Saint-Quentin

Saint-Quentin (spr. ßäng-kangtäng), Arrondissementshauptstadt im franz. Depart. Aisne, 75–106 m ü. M., am rechten Ufer der Somme und am Kanal von St.-Quentin, der die Somme mit der Schelde verbindet, Knotenpunkt der Nordbahn, hat eine gotische Kollegiatkirche (13.–16. Jahrh.) mit alter Krypte, eine reformierte Kirche, Synagoge, ein gotisches Stadthaus (1509) mit schöner Fassade, einen neuen Justizpalast, Denkmäler des Malers Latour und des Geschichtschreibers Martin sowie Monumente der Verteidigung der Stadt im J. 1557 (von 1897) und 8. Okt. 1870 (von Barrias, 1881). Die frühern Festungswerke sind in Promenaden umgewandelt. S. zählt (1901) 48,945 (als Gemeinde 50,278) Einw. und besitzt Baumwollspinnereien, Baumwoll- und Schafwollwebereien, Stickereien, Brauereien, Fabrikation von Maschinen, Billards, Wäsche, Strohhüten, Seife, Chemikalien und Zucker sowie Handel mit Getreide, Flachs, Baumwolle, Garn etc. Die Stadt ist Sitz eines Handelsgerichts, hat ein Knaben- und ein Mädchenlyzeum, eine Gewerbe- und eine Zeichenschule, eine Bibliothek von 25,000 Bänden, ein Museum, ein Museum Lécuyer (Gemälde, Skulpturen etc.), eine Handels- und eine Ackerbaukammer, eine Börse und eine Filiale der Bank von Frankreich. – S., früher fälschlich für das alte Samarobriva (s. d.) gehalten, erhielt seinen jetzigen Namen von dem heil. Quintin, der 287 daselbst das Martyrium erlitt, und dessen Gebeine 825 nach S. gebracht wurden. Es wurde Hauptstadt der Grafschaft Vermandois und fiel mit dieser 1215 an die französische Krone. 1557 wurde S., nachdem ein Entsatzheer unter Montmorency 10. Aug. von Egmond geschlagen worden, nach tapferer Verteidigung durch Admiral Coligny 28. Aug. von den Spaniern unter dem Herzog von Savoyen erobert, aber im Frieden 1559 an Frankreich zurückgegeben. Am 12. März 1814 ergab sich die Festung an die Russen. Im Kriege von 1870/71 wurde S. wiederholt von den deutschen Truppen besetzt. Als Faidherbe mit der französischen Nordarmee (22. und 23. Korps) in stärkern Massen gegen S. vorging, warf General v. Goeben, Oberbefehlshaber der ersten deutschen Armee, seine Streitkräfte dem Feinde nach S. entgegen. Bereits 18. Jan. hatte sein linker Flügel ein heftiges Gefecht mit den Franzosen. Faidherbe nahm Stellung westlich und südlich von S., das 23. Korps auf dem rechten, das 22. auf dem linken Flügel. Goeben beschloß, ihn hier am 19. umfassend und energisch anzugreifen, obwohl er nur drei Divisionen zur Verfügung hatte. In siebenstündiger heißer Schlacht wurde der Feind aus allen seinen Positionen vor S. zurückgeworfen, der linke Flügel in die Stadt, der rechte auf die Straße nach Cambrai. Um 6 Uhr gelang es nach Erstürmung des Bahnhofs, von Südosten her in die Stadt selbst einzudringen. Die Schlacht endete mit einer vollständigen Niederlage der Franzosen, die in voller Auflösung nach Cambrai flohen und 10,000 Gefangene sowie 6 Geschütze in den Händen des Siegers ließen. An Toten und Verwundeten verlor die erste Armee 2970 Mann und 94 Offiziere, ungefähr ebensoviel wie die Franzosen. Der Sieg von S. beschloß den gefahrvollen Feldzug der ersten Armee im Norden Frankreichs glänzend. Vgl. Lecocq, Histoire de la ville de S. (St.-Quentin 1875).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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