Ärgern

Ärgern, verb. reg. act. von dem Comparativo, ärger, im Gegensatze des Verbi bessern.

1. * Ärger, d.i. schlechter machen, in der eigentlichsten Bedeutung. So sagte man ehedem, eines Gut ärgern, in Abnahme bringen; eines Pferd ärgern, abtreiben; ein Stift ärgern, schwächen, u.s.f. wie aus den von Frisch angeführten Beyspielen erhellet. Die uoho die de uuingarten geargerent, die Füchse die den Weingarten verderben, heißt es schon bey dem Willeram 2, 15. Das Schwed. arga wird noch in eben diesem Sinne gebraucht, und von dem Niedersächsischen ergheren hat Ölrichs in Glossar. ad Statuta Bremens h.v. viele Beyspiele angeführet. Auch in einigen Oberdeutschen Gegenden sagt man noch jetzt: es ärgert sich mit ihm, es verschlimmert sich. Das Übel ärgert sich u.s.f. Allein im Hochdeutschen ist diese Bedeutung völlig veraltet.

2. Im moralischen, besonders biblischen Verstande, durch strafbare Handlungen lebhafte Empfindungen des Unerlaubten bey andern erwecken, und zugleich zum Bösen reitzen, zum Ärgernisse gereichen. Einen ärgern. Einen mit etwas ärgern. Ärgert dich dein rechtes Auge, u.s.f. Matth. 5, 29. f. Ingleichen als ein Reciprocum, sich an etwas ärgern, ein Ärgerniß daran nehmen.

3. Zum Zorne reitzen, erzürnen, doch nur von einem geringen Grade des Zornes, der mehr auf die innere Empfindung als auf den äußern Ausdruck wirket. Einen ärgern. Ingleichen, sich ärgern, sich über jemanden, oder über etwas ärgern.

Anm. Ärgern, Nieders. argern, bey dem Notker argeron, im Schwabenspiegel ergern, kommt in allen drey Bedeutungen schon seit dem eilften Jahrhunderte vor. Das Substantiv die Ärgerung gebraucht zwar Notker für Scandalum, und Steinbach führt es auch noch für indignatio und offendiculum an; allein im Hochdeutschen ist es völlig ungebräuchlich.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • ärgern — ärgern, ärgert, ärgerte, hat geärgert Ärgern Sie sich nicht …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • ärgern — ↑alterieren, ↑mobben …   Das große Fremdwörterbuch

  • ärgern — Vsw std. (11. Jh.), mhd. ergern, ahd. argerōn Stammwort. Formal vom Komparativ zu arg abgeleitetes Verb, also eigentlich schlechter machen . Eine genauere Bedeutungsanalyse steht noch aus. Abstraktum: Ärger; Adjektiv: ärgerlich; Konkretum:… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • ärgern — [Network (Rating 5600 9600)] Auch: • nerven Bsp.: • Ärgert euren Vater nicht, Kinder! …   Deutsch Wörterbuch

  • ärgern — V. (Mittelstufe) jmdm. oder sich Ärger bereiten Beispiele: Er hat mich mit seiner Sturheit geärgert. Sie ärgerte sich über meine Verspätung …   Extremes Deutsch

  • ärgern — (total) abnerven (umgangssprachlich); (jemanden) wurmen (umgangssprachlich); (total) nerven (umgangssprachlich); wütend machen; zur Weißglut treiben (umgangssprachlich); die Freude verderben; aufregen; entrüsten; …   Universal-Lexikon

  • ärgern — Ärger bereiten/erregen, aufbringen, aufregen, belästigen, brüskieren, empören, entrüsten, erbosen, foppen, hänseln, in Rage/Wut versetzen, kränken, necken, plagen, provozieren, quälen, rasend machen, reizen, schikanieren, verärgern, Verdruss… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • ärgern — ạ̈r·gern; ärgerte, hat geärgert; [Vt] 1 jemanden ärgern durch sein Verhalten bewirken, dass jemand Ärger empfindet: seinen jüngeren Bruder ärgern || NB: ↑necken; [Vr] 2 sich (über jemanden / etwas) ärgern Ärger über jemanden / etwas empfinden ≈… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • ärgern — arg »schlimm, böse, schlecht«: Das altgerm. Adjektiv mhd. arc, ahd. arg, niederl. erg, aengl. earg, schwed. arg wurde in den alten Sprachzuständen in den Bed. »ängstlich, feige; geil, wolllüstig; (moralisch) schlecht« verwendet. Es gehört… …   Das Herkunftswörterbuch

  • ärgern — ärgernv nicht(niemals)ärgern,nurwundern!:LebensweisheiteinesAlltagspraktikers.SollvondemBerlinerPossenschreiberDavidKalisch(1820 1872)stammen …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

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