Versehren


Versehren

Versehren, verb. regul. act. durch Trennung des Zusammenhanges, besonders der äußern Theile, unvollkommener machen, wie verletzen, und von thierischen Körpern verwunden. Ir vil froelich stenden ougen diu hant so verseret mich vil fenden man, Heinr. von Frauenberg. Wan diu mir kunde das herze also verseren, Graf Rud. von Neuenburg. Jetzt gebraucht man es nur noch entweder in ganz allgemeinem Verstande, ohne den Grad der Verletzung zu bezeichnen, oder, und zwar am häufigsten, von geringen Beschädigungen oder Verletzungen. Die Mäntel waren nicht versehrt, Dan. 3, 27. Sich die Hand versehren, durch eine Streif- oder andere leichte Wunde. Im Feuer unversehrt bleiben. So auch die Versehrung. Ehedem wurde es auch figürlich für beleidigen gebraucht, welche Bedeutung in einigen Oberdeutschen Gegenden noch gangbar ist.


Auf daß ich nichts begehe wider Pflicht,

Noch möge dich mit Übelthat versehren,

Opitz.


Daß ihr versuchendes Gelüsten

Im öden Orte (in der Wüßte) Gott versehrt,

Opitz.


Anm. Es ist ein altes Wort, welches bey dem Ottfried auch firzaren lautet, und daselbst zerreißen bedeutet, S. auch Verzehren. Da das einfache sehren ehedem sehr häufig für versehren gebraucht wurde, und in den gemeinen Mundarten Ober- und Nieder-Deutschlandes noch gangbar ist, so erhellet daraus, daß ver hier eine bloße Intension bezeichnet. Seragaz herza, ein verwundetes Herz, Ottfr. Im Nieders. ist seren und serigen, noch verletzen, beschädigen, Schmerzen erwecken. Eben daselbst ist Seer, Serede, Serigheit, Seringe, sowohl Verletzung, Ausschlag, Grind u.s.f. als auch dessen Wirkung, der Schmerz, bey allen alten Oberdeutschen Schriftstellern gleichfalls Ser, Seru, im Schwed. Sär, Angels. Sar; Hartseer, Herzleid, serig, verletzt, serlig, bey dem Ottfried schmerzlich, in Oberschwaben ser u.s.f. Unsere Partikel sehr ist eine Figur davon, S. dieselbe, ingleichen Dorn. Das ציר, ängsten, scheint damit nahe verwandt zu seyn.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • versehren — versehren:⇨verletzen(I,1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • versehren — Vsw erw. obs. (9. Jh.), mhd. (ver)sēren, mndl. beseren Schmerz verursachen Stammwort. Zu mhd. sēr, ahd. sēr Schmerz . Vor allem in dem erstarrten Partizip versehrt. Zur Herkunft s. sehr. Zur Entlehnung ins Finnische LÄGLOS (1991), 132f. deutsch s …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • versehren — (veraltet für:) »verletzen, beschädigen«: Mhd. versēren »verletzen, verwunden« ist eine verstärkende Präfixbildung zu dem im Nhd. untergegangenen Verb mhd. sēren »verwunden«, das von dem Substantiv mhd., ahd. sēr »Schmerz« abgeleitet ist (vgl …   Das Herkunftswörterbuch

  • versehren — ver|seh|ren 〈V. tr.; hat; geh.〉 verletzen, beschädigen * * * ver|seh|ren <sw. V.; hat [mhd. versēren, zu ↑ sehren u. eigtl. = Schmerz verursachen] (geh.): verletzen, beschädigen: jmdn. v.; versehrte Körperteile. * * * ver|seh|ren <sw. V.;… …   Universal-Lexikon

  • versehren — ver|seh|ren (veraltet für verletzen, beschädigen); versehrt …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Versehrter — versehren (veraltet für:) »verletzen, beschädigen«: Mhd. versēren »verletzen, verwunden« ist eine verstärkende Präfixbildung zu dem im Nhd. untergegangenen Verb mhd. sēren »verwunden«, das von dem Substantiv mhd., ahd. sēr »Schmerz« abgeleitet …   Das Herkunftswörterbuch

  • sairjan — *sairjan germ., schwach. Verb: nhd. verwunden, versehren, verletzen; ne. injure, hurt (Verb); Rekontruktionsbasis: an., afries., as., ahd.; Hinweis: s. *saira (Adjektiv); Etymologie …   Germanisches Wörterbuch

  • sehren — seh|ren 〈V. tr.; hat; veraltet; noch regional〉 verletzen, verwunden, beschädigen [<mhd. seren „verletzen“, meist durch versehren ersetzt; → sehr] * * * seh|ren <sw. V.; hat [mhd. sēren, zu: sēr, ↑ sehr] (veraltet, noch landsch.) …   Universal-Lexikon

  • sairōn — *sairōn germ., schwach. Verb: nhd. verwunden, versehren, verletzen; ne. injure, hurt (Verb); Rekontruktionsbasis: afries., ahd.; Hinweis: s. *saira (Adjektiv); Etymologie: s. ing …   Germanisches Wörterbuch

  • sehr — ungemein; außergewöhnlich; außerordentlich; sonderlich; massiv; stark; ausgesprochen; äußerst; zutiefst; überaus; enorm; besonders …   Universal-Lexikon


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