Ölfarbendruck

Ölfarbendruck (Ölgemäldedruck, Öldruck), eine Anwendung der Chromolithographie zur Nachbildung von Ölgemälden. Von dem zu vervielfältigenden Gemälde wird eine möglichst genaue Umrißzeichnung in gewünschtem Format hergestellt und diese auf einen lithographischen Stein übertragen. Von dieser »Konturenplatte« macht man einen Abdruck auf Glas- oder Porzellanpapier, der dann auf so viele Steine übergedruckt (umgeklatscht) wird, als man Farben zu benutzen gedenkt. An den Rändern sind durch Kreuze Punkte bezeichnet, mit Hilfe deren später beim Drucken die genaue Übereinanderlagerung der verschiedenen Farbenschichten erreicht werden kann. Auf den verschieden gekörnten Steinen werden nun diejenigen Teile des Bildes (in Kreidemanier) ausgeführt, die je in einer Farbe erscheinen oder durch Übereinanderdruck andre Farben und Töne ergeben sollen. Um tadellose Abdrücke zu erzielen, müssen die Drucke der einzelnen Farben in der durch die Arbeit bedingten Weise haarscharf genau auseinanderfallen, und alle Platten müssen in bestimmter Reihenfolge und mit einer stets ganz gleichen Farbe abgedruckt werden. Zur leichtern Kontrolle jeder Platte pflegt man am Rande derselben und des Papiers ein kleines längliches Viereck in der betreffenden Farbe, die Skala, mitzudrucken, so daß sämtliche Platten Proben der mit ihnen aufgetragenen Töne an der Bildkante entlang nebeneinander hinterlassen. Selbst zu scheinbar sehr einfachen Öldrucken werden nicht selten bis 30 Steine benutzt, und in Fällen, wo höchste künstlerische Vollendung erzielt werden soll, kann ihre Anzahl noch höher sein. Um den Ölfarbendrucken mehr das Ansehen von Ölgemälden zu geben, ahmt man die Textur der Leinwand dadurch nach, daß man einen gewebten Stoff über eine gl at te Fläche spannt, ihn mit Fettfarbe einwalzt und dann auf einen Stein überdruckt, der nach kurzer Ätzung das Muster des Stoffes zeigt. Auf diesen legt man das fertige Bild, nachdem man vorher noch die Stellen, die unverändert bleiben sollen, wie Fleischpartien etc., im Steine glatt geschabt, mit der Bildseite nach unten und läßt es durch eine Steindruckpresse gehen, wobei es die Leinwandtextur annimmt. In gleicher Weise sucht man auch die Pinselstriche und den pastösen Auftrag des Originals auf dem Abdruck zu erzeugen. Über Aquarellfarbendrucks. Lithographie, S. 617.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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