Verschneiden


Verschneiden

Verschneiden, verb. irregul. act. S. Schneiden. 1. Als ein Material zum Schneiden gebrauchen, besonders an einigen Orten von solchen Krämern, welche allerley Zeuge einzeln oder Ellenweise verkaufen, wofür doch im Hochdeutschen ausschneiden üblicher ist. 2. Durch Schneiden alle machen. Der Schneider hat alles Tuch, der Häckselschneider alles Stroh verschnitten. Viel Brot verschneiden. 3. Durch Schneiden verunstalten; eine nur noch hin und wieder übliche Bedeutung. Vielleicht gehöret dahin auch der Niedersächsische Gebrauch, wo den Wein verschneiden, so viel ist, als ihn verfälschen, schlechten unter den guten mengen. 4. Durch Schneiden an der Länge etwas abnehmen. Sich die Nägel, die Haare verschneiden. Sie sollen die Haare umher verschneiden, Ezech. 44, 20. Dein Nabel ist nicht verschnitten, Kap. 16, 4. Die Äste verschneiden. Einem Huhne die Flügel verschneiden. In den meisten dieser und ähnlicher Fälle ist dafür im Hochdeutschen beschneiden üblich. Bey den Metallarbeitern, z.B. den Gelbgießern, Goldschmieden u.s.f. ist verschneiden in engerer Bedeutung, einer gegossenen oder getriebenen Figur mit dem Grabstichel nachhelfen, alle hervor ragende fehlerhafte Theile mit dem Grabstichel wegnehmen. 5. Ein Thier männlichen Geschlechtes seiner Mannheit berauben, entmannen, als eine Figur der vorigen, vielleicht auch der dritten Bedeutung; oft nur schneiden schlechthin. Es sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten sind, und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben Matth. 19, 12. Daher ein Verschnittener, eine ihrer Mannheit beraubte Person männlichen Geschlechtes, wofür von Sängern dieser Art das Ital. Castrat üblicher ist. S. Castrieren und Castrat, wo verschiedene theils veraltete, theils nur noch in den Provinzen übliche gleich bedeutende Wörter angefüret werden, welchen man noch das Oßnabrückische roolsinken beyfügen kann, wo ein Castrat oder Verschnittener auch Kerl genannt wird, ganz wider die gewöhnliche und eigentliche Bedeutung dieses Wortes.

So auch das Verschneiden und in einigen Fällen die Verschneidung.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • verschneiden — V. (Oberstufe) einen Fehler beim Schneiden des Kopfhaars einer anderen Person machen Beispiele: Der Friseur hat ihr die Haare verschnitten und jetzt sieht sie ein bisschen seltsam aus. Ich wollte meine Haare um ein paar Zentimeter kürzen, aber… …   Extremes Deutsch

  • Verschneiden — Verschneiden, 1) so v. w. beschneiden 2); 2) so v. w. Castriren; 3) (Gelbgießer), die Gußstücke mit dem Grabstichel ausputzen; 4) den Wein mit einer andern Sorte vermischen u. so verbessern, od. verschlechtern …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Verschneiden — Verschneiden, das Anbringen von Verzierungen an broncenen Geschützen, da wo die verschiedenen äußeren Theile anfangen; sie bestehen aus den Friesen, Rundstäbchen, dem Plättchen u. Karnies …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Verschneiden — Verschneiden, das Kastrieren der Haustiere (s. Kastration); das Mischen verschiedener Weinsorten, um dieselben mundgerecht zu machen, auch das Versetzen der Weine mit Spiritus …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Verschneiden — Verschneiden, s. castriren; Wein mit einer andern Sorte mischen …   Herders Conversations-Lexikon

  • verschneiden — verschneiden:1.〈einemTierdieKeimdrüsenentfernen〉kastrieren;auch⇨sterilisieren(1,a)–2.⇨beschneiden(1)–3.⇨mischen …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • verschneiden — ↑kastrieren …   Das große Fremdwörterbuch

  • verschneiden — verschneiden, Verschnitt, Verschnittener ↑ schneiden …   Das Herkunftswörterbuch

  • verschneiden — ver·schnei·den; verschnitt, hat verschnitten; [Vt] 1 <Büsche, Sträucher, eine Hecke o.Ä.> verschneiden Büsche, Sträucher usw ↑beschneiden (1) 2 etwas verschneiden etwas so falsch zuschneiden, dass man es nicht mehr verwenden kann <ein… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • verschneiden — ver|schnei|den 〈V. tr. 224; hat〉 1. beschneiden, stutzen (Hecke, Bäume) 2. falsch zuschneiden (Stoff) 3. kastrieren (Menschen, Tiere) 4. zweckmäßig vermischen (Branntwein, Rum) ● sich die Finger , Fußnägel ver …   Universal-Lexikon


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