Öhr, das

Das Öhr, des -es, plur. die -e, Diminut. das Öhrchen, Oberd. Öhrlein, ein noch in verschiedenen einzelnen Fällen übliches Wort, gewisse, gemeiniglich runde oder rundliche Öffnungen zu bezeichnen. Das Öhr einer Nähnadel, oder das Nadelöhr, die kleine Öffnung in der Nähnadel. Die Handhabe oder der Henkel an den Geschirren ist im gemeinen Leben häufig unter dem Nahmen eines Öhres bekannt. Sprichw. Kleine Töpfe haben auch Öhre; kleine Töpfe haben kleine Öhre. Noch häufiger ist das Öhr ein kleiner rundlicher Ring von Draht an den Kleidungsstücken, worein ein Haken von Draht greift; beyde zusammen werden alsdann Haken und Öhre, im Oberdeutschen Heftle und Miderle, gleichsam Mütterlein, (S. Mutter,) genannt. Im Niederdeutschen lautet es in der letzten Bedeutung mit der gewöhnlichen Vertauschung des r und s Öhse, und im Diminut. Öhseken, Ösken, Eesken, Schwed. Ösja, Holländ. Heyse, Heuse, wo denn Hose, in der Bedeutung eines Gefäßes oder hohlen Raumes, mit eintritt. Das Öhr an einer Münze ist ein ähnlicher kleiner angelötheter Ring, sie vermittelst desselben am Halse zu tragen, so wie das Öhr an einem metallenen Knopfe, welches bey den Gürtlern gleichfalls die Öhse genannt wird.

Anm. Dieses Öhr ist nur in der Aussprache und Schreibart von dem folgenden Ohr in dessen weitern Bedeutung unterschieden, S. dasselbe.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • Ohr, das — Das Ohr, des es, plur. die en, Diminut. das Öhrchen, Oberd. Öhrlein. 1. In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, das Werkzeug des Gehöres an den thierischen Körpern, welches aus einer Höhle am Kopfe bestehet, welches gemeiniglich mit hervor… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Judas-Ohr, das — Das Judas Ohr, des es, plur. die en, ein Nahme des Hohlunderschwammes, welcher hohl und runzelig ist, und daher einige Ähnlichkeit mit einem Ohre hat; Peziza Auricula L. Judasschwamm, Mäuseöhrlein, Ohrenschwamm …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Ohr: Außenohr, Mittelohr und Innenohr —   Das Ohr hat zwei Funktionen: Einerseits nimmt es den eintreffenden Schall (Klänge, Geräusche, Töne) auf und wandelt ihn in Nervensignale um, die vom VIII. Hirnnerv (Nervus vestibulocochlearis) ans Gehirn weitergeleitet werden, andererseits ist… …   Universal-Lexikon

  • Ohr — Ohr: Das gemeingerm. Wort mhd. ōre, ahd. ōra, got. ausō, engl. ear, schwed. öra beruht mit verwandten Wörtern in den meisten anderen idg. Sprachen auf idg. *ōus »Ohr«, vgl. z. B. griech. oūs »Ohr« und lat. auris »Ohr«. Welche Vorstellung der …   Das Herkunftswörterbuch

  • Ohr [1] — Ohr. Das Organ für die Wahrnehmung der Schallwellen scheint bei nieder und hochorganisierten Wesen immer zugleich Organ für die Beurteilung der Körperlage, Gleichgewichtsorgan zu sein. In seiner einfachsten Bildung ist es eine kleine, mit… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Öhr — Öhr: Das auf das dt. Sprachgebiet beschränkte Substantiv (mhd. œ̄r‹e›, ahd. ōri) ist von dem unter ↑ Ohr behandelten Wort abgeleitet und bedeutet eigentlich »ohrartige Öffnung«. Heute bezeichnet »Öhr« gewöhnlich nur noch das Loch in der Nadel,… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Ohr — das; [e]s, en; zu Ohren kommen …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Öhr — Öhr, das; [e]s, e (Nadelloch) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Ohr — 1. An den Ohren erkennt man den Esel. 2. An den Ohren erkennt man die halben, am Schreien die Stocknarren. Lat.: Ex verbis fatuos, ex aure tenemus asellum. (Chaos, 951.) 3. Bei tauben Ohren ist jede Predigt verloren. 4. Bei weiten Ohren und… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Ohr — Ohrwaschl (bayr.) (österr.) (umgangssprachlich); Lauschlappen (umgangssprachlich); Hörorgan; Gehör * * * Ohr [o:ɐ̯], das; [e]s, en: an beiden Seiten des Kopfes sitzendes, dem Hören dienendes Organ (bei Menschen und bei Wirbeltieren): große,… …   Universal-Lexikon

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