Engelbertus, S. (1)

Engelbertus, S. (1)

1S. Engelbertus, Ep. M. (7. Nov.) Vom Altd. Engilbert = prächtiger Jüngling, Diener etc. – Dieser hl. Engelbert war von edler Abkunft. Graf Engelbert von Berg war sein Vater, die Mutter aus dem Geschlechte der Grafen von Geldern. Der talentreiche fromme Knabe wurde von seinen Eltern frühzeitig zum geistlichen Stande bestimmt, und erhielt durch ihr Verwenden reiche Pfründen, blieb aber auch durch Gottes Beistand mitten in drohender Gefahr untadeligen Charakters. Er wurde Großpropst der Kirche von Köln, und nachdem er das Bisthum Münster schon abgelehnt und durch seine Klugheit im damaligen Kaiseestreit sich die Gunst des Papstes erworben hatte, zum Erzbischof gewählt, und im J. 1215 geweiht. Als solcher suchte er mit allem Eifer zu thun, was seines Amtes war, welcher Eifer ihn aber auch das Leben kostete. Graf Friedrich von Isenburg hatte sich nämlich zum Schutzherrn des Frauenklosters Essen aufgeworfen, wohl in keiner andern Absicht, als nach und nach das Haus zu plündern. Stets brachten die Klosterfrauen ihre Klagen bei dem Erzbischofe von Köln an; Engelbert aber wollte anfänglich, vielleicht weil der Graf sein Verwandter war, nicht kräftig einschreiten. Die Sache wurde bei Papst und Kaiser anhängig, und der Erzbischof erhielt gemessenen Befehl, den Ungerechtigkeiten dieses Klosterschutzherrn zu steuern und ihn nach Umständen sogar abzusetzen. Engelbert versuchte zuerst den Weg der Güte, machte aber alsbald, wie er seine Bemühungen fruchtlos sah, den Grafen mit seinem erhaltenen Auftrag bekannt. Darüber gerieth Graf von Isenburg in Wuth, und sein Entschluß, den Erzbischof aus dem Wege zu räumen, war fertig. Er erschien zwar auf Einladung des Erzbischofs noch zu Zoest (Soest) in Westphalen, um sich mit diesem zu vergleichen, und heuchelte hier die friedlichsten Absichten. Man warnte den wohlmeinendea Engelbert vor der ihm drohenden Gefahr; allein er ließ sich nicht abschrecken. Am andern Morgen legte er eine allgemeine Lebens-Beichte ab, um auf die Sterbestunde bereit zu seyn, falls sie schon so nahe wäre, und reiste ab. Alles ging dem äußern Scheine nach gut; man versprach sich sogar, einander auf dem Reichstage zu Nürnberg zu sehen. Friedrich wußte, daß der Erzbischof andern Tags eine Kirche in Schwelm weihen wolle. Er stellte daher Meuchler an den Weg, wo Engelbert vorbeigehen mußte. Diese fielen bei Gevelsberg über ihn her, und bedeckten ihn mit Wunden, an welchen er, seine Feinde segnend, am 7. Nov. 1225 starb. Ueber dem Orte seines Todes erhob sich nachher ein Kloster; sein Leib aber ruht in der Kirche St. Peter in Köln, und wurde sein Grab durch Wunder verherrlicht. Sein intellectueller Mörder, der Isenburger, fand ein Jahr darauf den 18. Nov. 1226 zu Köln seinen Tod durch das Rad. – Noch muß Folgendes angemerkt werden. Im J. 1818 erschien von einem preußischen Beamten, Namens Rautert, eine sogenannte Legende »der Isenberg«, in welcher unserem Erzbischof Engelbert die gräßlichsten Laster zugeschrieben wurden. Das katholische Volk nahm Aergerniß daran, und die Geistlichkeit von Essen trug bei dem Criminalsenat von Cleve auf Confiscation der erwähnten Schrift an, aber erfolglos. Hierauf glaubte sie nichts anderes mehr schuldig zu seyn, als eine schriftliche Beleuchtung jener Legende als Widerlegung unter das Volk zu geben. Der Verfasser der Legende aber fand sich in dieser Widerlegung injurirt und stellte Klage beim ersten Civilsenat des Oberlandesgerichtes zu Cleve gegen die Geistlichen von Essen. Dieser fand die Klage gegründet und verurtheilte die Geistlichkeit zu einer achttägigen Gefängnißstrafe oder zu 10 Thalern Geldbuße, mit Untersagung, ferner zu appelliren. Sie wählte die erste Strafe. Ehe sie aber von ihr angetreten wurde, kam, da der Unwille des Volkes über eine so schmähliche Behandlung laut geworden war, von Cleve die Erlaubniß, die Appellation ergreifen zu dürfen. Sie wurde wirklich beim zweiten venat eingelegt. Im September 1819 erfolgte das Urtheil, in welchem es heißt: »Daß das mit dem Namen ›Legende‹ sich unrichtig bezeichnende Gedicht ›der Isenberg‹ das Product eines unbewachten Augenblickes sei, daß es ohne alle Umsicht, ohne alle Berechnung der möglichst unangenehmen, selbst höchst nachtheiligen Folgen niedergeschrieben, von aller historischen Wahrheit entblößt, und nicht mit der Schonung und demjenigen Zartgefühl behandelt sei, wie es der Gegenstand in so mannigfacher Beziehung verdient habe.« (Literaturzeitung für kathol. Religionslehrer, Jahrg. 1819, Juliheft S. 129, und Jahrg. 1820, Febr. S. 209.) – Des hl. Engelbert gedenkt auch das Mart. Rom. am 7. November. Die Kunst stellt ihn einfach als Bischof dar, oder als Bischof mit Pallium und einem Buche, über ihm in Strahlen die Worte: »Dimitte illis etc.« (»Vergib ihnen etc.«), welche er bei seinem Tode betete. Da er Erzieher des Sohnes Friedrichs II. war, erblickt man auch neben ihm einen Knaben mit gefalteten Händen. (But. XVI. 268.)



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