Systēm


Systēm

Systēm (griech., »das Zusammengestellte«), jede nach einer gewissen regelrechten Ordnung der Teile erfaßte oder von einem bestimmten Gesichtspunkte gegliederte Vereinigung zusammengehörender Einzelheiten zu einem Ganzen. Insbesondere versteht man unter S. eine nach logischen Gesichtspunkten geordnete Mannigfaltigkeit von Begriffen oder Sätzen. Bei erstern kommt es auf die richtige Unter- und Nebenordnung des Einzelnen, durch die eine Klassifikation zustande gebracht wird, bei letztern auf den richtigen Zusammenhang nach Gründen und Folgen an. Obwohl natürlich alle Kunst im Systematisieren den fehlenden Inhalt des Wissens nicht zu ersetzen vermag, und die Einzwängung des gegebenen Wissensstoffes in eine äußerlich herangebrachte, in logischer Hinsicht noch so vollkommene Form eher schädlich als nützlich wirkt, so entspricht doch auch die bloße Stoffanhäufung unter Vernachlässigung der systematischen Ordnung dem Wesen der Wissenschaft nicht. Die Vorteile dieser Ordnung liegen darin, daß sie ein leichteres Zurechtfinden in der Masse der Einzelheiten ermöglicht, den Zusammenhang der letztern untereinander vor Augen legt und damit zugleich erkennen läßt, ob unser Wissen über einen Gegenstand ein vollständiges, die verschiedenen Seiten erschöpfendes ist. In den philosophischen Systemen wird versucht, den gesamten Inhalt der Natur- und Geisteswelt zu umfassen und an der Hand der logischen Gesetze auf wenige allgemeine Prinzipien zurückzuführen, bez. aus solchen abzuleiten. – In der Naturwissenschaft versteht man unter S. die wissenschaftliche Zusammenfassung der Naturkörper nach gewissen gemeinsamen Merkmalen zu Arten, dieser zu Gattungen, dieser weiter zu Familien, Ordnungen und Klassen. Je nachdem man hierbei von einem einzelnen Merkmal oder einigen wenigen ausgeht oder die Gesamtheit derselben berücksichtigt, unterscheidet man künstliche und natürliche Systeme. Künstliche Systeme waren in der Botanik z. B. solche, die nach der Beschaffenheit des Stammes alle Pflanzen in Kräuter und Bäume trennten, oder nach der Beschaffenheit der Fortpflanzungswerke (wie Linné) oder der Frucht (wie Gärtner) einteilten. Gegen Ende des 18. Jahrh. legte Jussieu den Grund zu dem später noch vielfach verbesserten natürlichen Pflanzensystem (s. d.). Künstlich waren auch die zoologischen Systeme, welche die Tiere nach ihrem Aufenthaltsort in Land-, Wasser- und Flußtiere (Plinius) oder nach ihrer geographischen Verbreitung (Zimmermann) gruppierten. Während die Klassen der Wirbeltiere schon früh (Aristoteles) eine natürlichere Begrenzung erfuhren, ist eine natürliche Anordnung der niedern Tiere erst allmählich gelungen. So sind Linnés Würmer, Cuviers Mollusken, Strahltiere und Eingeweidewürmer keine natürlichen Gruppen. Da es übrigens nicht möglich ist, bei der Systematik der Organismen stets alle Organsysteme in gleicher Weise zu berücksichtigen, so enthalten alle Systeme zum Teil noch künstliche Anordnungen. Es gibt daher auch kein allgemein angenommenes zoologisches oder botanisches S. Seit der Begründung der Deszendenzlehre sucht man im S. der natürlichen Verwandtschaft der Tiere Ausdruck zu geben und betrachtet als das anzustrebende Ideal eines natürlichen Systems ein solches, das die Abstammung der verschiedenen Tiergruppen klar erkennen läßt (vgl. Darwinismus). – In der Geologie ist S. soviel wie Formation (s. Geologische Formation).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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