Geruhen

Geruhen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich besorgen, die Sorge einer Sache über sich nehmen, bedeutet, aber jetzt nur noch von sehr vornehmen, besonders fürstlichen Personen gebraucht wird, für gnädigst belieben, sich gnädigst gefallen lassen. Ew. Königliche Majestät geruhen, sich unterthänigst vortragen zu lassen, u.s.f. Se. Fürstl. Durchlaucht haben diese Stelle noch nicht wieder zu besetzen geruhet.

Anm. Im Oberdeutschen hatte dieses Wort ehedem den härtern Hauchlaut ch, geruchen, und ohne Vorsylbe ruchen. Si ne ruochet mih niht ane sehen, Hermann von der Vogelweide. Ob ir der pfaffen ere iht geruochet, ob ihr dadurch für die Ehre der Pfaffen sorget, ein andrer der Schwäbischen Dichter. Daß es ehedem auch wollen bedeutet haben müsse, erhellet aus dem Gegensatze neruokan, welches bey dem Notker für nicht wollen vorkommt. Im Schwed. und Isländ. ist reka, und im Angels. reccan, gleichfalls besorgen. Das Stammwort ist das alte Ruacha, Sorge. S. Ruchlos und Verrucht. Ein anderes Wort ist das nur im Oberd. übliche geruhen, quiescere, welches das mit dem ge verlängerte Zeitwort ruhen ist.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • geruhen — geruhen:⇨herbeilassen,sich geruhenbereit/geneigt/gewogen/gesonnen/gnädig/huldreichsein,sichherablassen,sichbequemen …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • geruhen — Vsw erw. obs. (8. Jh., Form 16. Jh.) Stammwort. Erst in frühneuhochdeutscher Zeit an ruhen (Ruhe) angeschlossen und entsprechend geschrieben. Zuvor mhd. geruochen, ahd. (gi)ruohēn, as. rōkian aus g. * rōk ija Vsw. sich um etwas kümmern, sorgen ,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • geruhen — »sich huldvoll herbeilassen«: Das Verb, das im heutigen Sprachgefühl auf »ruhen« bezogen wird, ist seiner Herkunft nach mit ↑ ruchlos und ↑ verrucht verwandt und gehört vermutlich zu der unter ↑ recht dargestellten idg. Wurzel *reg̑ »aufrichten,… …   Das Herkunftswörterbuch

  • geruhen — herablassen * * * ge|ru|hen 〈V. intr.; hat; geh.; oft iron.〉 sich huldvoll (zu etwas) herablassen ● geruhen Eure Majestät, den Botschafter zu empfangen?; er geruhte, sich von seinem Platz zu erheben 〈iron.〉 [<ahd. (gi)ruochan „sorgen,… …   Universal-Lexikon

  • geruhen — ge·ru̲·hen; geruhte, hat geruht; [Vi] geruhen + zu + Infinitiv iron; sich (gnädig) herablassen, etwas zu tun ≈ belieben + zu + Infinitiv …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • geruhen — ge|ru|hen (veraltend, noch ironisch für sich bereitfinden) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • herablassen — geruhen * * * ◆ her|ạb||las|sen 〈V. tr. 174; hat〉 von (dort) oben nach (hier) unten sinken lassen ● den Vorhang, die Rollläden herablassen; einen Eimer, einen Korb an einer Kette, einem Strick herablassen; sie lässt den Korb herab; ich werde… …   Universal-Lexikon

  • Krönung der russischen Zaren und Kaiser — Szene aus der Krönungszeremonie Nikolaus II. am 14. Mai 1896 in der Mariä Entschlafens Kathedrale in Moskau. Kaiser und Kaiserin werden unmittelbar nach der Krönung dargestellt Gemälde von Laurits Tuxen, dänischer Maler (1853–1927) Die… …   Deutsch Wikipedia

  • bequemen — sich bequemen sich aufraffen, sich durchringen, sich entscheiden, sich entschließen; (iron.): sich herablassen; (häufig iron.): sich herbeilassen; (geh. veraltend, sonst iron.): geruhen. * * * bequemen,sich:1.⇨herbeilassen,sich–2.⇨gehorchen(1)… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • ruchlos — Adj erw. obs. (9. Jh.), mhd. ruochelōs, ahd. ruoholōso, älter ruachalōs, mndd. rōkelōs sorglos , seit Luther gottlos, frevelhaft (als sich um nichts kümmernd, unverantwortlich ) Stammwort. Wie ae. rēcelēas nachlässig zu einem Substantiv gebildet …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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