Alexander Alensis (115)

115Alexander Alensis (Halesius), (20. Oct.) Alexander wurde zu Hales in England geboren, studirte zuerst auf der Universität Oxford und begab sich dann nach Paris, wo er auf der dortigen hohen Schule wegen seiner ausgezeichneten Gelehrsamkeit als ein Wunder seiner Zeit angestaunt wurde und viele Schüler um sich versammelte, unter welchen auch der hl. Thomas von Aquin und der hl. Bonaventura sich befanden. Aus besonderer Verehrung zu Maria hatte er das Gelübde gemacht, jede Bitte zu gewähren, die man ihm im Namen Mariä vorbringen würde. Als dieß die Mönche des Prediger- und Cistercienser-Ordens hörten, schickten sie Abgesandte zu ihm, um ihn für sich zu gewinnen; allein als diese zögerten, ihren Vorsatz auszuführen, voll Verwunderung über die Weisheit des berühmten Lehrers, da trat plötzlich ein »minderer Bruder« mit dem Bettelsacke auf dem Rücken zur Thüre herein, um Almosen für den Convent zu sammeln, und unterbrach die Besprechung mit den Worten: »Ehrwürdiger Magister, da ihr lange genug der Welt gedient habt, und unser Orden bisher noch keinen Magister besitzt, so flehe ich euch an, daß ihr um der Liebe Gottes und seiner jungfräulichen Mutter Maria willen, sowie zu eurem eigenen Seelenheile, den Habit unseres Ordens nehmen wollet.« »Bruder,« sprach Alexander, »ich folge dir alsbald und werde thun, was du begehrst.« Also verließ er die Welt und empfing das Ordenskleid des hl. Franciscus. Als er während des Noviziats hart versucht wurde, den Habit auszuziehen, sah er in der nächsten Nacht im Traume den hl. Franciscus, wie er ein überaus großes schweres Kreuz einen hohen Berg hinaufschleppte. Als ihm der Magister aus Mitleiden helfen wollte, wies ihn der hl. Vater ungehalten zurück, und sprach: »Geh weg, du Armseliger; wenn du nicht einmal ein leichtes Kreuz von Tuch tragen kannst, wie vermöchtest du wohl ein schweres Kreuz von Holz zu tragen?!« Wegen seiner tiefen Gelehrsamkeit und seiner strengen Beweisführung, der Niemand zu widerstehen vermochte, erhielt er den Titel: Doctor irrefragabilis et fons vitae. Bei ihm ereignete sich einst das Wunder, daß die consecrirte Hostie zu bluten begann. Was dieß anbetrifft, so verlangte er, die Sache wissenschaftlich untersuchend, mit Recht, man solle keine Hostie mehr genießen, wenn sich die mystische Verwandlung den Sinnen geoffenbaret habe; denn mit solchen außerordentlichen Offenbarungen bezwecke Gott etwas Anderes als mit dem gewöhnlichen Genusse des hl. Abendmahles. (Menzels Symb. J. 418.) Alexander von Hales starb den 20. October 1245. Sein Leichnam ward in der Kirche seines Ordens zu Paris beigesetzt. (Sz.)



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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