Milchbeförderung


Milchbeförderung

Milchbeförderung. Diese erfolgt mit Rücksicht auf die große Bedeutung, die der Milch als Volksnahrungsmittel zukommt, auf den Eisenbahnen unter vielfachen Begünstigungen.

Das hauptsächlichste Erfordernis für die M. ist eine schnelle Beförderung und Zustellung an die Verbraucher.


Die Milch leidet unter den Erschütterungen der Fahrt während einer längeren Beförderung. In der kurzen Zeit vom Nachmittag, wo das Melken stattfindet, bis zum folgenden Morgen gegen 7 Uhr, die Zeit der Ablieferung an die Verbraucher, müssen alle nötigen Verrichtungen vorgenommen werden. (Herbeischaffung der Milch von den oft weit entfernten Landgütern nach der Sammelstelle, Sterilisierung und Fertigstellung zum Versand, Beförderung auf der Bahn, Empfangnahme auf der Ankunftstation, Verteilung an die Abnehmer und Zuführung an die städtischen Verbraucher.)

Der Milchverkehr bewegt sich in der Regel auf kurzen Entfernungen. Die Milchzone reicht in Berlin auf etwa 175 km, in Wien in westlicher und nordwestlicher Richtung auf rd. 50–75 km, in östlicher und südlicher Richtung auf 100–125 km und in Paris auf etwa 150 km. Die größten Milchmengen werden den Konsumplätzen aus weit geringeren Entfernungen (Berlin 30–40 km, Paris 50–75 km) zugeführt. Auf dem Festland kommt ein Versand von Milch über 200 km nur ausnahmsweise vor, während in England und den Vereinigten Staaten von Amerika die Milch infolge teilweisen Fehlens landwirtschaftlicher Betriebe in der unmittelbaren Umgebung der großen Städte mitunter über sehr große Entfernungen zugeführt werden muß.

Große Bedeutung für die M. kommt der reinlichen Gewinnung der Milch am Produktionsort und ihrer sorgfältigen Kühlung zu. Wenn Milch am Produktionsort ordentlich gekühlt wird (+ 3° C), kann sie bis auf etwa 200 km ohne besondere Vorkehrungen befördert werden.


Um die möglichst schnelle Abfertigung der Sendungen zu ermöglichen, haben die meisten Bahnverwaltungen besondere Maßnahmen getroffen. Die Auf- und Abgabe der Milch kann außerhalb der Amtsstunden, mitunter auch in Haltestellen, erforderlichenfalls unmittelbar beim Zug erfolgen. In den größeren Stationen sind besondere Verladevorrichtungen (Rampen) vorhanden. Das Gewicht der einzelnen Sendung wird nicht durch bahnseitige Verwiegung, sondern auf Grund der Anschriften auf den Gefäßen festgestellt. Der Empfänger wird von dem Eintreffen der Sendung nicht benachrichtigt. Von großer Wichtigkeit sind die Abfertigungserleichterungen für regelmäßige Milchsendungen einzelner Parteien. Bei den meisten Bahnverwaltungen Deutschlands erfolgt die Beförderung solcher Milchsendungen auf Grund der »Bedingungen für die regelmäßige Beförderung der Milch«. Bei den österreichischen Staatsbahnen besteht ebenfalls Abonnementbeförderung der Milch.

Die M. erfolgt mit Personen- oder Gütereilzügen. Nicht selten werden eigene Milchzüge gefahren.

Die M. erfolgt fast überall, Frankreich ausgenommen, zu ermäßigten Sätzen, u.zw. werden in der Regel bei eilgutmäßiger Beförderung die Gebühren für Frachtgut berechnet.

Die Rückbeförderung der leeren Gefäße übernehmen die Bahnen zumeist frachtfrei oder doch gegen besondere Ermäßigungen.

Literatur: Bericht des internationalen Eisenbahnkongresses vom Jahre 1910, Frage XVI: Leicht verderbliche Lebensmittel. – Frahm, Das englische Eisenbahnwesen. Berlin 1911.

Grünthal.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

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