Vers, der


Vers, der

Der Vêrs, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Versus. 1. Die Zeile eines Gedichtes. Ein Vers aus dem Horaz. Zwey Verse hersagen. In Versen schreiben, in gebundener Schreibart. Daher dieses Wort im Plural auch zuweilen für das Gedicht selbst gebraucht wird. Verse machen, sowohl ein Gedicht machen, als auch überhaupt ein Poet seyn. Im gemeinen Leben gebraucht man Vers in ähnlichem Verstande und collective. Einen guten, einen fließenden Vers schreiben. Da Vers, so wie Reim, nur die äußere Form eines Gedichtes ausdruckt, so wird es auch in der edlern Schreibart und von vorzüglichen Gedichten nicht gern mehr für das Gedicht selbst gebraucht. Daher die Versart, die Art und Weise, wie die langen und kurzen Sylben in einem Verse abwechseln; die jambische, dactylische, trochäische Versart. 2. Die Strophe eines Gedichtes, im gemeinen Leben, und am häufigsten von Liedern, besonders von Kirchenliedern. Ein Vers aus einem Liede, Gesange. 3 Ein kurzer Absatz in einer prosaischen Schrift, doch nur von solchen Absätzen in der Bibel, wo die Kapitel in Verse getheilet werden, vermuthlich zur Nachahmung der Strophen eines Gedichtes.

Anm. Dieses Wort ist schon sehr frühe aus dem Latein. Versus entlehnet worden, indem schon Kero Fers und Vers für ein Gedicht gebraucht. Das Latein. Versus stammet von vertere her, vermuthlich, weil nach Endigung einer Strophe die Melodie wieder von vorne anfängt, welches bey dem ersten einfachen Zustande der Poesie und Musik ohne Zweifel auch von den einzelnen Zeilen galt. In den gemeinen Mundarten wird das s mit dem widerwärtigen Zischlaute, Versch, gesprochen.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • Vers commun —   [vɛrkɔ mœ̃; französisch »gewöhnlicher Vers«] der, / s, jambische Zehn oder Elfsilbler (mit männlichem beziehungsweise weiblichem Reim) mit fester Zäsur nach der vierten Silbe. In Frankreich war der Vers commun beliebtester Vers der Chanson de… …   Universal-Lexikon

  • Vers libre —   [vɛr libr; französisch »freier Vers«] der, / s, 1) im 17. Jahrhundert in Frankreich entwickelter metrischer, reimender Vers von beliebiger Silbenzahl und mit freier Hiatus und Zäsurgestaltung; er war im 17. und 18. Jahrhundert in Lyrik, Drama… …   Universal-Lexikon

  • Vers commun — Vers com|mun [...kɔ mœ̃] der; , s [...kɔ mœ̃] <aus fr. vers commun, eigtl. »gewöhnlicher Vers«> gereimter jambischer Zehnsilber (beliebter Vers der franz. Dichtung) …   Das große Fremdwörterbuch

  • Vers — der; es, e <aus lat. versus, eigtl. »das Umwenden (der Erde durch den Pflug u. die dadurch entstandene Furche)«, substantiviertes Part. Perf. von vertere »wenden, drehen«>: 1. durch Metrum, Rhythmus, Zäsuren gegliederte, eine bestimmte… …   Das große Fremdwörterbuch

  • Vers — [Gedicht]zeile, Strophenzeile. * * * Vers: I.Vers,der:1.〈Gedichtzeile〉Verszeile+Zeile–2.sichkeinenV.machenkönnen|auf|:⇨erklären(I,4) II.Verse(Pl):1.⇨Gedicht(1)–2.V.machen/schmieden,inV.bringen/setzen:⇨2dichten(1,b) Vers 1.Strophenzeile;fälschlich …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Vers commun — Der Vers commun (frz. gemeiner , allgemeiner Vers ) ist neben dem Achtsilber und dem vom 16. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts dominierenden Alexandriner das im Französischen gebräuchlichste Versmaß. Der Vers commun ist nach den Regeln der… …   Deutsch Wikipedia

  • Der Herr ist mein Hirte — Der 23. Psalm, auch als Hirtenpsalm oder Psalm vom guten Hirten bezeichnet, gehört zu den bekanntesten Bibeltexten. Obwohl seine Bilder in der altorientalischen Viehzüchtergesellschaft wurzeln, vermag er offensichtlich auch heutige Menschen… …   Deutsch Wikipedia

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