Abd er Rahmān


Abd er Rahmān

Abd er Rahmān, 1) ibn Abdallah, arab. Feldherr in Spanien, drang 732 mit ungeheurer Heeresmacht in Aquitanien ein, ging über die Garonne und Dordogne, vernichtete das Heer des Herzogs Eudo von Aquitanien, ward aber von Karl Martell, Majordomus der Franken, zwischen Tours und Poitiers geschlagen und fiel im Kampf.

2) A. I., Sohn Muawijas und Enkel des Kalifen Hischam aus dem Geschlechte der Omaijaden, entging beim Sturz dieser Dynastie 750 (s. Kalifen) dem Mordstahl der Abbasiden und entkam unter vielen Gefahren nach Spanien, wo er sich rasch Anhänger erwarb, den ihm widerstrebenden Emir Jusuf und dessen Feldherrn Someil 756 bei Mosara besiegte und das Emirat von Cordoba begründete. Trotzdem er bis an sein Lebensende gefährliche Empörungen niederzuwerfen hatte, vernachlässigte er nicht die Werke des Friedens und begründete die große Moschee in Cordoba. Er starb 788. Er war ein hervorragend begabter und tapferer, wenn auch rücksichtsloser und hinterlistiger Herrscher.

3) A. III. en Nâßir (»der Helfer«), Nachkomme des vorigen. Im Alter von 22 Jahren zur Regierung gekommen (912), wußte er die Bürgerkriege zwischen Arabern, Berbern und Spaniern, die seit langer Zeit Andalusien verwüsteten, durch eine ebenso feste wie versöhnliche Politik zu beendigen, die Grenzen des Reiches gegen die Leonesen, Kastilier und Navarresen zu erweitern und den Einfluß Cordobas in Nordafrika zu vermehren. 929 nahm er den Kalifentitel an. Den materiellen und geistigen Fortschritt des Landes förderte er auf jede Weise, so daß unter ihm und seinen nächsten Nachfolgern das muslimische Spanien das zivilisierteste und bestregierte Land der Welt war. A. starb 961.

4) Sultan von Marokko, geb. 28. Nov. 1778, gest. im August 1859, folgte 1823 seinem Oheim Mulei Soliman. Wegen der Zahlung des Tributs für den Schutz gegen Seeräuberei geriet er mit europäischen Mächten in Streit, zuerst mit Österreich, das ihn 1828 zum Verzicht auf den Tribut zwang. 1844 zog er mit 15,000 Mann Abd el Kader (s. d.) gegen Algerien zu Hilfe. Aber seine Reiter wurden durch Marschall Bugeaud am Isly (14. Aug. 1844) zersprengt, Tanger und Mogador durch den Prinzen von Joinville beschossen. Obwohl darauf unter englischer Vermittelung mit Frankreich Friede geschlossen ward, so dauerte doch die innere Unruhe fort, bis A. 1847 die Kabylen über die Grenze drängte. Sein Nachfolger war sein Sohn Sidi Mohammed.

5) Emir von Afghanistan, Sohn Afsal Chans und Enkel Dost Mohammeds, geb. um 1830 (oder erst 1845), gest. 3. Okt. 1901, kämpfte unter seinem Vater und seinem Oheim Azim Chan mit Glück gegen den rechtmäßigen Emir, Afsals und Azims Bruder Schir Ali, und eroberte 1866 Kabul, wo Afsal die Herrschaft übernahm. Als nach des letztern Tode (1867) Azim von Schir Ali 1868 vertrieben wurde, mußte 1869 auch A. flüchten, von Schir Alis Sohn Jakub Chan geschlagen. Rußland gewährte ihm eine Pension von 25,000 Rubel und wies ihm Samarkand als Wohnsitz an. Als nach Schir Alis Sturz und Tod (1879) der von den Engländern eingesetzte Jakub Chan sich unzuverlässig erwies, rief 22. Juli 1880 Lord Roberts zu Kabul A. zum Emir aus. Obwohl Feind der Engländer, nahm er seit 1880 bedeutende Jahreszahlungen (1,5, nach andern sogar 3,2 Mill. Mk.) aus ihren Händen an und zeigte sich insofern treu, als er Rußlands Gelüsten stets Riegel vorschob. Ejjub Chan, den Sohn Schir Alis, der sich gegen ihn zu erheben versuchte, schlug A. 22. Sept. 1881 und hielt ihn nieder, bis sich Ejjub 1887 den Engländern ergab. Auch Ishak Chan, der von einer kleinen russischen Pension zu Samarkand lebt, und dessen Sohn Ismail Chan hatten mit ihren 1888–90 gemachten und im Herbst 1899 wiederholten Versuchen, ihren Bruder und Oheim A. zu stürzen, keinen Erfolg. A. galt in seinen letzten Jahren als ein Förderer der panislamischen. Bewegung und hat unter Mitarbeit des gelehrten Radschputen Sultan Mohammed Chan, der als Hofmeister 1895 Nasr Ullah nach England begleitete, eine Selbstbiographie verfaßt (pers. Originalhandschrift im Britischen Museum; engl., Lond. 1900. 2 Bde.). Bei seinem Tode hinterließ A. fünf Söhne. Habib Ullah, der sofort die Regierung antrat, Nasr Ullah, Fath Ullah, den zwölfjährigen Mohammed Omar und einen dreijährigen Knaben. Vgl. Wheeler, The ameer Abdur Rahman (Lond. 1895).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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