Adalbertus, S. (1)

1S. Adalbertus (Adelbertus), Ep. et M. (23. April). Altd. = durch Adel leuchtend, berühmt etc. – Adalbert, aus einer der edelsten Familien in Böhmen entsprossen, erblickte i. J. 956 das Licht der Welt und erhielt in der hl. Taufe den Namen Woytiech, was in der slavischen Sprache soviel als Heereshülfe bedeutet. Sein Vater hieß Slawnik und war der Sohn eines Grafen von Libyeze; seine Mutter hieß Strezislava. In seiner Kindheit wurde er von einer Krankheit befallen, die ihn an den Rand des Grabes brachte. Seine Eltern machten das Gelübde, ihn für den Dienst des Altars zu erziehen, wenn er wieder genese. Bald darauf wurde er der Leitung des Erzbischofs Adalbert von Magdeburg übergeben, der ihn in den Wissenschaften und Tugenden heranbildete, und ihn so lieb gewann, daß er ihm später in der hl. Firmung seinen eigenen Namen beilegte. Nach dem Tode des Erzbischofs ging Adalbert nach Böhmen zurück und empfing 983 die heil. Weihen aus den Händen des Bischofs Dithmar von Prag, der kurz darauf in Verzweiflung starb. Der schauderhafte Tod dieses Bischofes, den er mit ansah, brachte in Adalbert eine große Aenderung hervor, und war Anlaß, daß er gänzlich mit der Welt brach. Er ward einstimmig zum Nachfolger Dithmars gewählt und am 29. Juni 983 zum Bischof consekrirt. Von dieser Stunde an sah man ihn nicht mehr lachen, und wenn man ihn um die Ursache fragte, gab er zur Antwort: »Sehr leicht ist es eine Bischofsmütze und einen Stab zu tragen; allein es ist etwas erschreckliches, wenn man bedenkt, daß man dem höchsten Richter Rechenschaft von einem Bisthume ablegen muß.« Seinen Einzug hielt er barfuß, wobei ihm das Volk mit Jubel entgegenkam. Als Bischof theilte er seine Einkünfte in vier Theile und behielt nur den vierten für sich und sein Haus. Das Bisthum Prag war damals im erbärmlichsten Zustand, und da er sah, daß alle Mühe vergebens war und er keine Hoffnung habe Gutes zu wirken, reiste er 989 nach Rom und bat sich bei Papst Johannes XV. die Erlaubniß aus, sein Bisthum zu verlassen. Mit seinem Bruder Gaudentius nahm er sofort das Ordenskleid. Fünf Jahre lebte er auf diese Weise, dann kehrte er auf Befehl des Papstes zu seiner Heerde zurück; allein da sie ihr Versprechen, das sie bei seiner Ankunft gemacht, nicht hielten, verließ er sie auf immer und ging in sein Kloster zurück, dessen Prior er wurde. Gregor V., Johann's Nachfolger, sendete ihn abermals nach Prag zurück; allein der grausame Tod seiner Verwandten schreckte ihn von der Rückkehr ab, und er hielt sich daher einige Zeit beim polnischen Herzog Boleslaus auf. Schon auf seiner ersten Heimreise aus Rom hatte er den Ungarn das Evangelium verkündet und selbst den König Stephan getauft; im Jahre 997 begab er sich mit seinen Gefährten Benedikt und Gaudentius nach Preußen, mit dem glücklichsten Erfolg für die Ausbreitung des Glaubens. Von Danzig, das auf seine Predigt fast ganz sich bekehrte, begab er sich auf eine kleine Insel, wo ihn die Heiden mit tausend Unbilden überhäuften. Einer derselben ergriff ihn rückwärts, als er eben den Psalter betete, und versetzte ihm mit einem Ruder einen solch harten Schlag, daß er halbtodt zur Erde niedersank. Er erholte sich zwar wieder und ging an einen andern Ort, wo man ihm aber den Befehl gab, unter Todesstrafe, spätestens am andern Tage sich zu entfernen. Auf dem Wege von da ließ er sich vor Müdigkeit unweit Fischhausen, einem preußischen Städtchen am curischen Haff, fünf Stunden von Königsberg, nieder, um einige Augenblicke auszuruhen. Als dieß die Heiden merkten, fielen sie über ihn her und legten ihn in Bande. Der Götzenpfaff stieß ihm die Lanze in die Brust, sechs andere Heiden versetzten ihm noch jeder einen Lanzenstich, und so vollbrachte er sein glorreiches Marterthum den 23. April 997. Seine Mörder schnitten ihm dann den Kopf vom Rumpfe und steckten ihn auf einen Pfahl. Sein Leib ward durch Boleslaus nach der Abtei Tremezno, ein Jahr später nach Gnesen gebracht, wo ihn Gott durch eine Menge Wunder verherrlichte und wo – wie überhaupt in Polen, das ihn als einen Patron verehrt – am 20. Okt. auch noch das Fest seiner Uebertragung gefeiert wird. Man nennt ihn den Apostel der Preußen, obwohl er nur in Danzig gepredigt hat. – Der hl. Adalbert wird gewöhnlich als Bischof dargestellt, eine Keule und Lanze tragend. Keule bedeutet in der Regel den Martertod von der Hand der Heiden oder von einem Unbekannten, im Gegensatz von Dolch (Meuchelmord) u. Schwert (Tod durch Richterspruch). Der hl. Adalbert predigte einst aufmerksam zuhörenden Rindern, und erbat, auf einem Berge stehend, fruchtbaren Regensürdas dürre Land.



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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