Ohio [2]

Ohio (spr. o-hāio, abgekürzt O.), einer der wichtigsten Staaten der nordamerikan. Union (s. Karte »Vereinigte Staaten«), zwischen 38°27´-41°57´ nördl. Br. und 80°34´-84°49´ westl. L., im SO. und S. auf 700 km langer Strecke vom Ohiostrom umflossen, im N. vom Eriesee auf 370 km bespült, von Pennsylvanien, Westvirginia, Kentucky, Indiana, Michigan und Kanada (Ontario) umgrenzt, enthält 106,340 qkm. O. ist im allgemeinen eine flachwellige, gegen SW. geneigte Ebene, die an der Mündung des Miami 120 m, bei Akron (im NO.) 420 m ü. M. liegt und deren Boden im Osten aus Schichten der Steinkohlenformation, mit 30,000 qkm Anteil am großen appalachischen Kohlenfeld, im W. aus devonischen und silurischen Schichten besteht, die besonders im N. von glazialem Geschiebemergel überdeckt sind. Den obern Ohio begleiten teilweise steile Kalksteinwände. Sehr fruchtbar sind die Stromniederungen (»Bottoms«). Der Ohio nimmt aus Osten den Muskingum, den Scioto, den Großen und Kleinen Miami auf. In den Eriesee ergießen sich der Maumee, Sandusky, Cuyahoga und Chagrin. Auf das Klima üben die großen Seen einen merklichen Einfluß, indem sie namentlich die Sommerhitze mildern. Die Mitteltemperatur des Jahres beträgt in Cincinnati 12,8°, des Juli 25,2°, des Januar 0,8°, in Cleveland 9,4, bez. 21,9, bez. -3,2°, die Niederschlagsmenge in Cincinnati 1052, in Cleveland 907 mm. Sommerliche Hitzeperioden, bei denen das Thermometer täglich auf 32–38° steigt, dauern in Cincinnati bisweilen mehrere Wochen. Ursprünglich bedeckte den größten Teil des Landes schöner Laubwald aus Eichen, Hickory- und Walnußbäumen, Roßkastanien, Ahornen, Platanen, Pappeln, Eschen, Linden etc., den aber auf dem sandigen Boden, namentlich im mittlern Teil ausgedehnte Prärien durchsetzten. An wirtschaftlichen Hilfsquellen ist O. sehr reich. Sowohl hinsichtlich des Ackerbaues als auch der Viehzucht steht es in der vordersten Reihe der Unionsstaaten. 1900 zählte es 276,719 Farmen mit 9,8 Mill. Hektar roher und 7,7 Mill. Hektar kultivierter Landfläche, wovon 3,3 Mill. Hektar mit Getreide bestellt waren und 152,055,390 Bushels Mais, 50,376,800 Bushels Weizen und 42,050,910 Bushels Hafer eingebracht wurden. Sehr umfangreich sind auch Tabakbau (von 28,600 Hektar 65,957,100 Pfund), Kartoffelbau (67,000 Hektar, 13,709,238 Bushels), Obstbau (von 12,952,625 Bäumen 20,617,480 Bushels Äpfel) und Weinbau (von 13,772,800 Weinstöcken 79,173,873 Pfund Trauben), letzterer besonders am Eriseeufer. An Vieh gab es 1900: 2,117,925 Rinder, darunter 868,832 Milchkühe, 1,068,170 Pferde, 21,543 Maultiere, 462 Esel, 4,030,021 Schafe und 3,285,789 Schweine. Die Forsten sind stark gelichtet, ergaben aber 1900 noch eine Holzausbeute von 20,790,854 Doll. Die Fischerei steht am Eriesee beträchtlich im Schwange. Die Bergbauförderung ist sehr bedeutend in Kohle (1902: 21,4 Mill. metr. Ton.), Petroleum (1902 aus 42,483 Quellen 21,014,231 Fässer) und Naturgas (1902 aus 1352 Quellen für 2,355,458 Doll.). Auch viel Kalkstein (für 3,2 Mill. Doll.) und Sandstein (2,1 Mill. Doll.) wird gebrochen, während die Eisenerzgewinnung (1889: 254,294 Ton.) zurückgegangen ist. Als Industriestaat steht O. nur New York, Pennsylvanien, Illinois und Massachusetts nach, 1900 mit 32,398 Betrieben, 345,869 Arbeitern und 832,438,113 Doll. Produktionswert und am hervorragendsten in Eisen- und Stahlbereitung (107 Betriebe, 33,677 Arbeiter, 138,935,256 Doll.), Maschinenbau und Gießerei (861 Betriebe, 41,799 Arbeiter, 72,399,632 Doll.), Müllerei (37,390,367 Doll.), Tabakverarbeitung (20,832,629 Doll.), Versandschlächterei (19,609,304 Doll.), Schuhfabrikation (17,920,854 Doll.), Wagenbau (15,919,173 Doll.), Tonwarenindustrie (11,851,225 Doll.), Kleiderverfertigung, Ackergerätfabrikation, Brauerei, Brennerei, Kautschukindustrie etc. Die Eisenbahnen hatten 1902: 14,305 km Länge, die Handelsflotte bestand aus 553 Fahrzeugen von 461,286 Ton. und stand nur der von New York nach. Der Miami-Erie- und Ohiokanal sind mehr und mehr verödet. Die Bevölkerung zählte 1800 erst 45,365,1820 aber 581,295,1840: 1,519,467,1880: 3,198,062 u. 1900: 4,157,545 Seelen. 1900 gab es 2,102,655 Männer, 2,054,890 Frauen, 96,901 Neger und Mulatten, 371 Chinesen, 42 Indianer und 458,734 im Ausland (204,160 in Deutschland, 55,018 in Irland) Geborne. Die öffentlichen Volksschulen hatten 1903: 26,651 Lehrer und 829,620 eingetragene Schüler, die 33 Universitäten und Colleges 1249 Dozenten und 7949 männliche und 3463 weibliche Studierende, darunter die Staatsuniversität in Columbus (145 Dozenten, 1827 Studenten), das Oberlin College (95 Dozenten, 1618 Studenten), die Universität von Cincinnati (145 Dozenten, 1350 Studenten) u.a. Es erscheinen (1904) 1189 Zeitungen. Der Staat unterhält 3 Strafanstalten, 4 Irrenhäuser, eine Besserungsanstalt für Knaben, Anstalten für Blinde, Taubstumme, Soldatenwaisen, Schwachsinnige etc. An der Spitze der Verwaltung steht ein Gouverneur. Die gesetzgebende Gewalt üben ein Senat von 33 und ein Haus der Repräsentanten von 110 Mitgliedern aus, die wie die höchsten Beamten auf zwei Jahre gewählt werden. In den Kongreß der Union entsendet O. 2 Senatoren und 21 Repräsentanten; bei der Präsidentenwahl hat es 23 Stimmen. Der Wert des steuerbaren Eigentums betrug 1902: 1,968,280,000, die öffentliche Schuld 451,665 Doll. Der Staat zerfällt in 88 Grafschaften. Politische Hauptstadt ist Columbus. – O. ist einer der interessantesten Staaten der Union in bezug auf seine vorgeschichtliche Besiedelung. Die erste Niederlassung wurde 1787 an der Mündung des Muskingum in den Ohio zu Marietta, 1789 eine zweite bei dem heutigen Cincinnati gegründet. Dann wurde das Land als Territory Northwest of the O. (s. Nordwestterritorium) organisiert und 1803 als Staat in die Union aufgenommen. Vgl. R. King, O. (in der Sammlung »American common wealths«, Boston 1888); Black, Story of O. (das. 1888); Fowke, Archaeological history of O. (Columbus 1902); Lawyer, History of O. (das. 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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