Wachholder, der


Wachholder, der

Der Wáchholder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. der Nahme einer Art Nadelholzes, so gemeiniglich als ein Strauch, zuweilen aber auch als ein Baum, wächset, und gewürzartige Beeren trägt, Iuniperus Linn. Daher der Wachholderbaum und der Wachholderstrauch, nachdem dieses Gewächs den Wuchs eines Baumes oder eines Strauches hat, obgleich für beyde auch nur Wachholder schlechthin üblich ist; die Wachholderbeere, das Wachholderöhl, das Öhl der Beeren; der Wachholdersaft, zu einem Muße eingekochte Wachholderbeeren; der Wachholderwein und Wachholderbrantwein; die Wachholderdrossel, der Krammetsvogel, s. dieses Wort. Das Wachholderharz oder Sandarach, s. dieses Wort.

Anm. Der Nahme dieses Gewächses ist zusammengesetzt. Die letzte Hälfte Holder ist bekannt; es fragt sich nur, warum man gerade dieses Gewächs zu den Holdern gerechnet, (s. Holunder,) indem Holder eigentlich einen hohlen Baum, oder einen Baum mit einer weiten Markröhre bedeutet, dergleichen sich, soviel ich weiß an dem Wachholder nicht befindet? Die erste Hälfte ist unstreitig unser wach in der ältesten weitern Bedeutung, für lebhaft, lebendig, weil dieses Gewächs seine Nadeln nie verlieret, sondern das ganze Jahr hindurch grün bleibt, daher es unnöthig ist, mit Frischen das Wort von Queckholder abzuleiten, welchen Nahmen dieses Gewächs in andern Gegenden hat, und eine Verwandlung des q in das w anzunehmen. Wach und queck sind ursprünglich gleichbedeutend, folglich auch Wachholder und Queckholder. Da Holder, vollständiger Hohlunder, als eine Zusammensetzung von hohl und dem veralteten Der, Dru, Engl. tree, ein Baum, männlichen Geschlechts ist, so ist es auch der Wachholder, obgleich Luther es 1 Kön. 19, 4. 5 weiblich gebraucht, die Wachholder.

Es ist merkwürdig, das dieses Gewächs in den Deutschen Provinzen so verschiedene Nahmen hat, welche schwer zu erklären sind, und folglich von ihrem hohen Alterthume zeugen. In der Schweiz heißt es Reckholder, wo reck, als ein Intensivum von regen, mit wach und queck gleichbedeutend seyn kann; in Baiern und andern Oberdeutschen Gegenden Kronawet, Krammel, Krammetsbaum, S. dieses Wort; in Schlesien Jachantel; im Bremischen und Osnabrückischen Wachandel; in dem letztern Lande auch Quäkelbusch, welches mit Queckholder gleichbedeutend ist; in Pommern Kuirk, vermuthlich von dem Knirren und Prasseln, welches die dürren Zweige mit ihren Nadeln im Brennen machen; in Liefland und Preussen Kaddich, Kattich; in andern Gegenden Duxenbaum u.s.f.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Wachholder — ist der Ortsname von Wachholder (Küps), Ortsteil des Marktes Küps, Landkreis Kronach, Bayern Wachholder (Mainleus), Ortsteil des Marktes Mainleus, Landkreis Kulmbach, Bayern Siehe auch: Wacholder …   Deutsch Wikipedia

  • Wachholder — Wachholder, 1) die Pflanzengattung Juniperus, s.d.; 2) Gemeiner W. (Wachholderstrauch, Kaddig, Juniperus communis), sehr häufig auf dürren Bergen vorkommender Strauch, oft baumartig (dann Wachholderbaum), mit zu drei stehenden steifen, stechenden …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wachholder — Wacholder Die Pflanze Wacholder wurde im Althochdeutschen als wechalter , im Mittelhochdeutschen als wecholter bezeichnet. Der erste Bestandteil des Wortes ist vermutlich mit dem Verb wickeln verwandt und bezieht sich somit auf die Zweige des… …   Korrektes Schreiben

  • Krammersbaum, der — Der Krammersbaum, des es, plur. die bäume, eine in einigen Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, übliche Benennung des Wachholders, dessen Beeren daselbst auch Krammersbeeren genannt werden. Vollständiger lautet dieses Wort in Baiern und andern… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Jachhandel, der — Der Jáchhandel, der Wachholder, S. Wachholder …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Hohlunder, der — Der Hohlunder, des s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. 1. Eigentlich, ein Baum, welcher so wohl in Deutschland, als in Japan wild wächset, hohle Zweige und Äste und viele kleine ekelhaft süße schwarze Beeren in großen Trauben… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Krammersvogel, der — Der Krammersvogel, zusammengez. Kramsvogel, des s, plur. die vögel, ein Nahme, welchen verschiedene Arten der Drosseln bekommen, welche sich im Herbste von Krammers oder Wachholderbeeren mästen und alsdann für eine angenehme Speise gehalten… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Reckholder, der — Der Rêckholder, des s, plur. inus. in den gemeinen Sprecharten. 1) Der gemeine Hohlunder, Sambucus nigra L. welcher in manchen Gegenden auch Resken heißt. 2) Der gemeine Wachholder, Juniperus communis L. Daher der Kramsvogel auch in einigen… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Feuerbaum, der — Der Feuerbaum, des es, plur. die bäume. 1) Im gemeinen Leben, ein Baum, welcher nur zu Brennholz tauglich ist. 2) An einigen Orten, eine Benennung des gemeinen Wachholders, vermuthlich, weil er leicht Feuer fängt, wenn er trocken ist; S.… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Jochandel, der — Der Jochándel, S. Wachholder …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.