Öle

Öle (fette Öle), flüssige Fette, die im Tier- und Pflanzenreich, besonders in Samen und im Fruchtfleisch, vorkommen und daraus durch Pressen, auch durch Extrahieren mit Lösungsmitteln gewonnen werden. Die wichtigsten der in Deutschland angebauten Ölfrüchte sind: Raps, Rübsen, Leindotter, Mohn, Lein, Hanf. Geringere Bedeutung haben: Sonnenblumen, Walnuß, Haselnuß, Bucheckern. Von ausländischen Pflanzen kommen namentlich in Betracht: Ölbaum, Erdnuß, Sesam, Baumwollstaude, Mandelbaum, Ricinus. Vgl. Art. »Fette u. Öle liefernde Pflanzen und Tiere«. Der Ölgehalt beträgt annähernd bei

Tabelle

Der Fettgehalt schwankt nach Klima und Kulturmethode, die Ausbeute nach der Beschaffenheit der Samen u. der Gewinnungsmethode. Stets werden die Samen vor dem Pressen zwischen Walzen zerquetscht und unter Zusatz von Wasser auf Kollergängen gemahlen, um die Zellen, die das Öl enthalten, zu zerreißen. Manche Samen geben dann beim Pressen das Öl leicht ab, andre, namentlich die eiweißreichen, erst, nachdem das Samenmehl auf 60–100° erhitzt worden ist. Dies geschieht unter Umrühren über freiem Feuer, besser und allgemeiner durch Abdampf. Durch das Erhitzen gerinnt das Eiweiß, zugleich aber gehen färbende und kratzend schmeckende Samenbestandteile in das Öl über, und das kalte Pressen liefert deshalb zwar weniger, aber reineres Öl (Speiseöl, Jungfernöl) als das heiße Pressen. Magere Samen preßt man meist nur einmal, fette aber zweimal, zu welchem Zweck man die erhaltenen Preßkuchen zwischen Zahnwalzen zerbricht und sie dann einem Stampfwerk oder Kollergang zuführt oder sie nach neuerer Methode sofort in einen Desintegrator bringt, der sie zerbricht und schließlich in Mehl verwandelt, das vor dem Pressen erhitzt werden muß. Beim Pressen schlägt man das Samenmehl in starke wollene Tücher oder füllt es in Säcke und umgibt diese noch mit einem Gewebe aus Pferdehaar. Früher wandte man hauptsächlich Keilpressen an, jetzt meist stehende oder liegende hydraulische, und zwar neben den Packpressen auch solche, bei denen das Preßgut ohne Packung in Tröge oder Ringe gebracht wird. Der Preßraum erhält ein doppelwandiges Gehäuse, in dem Dampf zirkuliert, um das Preßgut gelind zu erwärmen. In den Preßkuchen bleiben stets noch etwa 6 Proz. Öl zurück. die man nur durch ein Lösungsmittel, durch Extrahieren gewinnen kann. Diese Methode der Ölgewinnung wird aber nicht nur auf Preßrückstände, sondern auch auf frische, gemahlene Samen angewandt. Zum Extrahieren benutzt man namentlich Schwefelkohlenstoff und flüchtige Bestandteile des Erdöls (Kanadol etc.) in Apparaten, deren Teile vollkommen geschlossen sind, so daß Verluste durch Verflüchtigung des Lösungsmittels möglichst vermieden und die Arbeiter durch Dämpfe nicht belästigt werden. Bei manchen Apparaten durchfließt das Lösungsmittel einen mit Samenmehl gefüllten Behälter, solange er noch Öl aufnimmt, bei andern durchfließt das Lösungsmittel hintereinander mehrere Behälter, so daß schließlich eine konzentrierte Öllösung erhalten wird. Das vollkommen entölte Samenmehl wird durch Behandlung mit Wasserdampf von dem Lösungsmittel befreit, aus der erhaltenen Öllösung verjagt man durch Wärme das Lösungsmittel, das in geeigneten Kühlapparaten wieder verdichtet wird, und gewinnt ein sehr reines Öl. Bei Anwendung von Schwefelkohlenstoff verbraucht man 0,75 Proz. vom gewonnenen Öl. Das Samenmehl ist fettfrei, aber immer noch ein gutes Viehfutter und von seiner Verwertbarkeit ist die Rentabilität der Extraktionsmethode wesentlich abhängig. Das durch Pressung gewonnene Öl ist durch eiweißartige, schleimige und färbende Stoffe verunreinigt und für manche Zwecke wenig geeignet; bei hinreichend langem Lagern scheidet sich ein Teil dieser Verunreinigungen als Öltrübe (Lagertrub) ab; eine schnellere mechanische Reinigung erzielt man durch Filtration und zwar beim Großbetrieb durch Filterpressen. Zur chemischen Reinigung muß das Öl raffiniert werden. Man mischt es zu dem Zweck bei 30–70° je nach der Temperatur sehr innig mit 1–0,5 Proz. konzentrierter Schwefelsäure, welche die Verunreinigungen verkohlt. Die innige Mischung von Öl und Säure erreicht man durch Rührwerke, Einblasen von Luft oder mittels des Zentrifugalemulsors, nach einiger Zeit zieht man das Öl vom Bodensatz klar ab, wäscht es wiederholt mit Wasser, zuletzt unter Zusatz von wenig Soda, und filtriert es schließlich durch Werg, Baumwolle oder Sägespäne. Die raffinierten O. können vor dem Auswaschen durch inniges Mischen mit 0,25 Proz. rotem chromsaurem Kali und etwas Schwefelsäure, auch durch Ozon, Chlorkalk, Wasserstoffsuperoxyd, Kaliumpermanganat (2 Proz. mit 10 Proz. Salzsäure und 100 Proz. Wasser), auch durch Sonnenlicht (Naturbleiche, die sich oft wochenlang hinzieht) gebleicht werden. Zum Schmieren bestimmte fette Ö. raffiniert man vorteilhafter mit 2–3 Proz. Natronlauge, die man unter allmählichem Erwärmen des Öles demselben beimischt. Auch Chlorzink ist zum Raffinieren empfohlen worden.

Die nicht trocknenden O. bestehen im wesentlichen aus viel Olein, wenig Stearin und Palmitin, die trocknenden enthalten statt des Oleins ein Glyzerid der Leinölsäure, der Tran ein Glyzerid der Psysetölsäure, sie sind bei gewöhnlicher Temperatur mehr oder weniger dickflüssig, werden beim Erwärmen dünnflüssig, erstarren aber meist in der Nähe des Gefrierpunktes des Wassers unter Abscheidung von Stearin und Palmitin. Sie sind unlöslich in Wasser; manche lösen sich in kaltem Alkohol, alle in Äther. Die Konsistenz ist sehr verschieden; bei 15° ist Rizinusöl 203mal, Olivenöl 21,6-, Rapsöl 18-, Mandelöl 16,6- , Mohnöl 13,6-, Walnuß- und Leinöl 9,7mal dickflüssiger als Wasser; das spezifische Gewicht der O. schwankt meist zwischen 0,91 und 0,93, es wächst mit dem Alter des Öles und weicht je nach der Lokalität, in der die Ölpflanzen wuchsen, und nach der Art und Weise der Bereitung ab. Die fetten Ö. sind nicht flüchtig; wenig über 250° färben sie sich dunkler und entwickeln erstickend unangenehm riechende Dämpfe, besonders von Akrolein, das die Augen heftig angreift. Diese Zersetzung erfolgt unter Aufwallen, die man gewöhnlich, aber unrichtig, das Sieden der Ö. nennt. Bei Rotglut liefern die fetten Ö. ein mit heller Flamme brennendes Leuchtgas (Ölgas). Der Entflammungspunkt der fetten Ö. liegt bei

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Durch Licht werden die Ö. gebleicht; an der Luft werden manche Ö. dickflüssiger und ranzig (s. Fette), besonders wenn sie mit Eiweißstoffen und Wasser verunreinigt sind. Andre fette Ö. absorbieren an der Luft energisch Sauerstoff und erstarren zu einer firnisartigen Masse. Die erstern (nicht trocknende Ö.) erstarren durch salpetrige Säure, indem das in ihnen enthaltene Olein in Elaidin übergeht, während die trocknenden Ö. mit salpetriger Säure nicht erstarren. Die wichtigsten O. der ersten Klasse sind: Olivenöl, Rüböl, Kohlrapsöl, Sommerrübsenöl, Mandelöl, Sesamöl, Maisöl, Behenöl, Buchöl, Senföl, Erdnußöl, Krotonöl; zu den trocknenden Ölen gehören: Leinöl, Nußöl, Mohnöl, Hanföl, Rizinusöl, Traubenkernöl, Kürbisöl, Sonnenblumenöl, Leindotteröl, Baumwollsamenöl. Über die tierischen O. s. Tran; Literatur s. bei Fette.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • olé — [ ɔle ] ou ollé [ ɔ(l)le ] interj. • 1919; esp. ole 1 ♦ Exclamation espagnole qui sert à encourager. Le public crie olé à chaque passe de la corrida. 2 ♦ Adj. inv. Fam. OLÉ OLÉ [ ɔleɔle ]. Qui est libre dans ses manières ou son langage; égrillard …   Encyclopédie Universelle

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  • ole — OLÉ s.n. Dans spaniol cu mişcare moderată, executat de o singură persoană care se acompaniază cu castaniete. – cuv. sp. Trimis de oprocopiuc, 12.01.2008. Sursa: DEX 98  óle s. n. Trimis de siveco, 12.01.2008. Sursa: Dicţionar ortografic  OLÉ n …   Dicționar Român

  • Ole — steht für Ole (Vorname), männlicher Vorname, skandinavische Nebenform von Olaf, plattdeutsche (=niederdeutsche) Form für der Alte im Sinne von der Erstgeborene Olé, spanischer Ausruf Ole, in Mandarin: Ou.Le Die Freude aus Europa Die Abkürzung OLE …   Deutsch Wikipedia

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