Bohrapparate

Bohrapparate (drilling machines; machines à percer ou à forer; trapani) für Holz und Metall (Metall-, Holzbohrgeräte, Bohrmaschinen), mit Menschen- oder Maschinenkraft betriebene Vorrichtungen zur Herstellung von kreisrunden Vertiefungen oder Löchern oder auch zur Erweiterung solcher. (Über Gesteinbohrmaschinen s. d.) Beim Eisenbahnwesen finden B. mannigfache Verwendung (z.B. bei der Bahnunterhaltung, Zugförderung, besonders aber in den Eisenbahnwerkstätten).

Bei den B. unterscheidet man hauptsächlich zwei Teile, nämlich das in das Arbeitstück eindringende Schneidwerkzeug, Bohrer im engeren Sinn (auch Bohrspitze) genannt, und die zur Umdrehung des Bohrers sowie zur Ausübung des notwendigen Druckes dienende Vorrichtung. Die einfachste Form der letzteren bilden die sog. Bohrgeräte, bei denen sowohl die Bewegung als auch das Anpressen des Bohrers durch Menschenkraft erfolgt, und die zumeist nur zur Herstellung kleinerer und seichterer Vertiefungen und Löcher verwendet werden. Kompliziertere Mechanismen weisen die eigentlichen Bohrmaschinen auf, die für größere Arbeiten und hauptsächlich nur in Werkstätten Verwendung finden; die Bewegung erfolgt bei Bohrmaschinen, deren Antrieb nur eine geringe Kraft erfordert, durch Menschen-, sonst durch Maschinenkraft. Bei den Bohrmaschinen beschränkt sich die Obliegenheit des Arbeiters gewöhnlich nur auf die richtige Befestigung des Arbeitstücks, die Wahl des Bohrers, Ingangsetzung und Überwachung der Maschine. Das Bohren des Lochs erfolgt entweder vollständig selbsttätig oder die Maschine bewirkt nur die beständige Drehung des Bohrers, während das Vorschieben des Bohrers durch den Arbeiter bewirkt wird.

Von den B., die hauptsächlichst in Eisenbahnwerkstätten in Verwendung kommen, sollen im nachstehenden einige näher besprochen werden.


Doppel-Achsenbohrmaschine.


Diese dient zum Ausbohren von Lokomotivradachsen zum Zwecke der Untersuchung des Materials im Innern der Achsen. Das im Achsmittel durchlaufende Bohrloch hat eine Weite von 30 bis 50 mm. Diese Maschine (Abb. 248) besteht aus einem doppelten (zweiteiligen) Bett, von dem jeder Teil einen in verschiedenen Vorschüben arbeitenden Bohrzeughalter besitzt. In der Mitte des Doppelbettes befindet sich eine für verschiedene Umfangsgeschwindigkeiten eingerichtete Spanntrommel, in die der zu durchbohrende Rohachsprügel oder die bereits mit aufgepreßten Rädern versehene Lokomotivachse eingespannt wird.

Die Spanntrommel, die aus Stahlguß hergestellt und in zwei auf dem Mittelstück des Doppelbettes aufgesetzten, nachstellbaren Lagern drehbar ist, trägt an ihren Enden je ein zentrisch spannendes Planfutter. Die Drehung der Spanntrommel erfolgt durch einen Elektromotor.

Mittels eines in den Antrieb eingebauten Räderkastens und zwei mit dem Norton-Hebel verschiebbaren Schalträdern können verschiedene, gleichmäßig abgestufte Umdrehungsgeschwindigkeiten der Spanntrommel, beziehungsweise der eingespannten, zu durchbohrenden Achse erzielt werden.

Der Vorschub der Bohrwerkzeuge (Werkzeughalter) erfolgt zwangläufig, jedoch unabhängig voneinander durch Wechselräder und eine Leitspindel.

Die Bohrspindeln sind hohl, um zu den arbeitenden Bohrstählen Spülwasser leiten zu können.

Zur Wasserspülung dient eine kräftig arbeitende Pumpe, die das Wasser durch an das äußere Ende der Bohrstangen angeschlossene Schlauchleitungen fördert.

Zur Herstellung des Bohrloches wird die mit oder ohne bereits aufgekeilten Rädern zu durchbohrende Achse in die Spanntrommel eingelegt, mittels der an den Enden der Spanntrommel befindlichen Spannfutter zentrisch festgeklemmt und sodann in Drehung versetzt.

Zunächst wird die Achse beiderseits mit kürzeren Bohrern vorgebohrt. Die vorgebohrten Löcher dienen zur achsseitigen Führung der langen Bohrer.

Zwischen Achse und Bohrzeughalter wird bei der zweiten Bohrung jeder Bohrer noch in einer Lünette geführt.


B. zum Ausbohren von Radreifen.


Für das Ausbohren von Radreifen werden selbsttätige Karusselldrehbänke gebaut, mit denen die Innenflächen eines Radreifens, nämlich die beiden Zylinderflächen a und b (Abb. 249) die Anschlagleiste c und die Sprengringnut d gleichzeitig bearbeitet werden können.

Diese Maschinen werden in 2 Größen ausgeführt, u. zw. für Radreifen mit 700–1200 mm lichtem Durchmesser und für solche mit 700–2350 mm innerem Durchmesser.

Bei 10 stündiger Arbeitszeit können auf der kleineren Maschine 30–35 normale Wagenradreifen von 850 mm lichtem Durchmesser aus Material von 50–55 kg Festigkeit und auf der größeren Maschine die gleiche Anzahl Wagenradreifen oder 9–10 Lokomotivradreifen von 2 m innerem Durchmesser aus Material von 70 kg Festigkeit ausgebohrt werden.


(Eine nähere Beschreibung dieser Maschine enthalten Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen, Band 69, Heft 7 vom 1. Oktober 1911.)


Vierfache Rohrwandbohrmaschine.


Diese zum Bohren der Siederohrlöcher in den Feuerbuchs- und Rauchrohrwänden bestimmte Bohrmaschine (Abb. 250) ermöglicht durch Anwendung von 4 Spindeln das gleichzeitige Bohren von 4 Löchern.

Der Antrieb der Bohrspindeln erfolgt gemeinschaftlich für alle 4 Spindeln mittels 4 Schneckenrädern.

Durch die am Tisch vorgesehene Teilvorrichtung kann eine genaue Verstellung des Tisches und damit des Arbeitstückes vorgenommen werden, um erforderlichenfalls das Anzeichnen der Bohrlöcher zu ersparen.


Zylinderbohrmaschine.


Diese in Abb. 251 zur Darstellung gebrachte Maschine wird zur Herstellung einer genauen Bohrung und zum Abdrehen der Flanschen an Lokomotivzylindern verwendet.

Zum Abdrehen der Flanschen dienen die beiden fliegenden Supporte, während das Bohren des Dampfzylinders mittels des Bohrkopfes erfolgt. Letzterer erhält seinen Vorschub von der sich drehenden Bohrstange, während die beiden fliegenden Supporte unabhängig von diesem Vorschub arbeiten.

Die zweite Bohrstange ermöglicht bei Zylindern mit Kolbenschiebern ein gleichzeitiges Bearbeiten des Dampfzylinders und der zylindrischen Schieberlaufflächen.

Der Antrieb der Bohrspindeln erfolgt mittels der Stufenscheibe durch ein Rädergetriebe.

Als Ersatz für Zylinderbohrmaschinen werden zuweilen auch selbsttätige Bohrstangen verwendet, die auf ein passendes kräftiges Drehbankbett aufgesetzt und durch den Spindelstock der Bank in Umdrehung versetzt werden können. Die Bohrstangen sind ähnlich den bei den Zylinderbohrmaschinen beschriebenen und haben an dem einen Ende das Schaltwerk, an dem anderen Ende eine starke Mitnehmerscheibe, die mit der Planscheibe der betreffenden Drehbank gekuppelt wird. Die Bohrstangen werden in 2 sehr festen Ständern gelagert, die entsprechend der Drehbank geformt sind.

Für Eisenbahnreparaturwerkstätten besonders geeignet sind die beweglichen Zylinderbohrmaschinen (Abb. 252). Sie bestehen aus einer Bohrspindel mit Bohrkopf, wie vorher beschrieben und sind in 2 Bügel gelagert, wovon einer den Antrieb, für Riemen- oder Handbetrieb eingerichtet, sowie die Steuerungsdifferenzialräder trägt. Die Bügel dienen gleichzeitig als Aufspannbacken der ganzen Maschine auf die Lokomotivzylinder. Mit solchen Maschinen können ausgelaufene Dampfzylinder, ohne sie von der Lokomotive abmontieren zu müssen (also an der Lokomotive), nachgebohrt werden.

Außer den beschriebenen Bohrmaschinen finden in den Eisenbahnwerkstätten noch verschiedene Spezialbohrmaschinen zum Bohren von Kesselblechen, Lokomotivframes, Radreifen, Schienen, Stehblechen, Waggonrädern, u.s.w. Verwendung.

Literatur: C. H. Benjamin, Moderne amerikanische Werkzeugmaschinen. Leipzig 1908. – Fischer, Werkzeugmaschinen. Berlin 1905. – Hülle, Werkzeugmaschinen und ihre Konstruktionselemente. Berlin 1908. – Uhland, Handbuch f. d. praktischen Maschinenkonstrukteur. Berlin 1906; Werkzeugmaschinen von Diederich. – Weiß, Die Werkzeugmaschine zur Bearbeitung der Metalle. Wien 1897.

Spitzner.

Abb. 248.
Abb. 248.
Abb. 249.
Abb. 249.
Abb. 250.
Abb. 250.
Abb. 251.
Abb. 251.
Abb. 252.
Abb. 252.

http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

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