Dunkel (2)

2. Dunkel, -er, -ste, adj. et adv. 1. Eigentlich, schwärzlich, ein wenig schwarz. In dieser längst veralteten Bedeutung wird es nur noch von den Farben gebraucht, im Gegensatze des hell. Eine dunkele Farbe. Die Farbe ist sehr dunkel. Der Zeug ist für mich zu dunkel. So auch in den Zusammensetzungen dunkelblau, dunkelgelb, dunkelroth, dunkelgrün. Die Gemählde werden mit der Zeit dunkel, wenn ihre Farben dunkeler werden; S. Nachdunkeln. Dunkel halten, bey den Mahlern, eine dunklere Farbe geben; Franz. rembrunir. 2. Figürlich. 1) Des Lichtes beraubt, finster. Ein dunkeles Zimmer. Ein Zimmer dunkel machen. Ich sitze nicht gerne im Dunkeln. Wie ein Blinder tappet im Dunkeln, 5. Mos. 28, 29. Oft auch nur in so weit des Lichtes beraubet, daß man die Gegenstände nicht gehörig unterscheiden kann. Es fängt an, dunkel zu werden. Ein dunkeler Wald. Eine dunkele Wolke. Dunkele Schatten. Ein dunkeler Körper, welcher nur durch Hülfe leuchtender Körper gesehen werden kann. 2) Trübe, von solchen Gegenständen, welche den Lichtstrahlen den freyen Durchgang verhindern. Dunkeles Wetter. Ein dunkeler Tag. Ein dunkeles Glas. Isaacs Augen wurden dunkel, 1 Mos. 27, 1, sie ließen nicht Lichtsrahlen genug durch, daher auch seine Kraft zu sehen geschwächt wurde. 3) Unkenntlich. Meine Gestalt ist dunkel worden für Trauren, Hiob 17, 7, welche Bedeutung doch ungewöhnlich ist. 4) Unbekannt. Er öffnet die finstere Gründe und bringet heraus das Dunkel an das Licht, Hiob 12, 22. Seine Abkunft ist sehr dunkel. Ein Mensch von dunklem Herkommen. Ingleichen ungewiß. Das Gegenwärtige sehen wir wohl, aber die Zukunft ist uns dunkel. Der Erfolg ist noch sehr dunkel. 5) Der nöthigen Klarheit beraubt. Dunkele Worte, eine dunkele Rede, deren Sinn uns unverständlich ist, in welcher wir das Mannigfaltige nicht gehörig unterscheiden können. Ein dunkeler Begriff, der nicht hinreicht, die Sache von allen andern zu unterscheiden; im Gegensatze des klaren. Er schreibt sehr dunkel. Das Räthsel ist mir zu dunkel. Aus einer dunkelen Ahndung flossen meine Thränen. 6) Unberühmt. Im Dunkeln leben. Hier in dieser einsamen Wüste soll mein dunkeles Leben ungesehn dahin fließen. Ohne über die Hütte zu seufzen, worein ich dein dunkeles Schicksal gesteckt, Dusch.


Wenn unsre Thaten uns nicht aus dem Dunkeln heben,

Was für ein Unterschied ist leben und nicht leben?

Schleg.


7) Einige Sprachlehrer haben auch das hohe e, das e fermé der Franzosen, wie es in der ersten Sylbe der Wörter gehen, stehen, ausgesprochen wird, ein dunkeles e genannt, obgleich nicht abzusehen ist, aus was für einem Grunde. Andere belegen das tiefe e oder e ouvert der Franzosen, welches in der Aussprache dem ä gleicht, wie es in den ersten Sylben der Wörter leben, geben, lautet, mit diesem Nahmen, und diese haben noch einigen Grund für sich, weil dunkel auch von einem Tone gebraucht werden könnte, den man nicht hinlänglich von andern Tönen unterscheiden kann. S. E.

Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort tunkel, bey dem Ottfried dunkal, bey dem Notker tunchel, in dem Fragmente eines Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter tunker, im Dän. und Schwed. dunkel. Das n ist der gewöhnliche Begleiter der Kehlbuchstaben in den nieselnden Mundarten. Dunkel ist daher einerley mit dem alten Fränkischen doggen, dougen, bey dem Tatian dougli, im Angels. doc, dunkel, finster, und figürlich heimlich, verborgen. Tökn bedeutet im Schwedischen, wie Taage im Dänischen, und Thoku im Isländischen den Nebel, Dunst. Daß dieses Wort anfänglich vermuthlich schwarz bedeutet habe, erhellet aus dem Isländ. daukr, schwarz, dokna, schwarz werden, und aus dem Wallis. du, schwarz. S. Finster und Düster.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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