Wünschen


Wünschen

Wünschen, verb. regul. act. ein bestimmtes Verlangen nach einem künftigen Gute hegen und äußern. Sowohl mit dem Accusativ der Sache, und dem Dativ der Person. Einem alles Gutes wünschen. Sich den Tod wünschen. Das ist ein Mann, wie ich mir ihn wünsche. Einem Glück wünschen, ihm Glück auf die Reise, oder zur Reise wünschen. Sich reich, gelehrt, wünschen. Der Menschenfreund wünschet alle glücklich. Seine so lange-gewünschte Ankunft. Als auch mit daß. Ich wünsche nicht, daß es geschehe. Und, obgleich seltener, mit dem Accusative und Infinitive. Ich wünsche, ihn kennen zu lernen, ihn nie wieder zu sehen. So auch das Wünschen. Das Substantiv, die Wünschung, ist nur in Zusammensetzungen üblich.

Anm. Schon bey dem Ottfried wunsgan, im Schwed. önska, im Engl. to wish, im Böhmischen winssowati. Die eigentliche Bedeutung des Wortes ist dunkel, obgleich nicht dessen Form und Abstammung. Aus dem sch erhellet, daß es abgeleitet ist, und daß es nur auf die Sylbe wun, oder wün ankommt. Vielleicht ist es eben dieselbe, welche in dem Intensivo Wonne, oder dem Schwed. ähnlichen Intensivo unna, verlangen, begehren, zum Grunde liegt, und vielleicht eine alte Interjection des Verlangens gewesen ist. Im Oberdeutschen hat dieses Verbum noch ein irreguläres Participium, gewunschen, für gewünscht.

Wünschen, verlangen, begehren, mögen u.s.f. bezeichnen einerley Hauptbegriff mit verschiedenen Nebenbegriffen. In Ansehung des ersten sind sie Synonymen; in Ansehung der letztern aber nicht. Diese Nebenbegriffe haben aber immer ihren Grund in dem Baue und der Abstammung eines Wortes, daher die Unterschiede zwischen so genannten Synonymen sich ohne Rücksicht auf diese nie genau bestimmen lassen. Es erhellet daraus zugleich, daß, wenn der Bau eines Wortes, oder die eigentliche Bedeutung der Wurzelsylbe dunkel ist, auch der Unterschied schwer, und oft gar nicht zu bestimmen ist. Wünschen ist zum Theil in diesem Falle. Zwar scheinet es vermöge des sch ein Intensivum oder Iterativum zu seyn, welches ich durch den Beysatz eines bestimmten Verlangens auszudrucken gesucht; allein die Wurzelsylbe ist doch dunkel. Verlangen ist ein tropischer Ausdruck, der von dem Ausstrecken der Hand oder der Arme nach dem verlangten Gegenstande hergenommen ist. Begehren, oder vielmehr dessen Wurzel ger, ist eine Onomatopöie, wie noch mehr aus dem Intensivo girren erhellet; daher ist es auch von einem weit eingeschränktern Gebrauche, ob man es gleich in der neuern Philosophie als einen allgemeinen Ausdruck des Hauptbegriffes gebraucht hat, wozu es mir doch nicht schicklich zu seyn scheinet. Die Onomatopöie schließt immer etwas sinnliches mit ein.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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  • wünschen — [Wichtig (Rating 3200 5600)] Auch: • sich wünschen Bsp.: • Ich wünsche Dir alles Gute. • Ich wünschte ich könnte mit dir in den Urlaub fahren …   Deutsch Wörterbuch

  • wünschen — V. (Grundstufe) einen bestimmten Wunsch haben Beispiele: Seine Tochter wünschte sich zu Weihnachten einen Computer. Der Direktor wünscht, dass die Termine eingehalten werden …   Extremes Deutsch

  • wünschen — wünschen, wünscht, wünschte, hat gewünscht 1. Ich wünsche Ihnen alles Gute. 2. Was wünschst du dir zum Geburtstag? 3. Wünsch mir Glück! …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • wünschen — hoffen; verlangen; fordern; begehren; erbitten; wollen; sein Herz an etwas hängen (umgangssprachlich); ausbitten; ersehnen * * * wün|schen [ vʏnʃn̩] <tr.; …   Universal-Lexikon

  • Wünschen — 1. Die viel wünschen, sein gerne reich, das glaubt gewisslich alle gleich. Lat.: Crede, que optantes sunt diuitias cumulantes. (Loci comm., 148.) 2. Die viel wünschen, werden gern reich. – Franck, II, 169b; Lehmann, II, 72, 72; 852, 347. Bei… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • wünschen — wụ̈n·schen; wünschte, hat gewünscht; [Vt] 1 sich (Dat) etwas (von jemandem) (zu etwas) wünschen den Wunsch haben (und meist auch aussprechen), dass man etwas bekommen könnte: sich von den Eltern ein Buch zum Geburtstag wünschen; sich etwas zu… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • wünschen — 1. anstreben, anvisieren, beabsichtigen, brennen, den Wunsch haben, [sich] erhoffen, erpicht sein, erstreben, sich erträumen, fiebern, herbeisehnen, Sehnsucht haben, streben, träumen, versessen sein, wollen, sich zum Ziel setzen; (geh.): begehren …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • wünschen — wünschenv ichwünsch dirwas=ichwünschedirgutenAppetit.1900ff …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • wünschen — wụ̈n|schen ; du wünschst …   Die deutsche Rechtschreibung


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