Dampfschiff

Dampfschiff

Der auf Tafel II dargestellte Dampfer ›Deutschland‹ ist der neueste Schnelldampfer der Hamburg-Amerika-Linie; er ist 10. Jan. 1900 auf der Werft des Vulkan in Bredow bei Stettin vom Stapel gelaufen und begann im Juli 1900 seine Fahrten zwischen Hamburg und New York. Sein Schiffskörper ist aus bestem Siemens-Martinstahl gebaut und entspricht auch den Anforderungen der Marine als Hilfskreuzer. Vor- und Hintersteven sind senkrecht, das Heck ist elliptisch. Die größte Länge beträgt 208,5 m, die größte Breite 20,42 m, die Raumtiefe zwischen Oberdeck und Kiel 13,41 m, die Tragfähigkeit 5840 Ton. Schwergut bei 8,84 m Tiefgang im Süßwasser, die Wasserverdrängung 23,200 T. und der Brutto-Raumgehalt 16,200 Registertonnen. Die Geschwindigkeit sollte vertragsmäßig nicht unter 22 Seemeilen betragen; in Wirklichkeit hat ›Deutschland‹ über 23,5 Seemeilen Durchschnittsgeschwindigkeit und auf kurzen Strecken 25 Seemeilen Maximalgeschwindigkeit erreicht. Das Schiff ist durch 15 Querschotte und ein Längsschott im Maschinenraum in 17 wasserdichte Abteilungen geteilt, die so bemessen sind, daß es noch schwimmfähig bleibt, wenn zwei Räume nebeneinander volllaufen. Der Doppelboden hat 22 Tankzellen, die Kesselspeisewasser und Trinkwasser enthalten und nötigenfalls mit 2550 cbm Wasserballast gefüllt werden. Bei Nacht und Nebel sind alle Schottüren geschlossen. Rettungsboote sind 26 auf den obern Decks aufgestellt, 16 Boote sind über 9 m lang; 4 Boote hängen sofort gebrauchsfertig in den Davits. Die Bunker fassen 4820 T. Kohlen; der Kohlenbedarf beträgt etwa 565 T. in 24 Stunden. Die Hauptladeräume haben 1453 cbm, die Gepäckräume sowie die Proviant- und Fleischkühlräume 669 cbm.

Die Besatzung zählt 543 Köpfe, und zwar 15 Schiffsoffiziere, Postbeamte und Lotsen, je einen Arzt, Zahl- und Proviantmeister, 53 Maschinisten, 201 Heizer, 218 Stewards und Köche und 54 Matrosen. Die Schiffsoffiziere haben ihre Räume nahe der Kommandobrücke, die Maschinisten und Heizer nahe der Maschine und den Kesselräumen. Für 693 Fahrgäste I. Klasse sind im Promenadendeck, Oberdeck und Hauptdeck 260 Kammern, darunter mehrere Luxuskabinen mit Wohn-, Schlaf- und Badezimmer und 50 Einzelkabinen. Für 302 Fahrgäste II. Klasse sind im Ober-, Haupt- und Zwischendeck 99 etwas einfachere Kammern. Der Speisesaal I. Klasse im Hauptdeck hat einen 10 m hohen Kuppelbau aus Glas, der durch Ober- und Promenadendeck hindurchgeht und nach oben glockenartig abgeschlossen ist. Mit zwei angrenzenden Hilfsspeisesälen sind 416 Sitze vorhanden. Auf dem Promenadendeck grenzen an den Lichtschacht des Speisesaals der Gesellschaftssalon mit Musik-, Schreib- und Lesezimmer. Auf dem Brückendeck ist ein Kinderzimmer und ein amerikanischer Frühstücksraum, auf dem Promenadendeck ein prächtiges Rauchzimmer. Der Speisesaal II. Klasse auf dem Hauptdeck nach hinten mit 166 Plätzen und einem Hilfsspeisesaal mit 16 Plätzen ist etwas einfacher, ebenso das Gesellschaftszimmer auf dem hintern Oberdeck und das Rauchzimmer auf dem Promenadendeck. Der vordere Teil des Promenadendecks, für die Fahrgäste I. Klasse bestimmt, ist durch das Sonnendeck gegen Regen und Sonne geschützt. Der hintere Teil des Promenadendecks ist für die Fahrgäste II. Klasse bestimmt. Für 288 Fahrgäste III. Klasse sind mehrere Abteilungen Zwischendecksräume vorhanden, auch einzelne Zimmer. Auf dem Oberdeck ist der Raum auf dem Backdeck für die Zwischendecksfahrgäste bestimmt. Bei vollbesetztem Schiff sind 1826 Personen zu verpflegen. Für jede Klasse von Fahrgästen sowie für die Mannschaft sind besondere Dampfküchen mit Anrichteräumen vorhanden; außerdem sind an Bord eine Bäckerei und eine Konditorei, jede mit mehreren Backöfen, und eine Schlächterei. Arzt und Apotheke stehen den Fahrgästen frei zur Verfügung, vorn in der Back liegen einige Lazarettkammern. Die Seepostbureaus sind auf dem Oberdeck. Eine Schiffsdruckerei stellt Speisekarten und Programme für die Konzerte der Schiffskapelle her. Baderäume für Fahrgäste und Mannschaft sind reichlich vorhanden. Das ganze Schiff hat Dampfheizung. Zur Lüftung der Innenräume dienen teils Ventilatoren und Luftschächte, teils elektrisch betriebene Sauger. Elektrische Kraft zur Beleuchtung und zum Betrieb von Ventilatoren und kleinen Aufzügen liefern 3 große und 2 kleinere Dynamos; insgesamt sind 2500 Glühlampen vorgesehen. Zur Kühlung der Provianträume dient eine Kohlensäuremaschine. An Hilfsmaschinen sind vorhanden: 2 Ankerspille auf der Back, je 2 Verholspille auf der Back und der Poop. Für Fracht und Gepäck sind 5 Dampfladewinden und eine kleine Proviantwinde vorhanden. Die Steuervorrichtung liegt im hintern Raumdeck, hat eine Hauptmaschine und eine Hilfssteuermaschine; beide Steuermaschinen arbeiten in geschlossenen, mit Öl gefüllten Gehäusen, ihre Schieber können von vier Stellen des Schiffes (vom Ruderhaus, vom Steuerstand hinter dem Kompaß, von der Navigationsbrücke und vom Unterwasser-Steuerstand) aus gesteuert werden.

Die vier Kesselräume haben je 3 Doppelender- und einen Einenderkessel, deren Abgase in je einem Schornstein von 4 m Durchmesser und 32 m Höhe über dem Rost münden.

Querschnitt durch den Maschinenraum. Spant 126 von vorn gesehen.
Querschnitt durch den Maschinenraum. Spant 126 von vorn gesehen.

Alle 16 Kessel haben zusammen 112 Feuerungen mit 203 qm Rostfläche und 7940 qm Heizfläche. Der Dampfüberdruck beträgt 15 Atmosphären. Jeder Kessel hat 5 m Durchmesser und 6 m Länge. Die beiden Hauptmaschinen leisten mit vierfacher Expansion zusammen bis zu 37,000 Pferdekräfte bei 77 Schraubenumdrehungen in der Minute. Der Hub der Zylinder beträgt 1,85 m. Die Wellenleitung ist 66 m lang und aus 11 Stücken zusammengesetzt. Die beiden vierflügeligen Propellerschrauben haben 6,8 m Durchmesser und 11 m Steigung; auf die 4 Flügel jeder Schraube wird ein Druck von 90,000 kg ausgeübt.

Von der Kommandobrücke führen Telegraphen und Sprachrohre nach den Maschinen- und Kesselräumen. Ein Dampfruder mit Steuerkompaß steht im Steuerhaus, dahinter im Kartenhaus sind die Seekarten und nautischen Handbücher und Instrumente für die Schiffsoffiziere. Oben auf dem Steuerhaus steht der Peilkompaß.


Dampfschiff I.
Dampfschiff I.
Dampfschiff II.
Dampfschiff II.
Dampfschiff III.
Dampfschiff III.
Dampfschiff IV.
Dampfschiff IV.

http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Dampfschiff — Dampfschiff, ein Schiff, welches zum Zweck seiner Fortbewegung mit einem Treibmechanismus (gewöhnlich Ruderwerk od. Schraube) versehen ist, dem eine ebenfalls auf dem Schiffe befindliche Dampfmaschine die erforderliche Bewegungskraft ertheilt. I …   Pierer's Universal-Lexikon

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  • Dampfschiff — Dampfschiff. Die erste Anwendung der Dampfkraft fand zur Fortbewegung von Schiffen vermittelst Schaufelrädern durch Blasco de Garay 1543 statt, u. nachdem sein Versuch ohne weitere Ausbildung zu erhalten vergessen war, erneuerten ihn 1736 Hulls,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Dampfschiff — Dampfschiff,das:⇨Dampfer(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Dampfschiff — Ein Dampfschiff oder auch Dampfer ist ein Schiff, das von einer Dampfmaschine oder einer Dampfturbine angetrieben wird. Die Dampfmaschine treibt beim Raddampfer zunächst ein oder mehrere Schaufelräder an, erst ab 1836 setzte sich dann der vom… …   Deutsch Wikipedia

  • Dampfschiff — das Dampfschiff, e (Aufbaustufe) großes Boot, das von einer Dampfmaschine oder einer Dampfturbine angetrieben wird Beispiel: Die Touristen fuhren mit einem Dampfschiff auf der Elbe zum Schloss Pillnitz …   Extremes Deutsch

  • Dampfschiff — Dạmpf|schiff 〈n. 11〉 mit Dampf betriebenes Schiff * * * Dạmpf|schiff, das [für engl. steamship]: durch eine Dampfmaschine angetriebenes größeres Schiff, Dampfer. * * * Dampfschiff,   Dampfer, ein durch Dampfkraft angetriebenes Wasserfahrzeug… …   Universal-Lexikon

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