Vaudeville

Vaudeville

Vaudeville (franz., spr. wo-d'wil'), bei Boileau noch im Sinne von »satirisches Lied«, seit Anfang des 18. Jahrh. Gattung von Schauspielen mit Gesang und Instrumentalbegleitung, die ihren Namen von den leichtfertigen Liedern (Gassenhauern) ableitete, die ursprünglich darin vom Publikum mitgesungen wurden und dem Vau de Vire entstammten (s. Basselin). Das V. hat mit dem Liederspiel (s. d.) gemein, daß die beiden im Gegensatz zur Operette (s. d.) die mit der dargestellten Handlung verwebten Gesangstücke entweder aus allgemein bekannten Liedern mit untergelegtem Text oder doch aus leichtfaßlichen Melodien bestehen lassen, unterscheidet sich aber von ihm dadurch, daß das V., seiner französischen Heimat entsprechend, vorzugsweise frivol, witzig, ja satirisch, das Liederspiel dagegen (seinem deutschen Ursprung gemäß) vorzugsweise sentimental, ja gefühlvoll und rührend auftritt (z. B. Himmels »Fanchon«). Je nach der mehr rein komischen oder mehr possenhaften Färbung unterscheidet man Drame-V., Comédie-V., Folie-V. In Paris werden Vaudevilles hauptsächlich im Théâtre du Palais-Royal, Théâtre de Cluny und Théâtre Déjazet gespielt. Epochemachend ist in der Vaudevilledichtung besonders Scribe, der in seiner Antrittsrede in der französischen Akademie 1836 die Berechtigung dieses Genres nachzuweisen versuchte und auch noch als Akademiker die Pariser Bühnen mit Vaudevilles versorgte. Außer ihm sind zu nennen: Dumanoir, Lauzanne, und aus neuerer Zeit Marc Michel, Labiche, Meilhac und Halévy, Chivot und Duru. Neuerdings wird V. auch für Posse ohne Gesang gebraucht.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Vaudeville — was a genre of variety entertainment prevalent on the stage in the United States and Canada, from the early 1880s until the early 1930s. This pop culture genre developed from many sources, including the concert saloon, minstrelsy, freak shows,… …   Wikipedia

  • VAUDEVILLE — A l’origine, au XVe siècle, le vaudeville, ou vaudevire, du nom du lieu où il a pris naissance, est une chanson gaie et maligne. Jusqu’à la fin du XVIIIe siècle, moment où il se fond avec le courant de la chanson française, le vaudeville se… …   Encyclopédie Universelle

  • Vaudeville — Vaude ville, n. [F., fr. Vau de vire, a village in Normandy, where Olivier Basselin, at the end of the 14th century, composed such songs.] [Written also {vaudevil}.] [1913 Webster] 1. A kind of song of a lively character, frequently embodying a… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Vaudéville — Vaudéville …   Wikipedia Español

  • Vaudeville — (fr. spr. Wohdwihl), eine Gattung des französischen Liedes, welches durch den Mund des Volkes geht, mehre Couplets (Strophen) hat, oft satirischen Inhalts ist u. sich meist auf ein komisches Tagesereignis eine lächerliche Sitte der Zeit, auf eine …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Vaudeville — Vaudeville. Olivier Basselin, ein Walker in der Normandie, im Anfange des 15. Jahrh, pflegte launige Lieder zu dichten und sie, während er sein Tuch in die Rahmen spannte, in den Vaux oder Thälern an den Ufern des Flusses Vire zu singen. Diese,… …   Damen Conversations Lexikon

  • vaudeville — 1739, light, popular song, especially one sung on the stage, from Fr. vaudeville, alteration (by influence of ville town ) of M.Fr. vaudevire, said to be from (chanson du) Vau de Vire (song of the) valley of Vire, in the Calvados region of… …   Etymology dictionary

  • vaudeville — VAUDEVILLE. s. m. Chanson qui court par la Ville, dont l air est facile à chanter, & dont les paroles sont faites ordinairement sur quelque avanture, sur quelque intrigue du temps. Chanter un vaudeville …   Dictionnaire de l'Académie française

  • Vaudéville — is a village and commune in the Vosges département of northeastern France.ee also*Communes of the Vosges department …   Wikipedia

  • Vaudeville — (spr. wod wíl), ursprünglich franz. Volkslied satir. Inhalts (s. Basselin); jetzt ein heiteres Bühnenstück mit eingelegten Couplets …   Kleines Konversations-Lexikon

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