Baukapital

Baukapital (capital for construction; capital de construction; capitale o fondo di costruzione), die zur Deckung der Baukosten (s.d.) einer Eisenbahn erforderlichen Geldmittel.

Die Beschaffung des B. erfolgt bei Privatbahnen in der Regel durch Ausgabe von Aktien oder Obligationen, bei Staatsbahnbauten nach vorheriger gesetzlicher Genehmigung durch Aufnahme eigener Eisenbahn- oder allgemeiner Staatsschuldverschreibungen, durch Aufnahme schwebender Schulden oder Einstellung der erforderlichen Kredite in das ordentliche Budget. Das B. wird bei Aufnahme fundierter Anleihen aus dem wirklichen Erlös dieser Wertpapiere gebildet und ist gewöhnlich niedriger als das Nennkapital (Anlagekosten, s.d.); weil die Aufnahme der Anleihe – gleichgültig, ob es sich um Privat- oder Staatsanleihen handelt – selten zum Nennwert stattfinden kann.

Die Höhe des B. wird auf Grund der Bauentwürfe bestimmt und unterliegt ebenso wie die Höhe des Mindestausgabekurses der Genehmigung der Regierung oder der gesetzgebenden Körperschaften; auch eine Erhöhung des B. kann nur nach vorheriger Genehmigung der maßgebenden Faktoren erfolgen.

Das etwaige Mehrerfordernis wird bei Staatsbahnbauten aus den laufenden Beständen oder durch eine neue Anleihe gedeckt, bei Privatbahnen meist zunächst durch Aufnahme einer schwebenden Schuld gegen nachträgliche Deckung durch Ausgabe von Wertpapieren bei günstiger Lage des Geldmarktes.

Über die Verwendung des B. ist, je nachdem es sich um Staats- oder Privatbauten handelt, den gesetzgebenden Körperschaften oder der Regierung ordnungsmäßiger Nachweis zu liefern. Eine diesbezügliche Verpflichtung ist meist in den Gesetzen oder Genehmigungsurkunden enthalten.

Die für einen Bau zur Verfügung stehende Geldsumme sowie die zu Lasten des Baues verausgabten Beträge sind nach bestimmter, meist staatlich vorgeschriebener Gliederung in einem Baukonto vorzutragen. Dem Baukonto (Baufonds) dürfen nur die zu den eigentlichen Baukosten (s.d.) gehörigen Ausgaben zu Last geschrieben werden.

Bei Privatbahnen pflegt das Baukonto, sofern die Genehmigungsurkunde nicht etwas anderes bestimmt, erst geschlossen zu werden, wenn das für die Herstellung der Bahnanlage beschaffte B. aufgebraucht ist. Häufig wird jedoch das Baukonto auch nach gänzlicher Vollendung des Baues, endgültiger Abnahme der Bahn (s.d.), Beseitigung der Mängel u.s.w. geschlossen und der etwa zu gunsten des Baukontos sich ergebende Überschuß einem besonderen Fonds (Reserve-, Erneuerungs-, Anlagefonds u.s.w.) überwiesen, zu dessen Lasten dann die Kosten der späterhin etwa aus Betriebsrücksichten oder auf behördliche Anordnung noch durchzuführenden Ergänzungsbauten, sofern sie den Bahnwert erhöhen, bei Zustimmung der Staatsaufsichtsbehörde, verrechnet werden. Bei Privatbahnen ohne derartigen Fonds unterliegt die Eröffnung eines Baukontos für Nachtragsbauten und die Art der Beschaffung der noch notwendigen Mittel der Genehmigung der Staatsverwaltung.

Sollte bei Staatsbahnbauten nach Ablauf der im Gesetz festgesetzten Fristen der Bau noch nicht vollendet oder der genehmigte Baufonds überschritten sein, so kann die Genehmigung zur Erhöhung des Baukontos nur im Wege der Gesetzgebung erwirkt werden. Da der Abschluß des Baukontos bei Staatsbahnen meist kurz nach der Betriebseröffnung erfolgt und die gegenüber dem genehmigten Baufonds etwa nicht verausgabten Beträge verfallen (somit keine Er neuerungs- oder Reservefonds gebildet werden), so muß für nachträglich notwendige Arbeiten, die den Bahnwert erhöhen und somit eigentlich dem Baukonto zu Lasten geschrieben werden sollen, von Fall zu Fall entweder im Wege der Einstellung in das Jahreserfordernis (Etat) des die Staatsbahnen verwaltenden Ministeriums oder bei bedeutenden Kapitalsanlagen im Wege einer besonderen Gesetzesvorlage der erforderliche Baukredit (Investitionskredit) erwirkt und für die einzelnen Bauten ein eigenes Konto eröffnet werden.

v. Enderes.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bayerische Eisenbahnen — Bayerische Eisenbahnen. Inhalt: A. Geschichtliche Entwicklung des Eisenbahnnetzes: I. Rechtsrheinische Eisenbahnen: 1. Die ersten Anfänge des Eisenbahnbaues. Privatunternehmungen bis 1840; 2. Die ersten Anfänge des Staatsbahnbaues bis 1856; 3.… …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Hellwag — Hellwag, Konrad Wilhelm, Ingenieur, geb. 18. Sept. 1827 in Eutin, gest. 4. Jan. 1882 in Wien, studierte in Kiel Mathematik und Naturwissenschaften, beteiligte sich 1848–49 an dem Kampfe für die Herzogtümer Schleswig und Holstein, studierte seit… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Bahnunterhaltung — Bahnunterhaltung, Bahnerhaltung (rail way maintenance; maintien de la voie; manutenzione della linea), der Inbegriff aller Arbeiten, die erforderlich sind, um die Bahn in betriebssicherem und gutem baulichen Zustand zu erhalten. Sie umfaßt somit… …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Deutsch-Ostafrika — Deutsch Ostafrika, das größte deutsche Schutzgebiet, mit 995.000 km2, das Mutterland um rund 85% an Flächengröße übertreffend, aber mit einer farbigen Bevölkerung von nur rund 10 Millionen, denen noch nicht 4000 Europäer gegenüberstehen, ist… …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Russische Eisenbahnen — (mit Karte). I. Geschichte. a) Geschichte der Staatseisenbahnen: 1. im europäischen Rußland, 2. im asiatischen Rußland; b) Geschichte der Privateisenbahnen: 1. im europäischen Rußland, 2. im asiatischen Rußland; c) Neben und Zufuhrbahnen. – II.… …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Ungarische Eisenbahnen — (s. Karte Taf. I). Inhaltsübersicht: I. Geschichte. – II. Technischer Charakter. – III. Statistisches. – IV. Tarifwesen. – V. Gesetzgebung und Verwaltung. – VI. Die ungarischen Eisenbahnen nach dem Weltkrieg. – Literatur. I. Geschichte. a) Von… …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Basler Verbindungsbahn — Basel SBB–Basel Bad Bf Streckenlänge: 4,4 km Streckenklasse: D4 Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz  Zweigleisigkeit: (durchgehend) Legende …   Deutsch Wikipedia

  • Dorotheenkirche (Nortrup) — Die Dorotheenkirche ist die evangelisch lutherische Kirche der Gemeinde Loxten (Nortrup). Benannt wurde die Kirche nach Dorothea Freifrau von Hammerstein Loxten, geb. von Rössing, die sich für die Förderung der ev. luth. Diasporagemeinde… …   Deutsch Wikipedia

  • Drautalbahn — Maribor–San Candido/Innichen Kursbuchstrecke (ÖBB): 620 Bleiburg – Klagenfurt 220 Klagenfurt – Spittal Millstättersee 223 Spittal Millstättersee – San Candido/Innichen Streckennummer (ÖBB): 423 01 Staatsgrenze nächst Bleiburg – Bleiburg …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Eisenbahn in Österreich — Lokomotive „Rakete“ der Kaiser Ferdinands Nordbahn …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”