Ätzfiguren

Ätzfiguren, regelmäßige Vertiefungen, die bei Anätzung, d. h. bei Einwirkung von Lösungsmitteln, z. B. Wasser bei Alaun (Fig. 1), Steinsalz (Fig. 2) etc., Salzsäure bei kohlensauren Verbindungen, Flußsäure bei Quarz (Fig. 6–8) und Silikaten etc., auf den Kristallflächen entstehen und in Form und Lage der Symmetrie der Kristallflächen entsprechen (Fig. 1–5). Auch die Figuren, die sich bei teilweiser Verbrennung eines verbrennbaren Minerals, z. B. des Diamants (Fig. 3), auf den Kristallflächen einstellen, sind hierher zu zählen. Die Ä. erhalten andre Gestalt und Lage durch ein Ätzmittel, das einen von dem frühern verschiedenen chemischen Prozeß der Auflösung hervorruft. Die häufig auch durch natürliche Prozesse erzeugten Ä. sind gleichsam negative Wachstumsformen der Kristalle; sie zeigen, daß die Löslichkeit der Kristalle und also auch der chemische Zusammenhang ihrer Moleküle nach verschiedenen Richtungen verschieden ist; während amorphe Körper nach allen Richtungen hin die gleiche Löslichkeit besitzen. und deshalb Kugeln von solchen Körpern bei starker Ätzung die Kugelform behalten, verwandeln sich Kugeln aus einem Kristall bei stärkerer Ätzung in polyedrische Körper (sogen. Lösungsgestalten) von der gleichen Symmetrie wieder Kristall (Fig. 9). Die Begrenzungsflächen der Ä. (und der Lösungsgestalten), die sogen. Ätzflächen, stehen senkrecht zu den Richtungen des größten Lösungswiderstandes, sind also lediglich vom Molekularbau der Kristalle abhängig und können selbst als Grundform der Kristallsubstanz aufgefaßt oder durch rationale Zahlen auf diese bezogen werden.

Ätzfiguren. Fig. 1. Auf der Oktaederfläche von Alaun bei Ätzung mit Wasser. – 2. Auf der Würfelfläche von Steinsal; bei Ätzung mit Wasser. – 3. Am Diamant beim Verbrennen in Sauerstoff. – 4. Auf Spaltungsstücken von Schwerspat bei Ätzung mit heißer Sodalösung. – 5. Am Kieselzinkerz bei Ätzung mit Salzsäure.  – 6. An einem rechten, 7. an einem linken Quarzkristall bei Ätzung mit Flußsäure. – 8. An einem Quarzzwilling desgl. – 9. Kalkspatkugel nach starker Ätzung.
Ätzfiguren. Fig. 1. Auf der Oktaederfläche von Alaun bei Ätzung mit Wasser. – 2. Auf der Würfelfläche von Steinsal; bei Ätzung mit Wasser. – 3. Am Diamant beim Verbrennen in Sauerstoff. – 4. Auf Spaltungsstücken von Schwerspat bei Ätzung mit heißer Sodalösung. – 5. Am Kieselzinkerz bei Ätzung mit Salzsäure. – 6. An einem rechten, 7. an einem linken Quarzkristall bei Ätzung mit Flußsäure. – 8. An einem Quarzzwilling desgl. – 9. Kalkspatkugel nach starker Ätzung.

Diejenigen Regionen des Kristalls oder der Kugel, die am raschesten der Zerstörung durch ein Lösungsmittel anheimfallen, also der Richtung des geringsten Lösungswiderstandes entsprechen, nennt man Atzfelder, die zwischen den tiefen Ä. der Ätzfelder übrigbleibenden Erhabenheiten Atzhügel; auch sie entsprechen, weil aus den Ä. hervorgehend, ebenso wie diese vollkommen der Symmetrie des Kristalls. Wichtig sind die Ä. besonders zur Erkennung versteckter Hemiëdrie (Fig. 5,6,7) und Zwillingsverwachsung (Fig. 8); vgl. Kristall.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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