Winderhitzung


Winderhitzung

Winderhitzung, die zuerst von Neilson (1828) empfohlene Erhitzung der in Schmelzöfen einzuführenden komprimierten Luft, steigert die Verbrennungstemperatur und gewährt bei vermehrter Produktion eine bedeutende Ersparung an Brennstoff. Die ersten brauchbaren, von Faber de Faur in Wasseralfingen konstruierten Winderhitzungsapparate bestanden aus gußeisernen, durch Krümmlinge verbundenen, horizontal in einem gemauerten Raum liegenden und durch Gichtgase geheizten Röhren, die von der Gebläseluft (dem Wind) durch strömt wurden. Dieser Wasseralfinger Apparat und Modifikationen desselben haben jahrzehntelang der Eisenindustrie große Dienste geleistet. Hierher gehört auch der Hosenröhren- (Siphon-, Calder- oder schottische Apparat), dessen Röhren hosenbeinartig in Reihen nebeneinander auf zwei in einem gewissen Zwischenraum horizontal gelagerten weiten Röhren stehen. Letztere sind auch wohl durch Scheidewände in einzelne Abteilungen geteilt, die durch gekrümmte Röhren miteinander verbunden sind (Clarence-Apparat). Den steigenden Ansprüchen an die W. zeigten sich schließlich die alten Apparate nicht gewachsen, weil gußeiserne Röhren bei Temperaturen von mehr als 500° porös und undicht werden. Man baute daher aus feuerfesten Steinen Apparate, die eine Erhitzung des Windes auf 800° und mehr gestatten. Sie stellen sich dar als 16–18 m hohe, 6–8 m dicke Zylinder mit einem Mantel aus Kesselblech und arbeiten nach dem Siemensschen Regenerativsystem. In Deutschland ist nur der verbesserte Apparat von Cowper gebräuchlich, während in England auch ein Apparat von Whitwell benutzt wird. Der Cowpersche Apparat besitzt eine aus feuerfesten Steinen gemauerte Wandung und innerhalb derselben einen an die Wand gerückten, nicht ganz bis zum Gewölbe reichenden Verbrennungsschacht. Der übrige Raum ist durch zahlreiche aus dünnen Steinen erbaute Wände in viele (bis 500) Röhren geteilt. In den Heizschacht werden die Gichtgase und die zur Verbrennung erforderliche Luft geleitet. Die Flamme durchströmt von oben nach unten die engen Röhren und erhitzt sie bis zur gewünschten Temperatur. Dann leitet man die Gichtgase mit Luft in einen zweiten Apparat und läßt in die engen Röhren des erstern die Gebläseluft eintreten, die im Apparat aufsteigt und dann abwärts durch den Verbrennungsschacht zur Heißwindleitung gelangt. Zur rechten Zeit wird wieder umgestellt etc. Für einen großen Hochofen braucht man vier Apparate, von denen jederzeit zwei auf Gas, einer auf Wind, der vierte zur Reserve steht.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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