahren zurückgezahlt werden soll. Der Betrieb wird durch die chinesische Regierung erfolgen.

Mit der H. kommt die erste der drei großen von Sün-Yat-Sen geplanten Überlandlinien zur Ausführung; von den beiden anderen sollte die eine von Shanghai quer durch Südchina nach Lasa, der Hauptstadt von Tibet, führen, während die andere von Canton aus durch das ganze westliche China bis Ili laufen sollte.

Hsieh Li.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.


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