Ätolien

Ätolien (s. Karte »Alt-Griechenland«), griech. Landschaft im W. von Mittelgriechenland, zwischen Akarnanien, dem Lande der Doloper, Änianen, Örtäer, dem ozolischen Lokris und dem Meer gelegen, an der Küste und dem Acheloos eben und fruchtbar, sonst wildes, waldbedecktes Gebirgsland. Als Hauptflüsse sind der Acheloos (Aspropotamos) an der Westgrenze und der Euenos (Phidaris), unter den Seen der Hyria und der Trichonis (See von Agrinion) zu nennen. Die ausgedehnten Weiden im zentralen Seebecken nährten treffliche Pferde. Der Name Ä. stammt von Ätolos her, der, aus Elis flüchtend, mit einer Schar Epeer im S. Ätoliens sich niederließ und die ungriechischen Leleger, Kureten und Hyanten verdrängte oder unterwarf. Durch feindselige Haltung den Nachbarn gegenüber sowie durch Verschmelzung mit nichtgriechischen Gebirgsvölkern entfremdeten sich die Ätolier dem übrigen Hellenentum, so daß sie in der Blütezeit griechischer Kultur als wilde, räuberische, von den Hellenen gemiedene Barbaren erscheinen. Erst in der makedonisch-römischen Periode greifen sie in die Geschichte Griechenlands tätig mit ein. Städte gab es wenige; die wichtigsten waren: Thermon, Kalydon, Pleuron und Chalkis. – Im heutigen Königreich Griechenland bildet Ä. mit Akarnanien (s. d.) einen Nomos.

Die Ätolier zerfielen von alters her in einzelne kleine Gemeinwesen, verteidigten aber ihr Land tapfer, wenn sie von außen bedroht wurden; so schlugen sie 426 den athenischen Feldherrn Demosthenes. Von Bedeutung für das übrige Griechenland wurden sie durch den Ätolischen Bund, zu dem sie der Einfall des Antipatros wegen ihrer Beteiligung am Lamischen Krieg vereinigte (321). An seiner Spitze stand eine Versammlung mit einem Rate, den Vertretern der Bundesmitglieder, und einem Beamten, der im Krieg und im Frieden die höchste Gewalt ausübte. Bald schlossen sich ihm andre Staaten Mittelgriechenlands an; so geriet er mit dem Achäischen Bund in Streit. Nur auf seinen Vorteil bedacht, schloß er sich an Makedonien an, machte aber, mit diesem zerfallen, auch wieder mit ihm auf einige Zeit Frieden. Nach dem Bundesgenossenkrieg (s. d.) zwang Philipp von Makedonien die Ätolier zu dem Frieden von Naupaktos (217). Auch während der Kriege Makedoniens mit Rom schwankte ihre Politik. Aus Haß gegen Philipp neigten sie sich den Römern zu, fanden aber wegen ihrer innern Uneinigkeit und Unentschlossenheit bei diesen kein Vertrauen, und als sie dadurch verstimmt den König Antiochos III. von Syrien in der Schlacht bei den Thermopylen (191) unterstützten, mußten sie nach tapferer Gegenwehr alle Städte, die ihnen die Römer abgenommen, aufgeben, 500 Talente zahlen, Geiseln stellen, durften nur mit den Römern zusammen Krieg führen etc. Der Ätolische Bund war damit vernichtet (189). Nach der Unterwerfung ganz Griechenlands durch die Römer bildete Ä. einen Teil der Provinz Achaia. Das entvölkerte Land lag verödet, bis es Konstantin zur Provinz Neu-Epirus schlug und unter die Verwaltung des Präfekten von Illyricum stellte. Vgl. Brandstäter, Die Geschichten des ätolischen Landes etc. (Berl. 1844); Woodhouse, Aetolia, its geography, topography, antiquities (Lond. 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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