Ödenburg [2]

Ödenburg (magyar. Sopron), königliche Freistadt mit Munizipium, Sitz des gleichnamigen ungar. Komitats (s. oben), 5 km westlich vom Neusiedler See, an den Bahnlinien nach Wien, Preßburg, Ebenfurth, Raab, Csorna und Steinamanger-Kanizsa, besteht aus der ehemals befestigten innern Stadt, welche die sogen. Grabenrunde (mit vielen Kaufläden, dem Korso u. der Széchenyipromenade) umgibt, u. den äußern Stadtteilen und hat 8 kath. Kirchen, eine evang. Kirche, 4 Klöster, viele öffentliche Neubauten (Kasino, Justizpalais, große Kavallerie- und Artilleriekaserne), Denkmäler von Liszt u. Széchenyi u. (1901) 33,478 deutsche (17,924) und magyarische Einwohner (2/3 römisch-katholischen, 1/3 evang. Glaubens).

Wappen von Ödenburg.
Wappen von Ödenburg.

Daselbst bestehen Fabriken für Zucker, Kanditen, Spiritus, Essig, Seife, Stärke, Glocken, landwirtschaftliche Maschinen, Kautschuk, Feuerwehrrequisiten und Wagen, ein Brauhaus und Ringofenziegeleien. Eine große Baumwollspinnerei ist im Entstehen begriffen. Das kandierte und gedörrte Ödenburger Obst wird weithin versandt. O., das auch bedeutenden Wein- und Viehhandel betreibt, hat ein kath. Obergymnasium, eine kath. Lehrerpräparandie, eine Oberrealschule und Honvéd-Oberrealschule (im Neuhof), evang. Lyzeum und Seminar, eine Handelsakademie, eine höhere Staats-Mädchenschule, eine Erziehungsanstalt für Offiziertöchter, ein Theater, 7 Kasernen, elektrische Beleuchtung, Wasserleitung, Elektrizitätswerk, elektrische Straßenbahn, einen Wettrennplatz etc., ist Sitz einer Finanz- und einer Post- und Telegraphendirektion, eines Gerichtshofs und einer Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank. In der schönen Umgebung viele Ausflugsorte (so außer dem nahen Löber mit Villenanlagen der Neuhofgarten, Wandorf, Schwefelbad Wolfs, der Neusiedler See etc.). In Brennberg (bei O.) sind reiche Braunkohlenlager, in Margarethen (s. d.) vorzügliche Sandsteinbrüche. – Die ältesten Bewohner von O. und Umgebung waren Kelten. Unter den Römern blühte O. (Scarbantia) als Munizipium, wurde aber von den Quaden fast gänzlich zerstört. Der deutsche Name (Odinburch) erscheint zuerst in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen vom J. 845. König Salomo soll die Stadt zur königlichen Freistadt erhoben haben. Fortan hieß sie Castrum Suprun oder Supruniensis, und von dieser Namensform rührt der ungarische Name her. Als bedeutende Grenzstadt geriet sie wiederholt in die Hände der österreichischen Herzoge und wurde von Ottokar von Böhmen 1270 verbrannt. 1605 wurde sie von Bocskai belagert, 1619 von G. Bethlen erobert, 1683 huldigte sie Thököli, wurde 1705 von Fr. Rákóczi belagert und 1809 von den Franzosen besetzt. Vgl. Diem, Illustrierter Führer durch O. (Ödenb. 1886). Über die zahlreichen Funde aus der vorgeschichtlichen Zeit und aus der Römerzeit vgl. die Arbeiten von L. Bella im »Archäolog. Értesitö«.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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