Verzeihen


Verzeihen

Verzeihen, verb. irreg. act. S. Zeihen, welches in verschiedenen Bedeutungen vorkommt. 1. * Versagen, denegare, eine längst veraltete Bedeutung, in welcher farzihan schon bey dem Kero vorkommt. 2. Sich förmlich begeben, als ein Reciprocum mit der zweyten Endung der Sache; darauf renuncieren. Sich eines Dinges verzeihen, sich desselben förmlich begeben, allem Rechte, allen Ansprüchen darauf entsagen. Sich verzigen haben irs gutes, im Schwabenspiegel.


E ich mich ir verzige, ich verzige mich e der crone,

Kaiser Heinr.


In dieser Bedeutung ist es zwar noch nicht eigentlich veraltet; indessen ist doch die R.A. Verzicht auf etwas leisten, gangbarer, als das bloße Zeitwort. Siehe dieses Hauptwort. In noch weiterm Verstande bedeutete es ehedem im Niedersächsischen abstellen, unterlassen überhaupt. 3. Den Unwillen gegen jemanden wegen einer Beleidigung, mit Erlassung der Schuld und Strafe derselben, fahren lassen, wo es, besonders in der edlen Schreibart, für das im gemeinen Leben üblichere vergeben gebraucht wird. Es wird, so wie dieses, mit der dritten Endung der Person und der vierten der Sache verbunden. Einem etwas verzeihen. Ich habe es ihm schon verziehen. Verzeihen sie mir meine Unvorsichtigkeit. In weiterer Bedeutung auch alles Mißvergnügen über etwas fahren lassen, ingleichen nicht übel nehmen, nicht tadeln. Verzeihen sie der Natur, die einem Wurme ein schöner Kleid gab, als die feinste Kunst ihnen nicht geben kann, Geßn. In der höhern Schreibart wird es zuweilen mit der dritten Endung der Sache, und mit Verschweigung der Person gebraucht, die alsdann durch jene vertreten wird. Verzeihen sie einem Bekenntnisse, das ich nicht länger zurück halten kann, Weiße. Verzeihen sie diesen schnellen Aufwallungen einer beleidigten Ehre, von Brawe.

So auch die Verzeihung. Jemanden Verzeihung widerfahren lassen. Jemanden um Verzeihung bitten, oder bey jemanden um Verzeihung bitten.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • verzeihen — V. (Mittelstufe) jmdm. etw. nicht übel nehmen, jmdm. vergeben Beispiele: Den Seitensprung hat sie ihm nie verziehen. Verzeihen Sie bitte! Er konnte es sich nicht verzeihen, dass er bei der Prüfung durchgefallen ist …   Extremes Deutsch

  • verzeihen — Vst. std. (9. Jh.), mhd. verzī(h)en, ahd. firzīhan, mndd. vortien, vortig(g)en Stammwort. Präfigierung zu zeihen anklagen mit der Funktion des Gegensatzes, also etwa nicht für sich beanspruchen . Diese allgemeine Bedeutung zeigt sich noch in… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • verzeihen — ↑ zeihen …   Das Herkunftswörterbuch

  • verzeihen — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • vergeben Bsp.: • Verzeih, dass ich zu spät komme! …   Deutsch Wörterbuch

  • verzeihen — vergeben; begnadigen; amnestieren; exkulpieren (fachsprachlich); nachsehen; entschuldigen * * * ver|zei|hen [fɛɐ̯ ts̮ai̮ən], verzieh, verziehen <tr.; hat: (ein Unrecht, eine Kränkung o. Ä.) nicht zum Anlass für eine heftige Reaktion, eine… …   Universal-Lexikon

  • verzeihen — ver·zei·hen; verzieh, hat verziehen; [Vt/i] (jemandem) (etwas) verzeihen ≈ jemandem (etwas) ↑vergeben (1): jemandem eine Beleidigung verzeihen; Ich werde ihm nie verzeihen, dass er mich mit einer anderen Frau betrogen hat; Man muss auch mal… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Verzeihen — 1. Andern soll man viel, sich selber nichts verzeihen. Die Chinesen: Man verzeiht dem alles, der sich nichts verzeiht. (Cibot, 174.) Lat.: Ignoscas aliis multa, sed nihil tibi. (Philippi, I, 186.) 2. Ein klein verzeihen bringt gross Gedeyen. –… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • verzeihen — durchgehen lassen, entschuldigen, freisprechen, lossprechen, nachsehen, nicht nachtragen, nicht übel nehmen/verübeln, rechtfertigen, Verständnis zeigen; (geh.): ledig sprechen von, vergeben; (ugs.): ein Auge/beide Augen zudrücken, nicht… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • verzeihen — ver|zei|hen ; sie hat ihm verziehen …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Verzeihen Sie das harte Wort! —   Diese Floskel, mit der man den Gebrauch eines sehr deutlichen, vielleicht kränkenden Ausdrucks abzumildern versucht, ist wohl durch die Berichte des fiktiven Zeitungskorrespondenten Wippchen besonders populär geworden. Dessen Erfinder, Julius… …   Universal-Lexikon


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