Induktor


Induktor

Induktor. Früher bezeichnete man mit diesem Namen jede Vorrichtung, die bestimmt war, Induktionsströme (s.d.) zu erzeugen. Heute fallen unter diese Bezeichnung nur noch die Induktionsstromerzeuger zur Bildung einer Funkenstrecke – Funkeninduktor – (s. Funkentelegraphie) und die magnetelektrische Induktionsmaschine in der Ferne, wie sie W. v. Siemens im Jahre 1856 baute und wie sie heute als Stromerzeuger für den Fernsprechanruf, überhaupt zur Betätigung von Klingeln, für die Blockbedienung und für die Auslösung der elektrischen Signalläutewerke bei den Eisenbahnen allgemein verbreitet ist. Dieser Magnetinduktor besteht aus einer Anzahl hufeisenförmiger kräftiger Stahlmagnete (N–S in Abb. 172), die zu einem Magnetsystem verbunden sind. In dem durch die Pole gebildeten magnetischen Kraftlinienfelde (s. Induktionsströme) dreht sich, angetrieben durch eine Kurbel mit Zahnradübersetzung, mit großer Geschwindigkeit ein Eisenanker von Doppel-T-Querschnitt – A der Abb. 172 – der parallel zu seiner Drehungsachse annähernd bis zur Zylinderform mit vielen Windungen feinen isolierten Drahtes bewickelt ist. An den beiden Enden sind Kapseln mit Drehzapfen aufgesetzt (Abb. 174 a und b). Der Länge nach sind die Drahtwindungen durch Schutzbleche aus Messing überdeckt. In den bei den Drehungen des Ankers die Kraftlinien der Magnetpole im rechten Winkel schneidenden Drahtwindungen werden, wenn sie durch die Außenleitung zu einem Kreise geschlossen sind, bei jeder halben Umdrehung in rascher Folge abwechselnd je ein Stromstoß positiver und ein Stromstoß negativer Richtung, also Ströme wechselnder Richtung oder Wechselströme, erregt, deren Spannung um so größer ist, je schneller die Drehungen erfolgen, je größer die Zahl der Drahtwindungen und je stärker das magnetische Feld ist. Der Eisenkern A in Abb. 172 verstärkt die induzierende Wirkung durch den bei jeder halben Umdrehung sich vollziehenden Wechsel des in ihm erregten Magnetismus.

Je nach ihrem Verwendungszweck erhalten die I. 2–18 Magnete. Die Anrufinduktoren für Fernsprecher erhalten 2–4, die Blockinduktoren 6–9, die I. zum Auslösen der Signalläutewerke, die Läuteinduktoren, 12–18 Magnete. Ein I. mit 6 Magneten ist in Abb. 173 dargestellt.

Bei den Fernsprechinduktoren und Blockinduktoren kommen die erzeugten Wechsel ströme unmittelbar zur Verwendung, in besonderen Fällen auch unter Fortlassung der Stromstöße einer Richtung, so daß dann nicht Wechselströme, sondern unterbrochene Ströme gleicher Richtung ausgegeben werden. Bei den Läuteinduktoren werden die Wechselströme mittels Kommutator – Stromwender – gleichgerichtet. Diesen Kommutator wie überhaupt den Stromabgeber veranschaulichen die Abb. 174 a und b. Während bei Abgabe von Wechselstrom, wie unter a dargestellt, die beiden Enden der Ankerbewicklung an zwei voneinander isolierten vollen Schleifringen c und k befestigt sind, von denen die Schleiffedern f1 und f2 den Strom abnehmen, sind sie bei Abgabe von gleichgerichteten Strömen, wie unter b dargestellt, an zwei von einander isolierten Ringhälften c und k befestigt, die abwechselnd mit den Schleiffedern f1 und f2 in Berührung kommen. Wenn z.B. bei der ersten halben Umdrehung des Ankers bei c positiver, bei k negativer Strom austritt, dann bedingt der bei jeder halben Umdrehung eintretende Richtungswechsel der Induktionsströme (s.d.), daß bei der zweiten halben Umdrehung bei c negativer, bei k positiver Strom austritt; in der Darstellung a gelangen diese Ströme unverändert, also in wechselnder Richtung, in die Leitung, in der Darstellung b wechselt bei jeder halben Umdrehung des Ankers, also bei jedem Wechsel der Stromrichtung, auch die den Strom abnehmende Schleiffeder (f1 f2), so daß an jeder Feder immer nur Strom der gleichen Richtung austreten kann. – Wenn am Stromabgeber für Wechselstrom (Darstellung a) statt des vollen Schleifringes c nur eine Hälfte aufgesetzt wird, und zwar so, daß immer nur ein voller Stromstoß der gleichen Richtung von der Schleiffeder f1 aufgenommen werden kann, während bei der fehlenden Ringhälfte die Schleiffeder keine Berührung mit dem Strom abgeber hat, dann gibt der I. unterbrochene Ströme gleicher Richtung.

Fink.

Abb. 172.
Abb. 172.
Abb. 173. Induktor mit 6 Magneten.
Abb. 173. Induktor mit 6 Magneten.
Abb. 174 a.
Abb. 174 a.
Abb. 174 b.
Abb. 174 b.

http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

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