Gemeinheit

Gemeinheit

Gemeinheit, was mehreren zugleich zukommt, im moralischen Sinne Denk- und Handlungsweise, wie sie einem »gemeinen« Menschen eigen ist. – Im juristischen Sprachgebrauch versteht man unter G. oder Korporation (universitas, corpus, collegium) einen Verein von mehreren Personen zu bestimmten fortdauernden Zwecken, der von der Rechtsordnung als ein besonderes Rechtssubjekt (juristische oder moralische Person) anerkannt ist. Ein Verein von Personen kann eine gewöhnliche Gesellschaft (s.d.) sein, in welchem Fall kein von den einzelnen Gliedern verschiedenes Rechtssubjekt besteht, also die gemeinschaftlichen Rechte und Verbindlichkeiten jedem Einzelnen zu seinem Anteil (pro rata) zukommen. Anders, wenn der Verein eine G. ist; hier wird die G. als Ganzes personifiziert gedacht und erscheint als besonderes Rechtssubjekt durchaus verschieden von den einzelnen Mitgliedern. Subjekt aller Rechte und Verbindlichkeiten sind hier nicht die einzelnen jeweiligen MItglieder, sondern das Ganze, die juristische Person der G. (s. Juristische Person). Unter G. im wirtschaftlichen Sinne versteht man die gemeinschaftliche Benutzung von Grundstücken, sei es, daß sie gemeinsames Eigentum mehrerer Personen, oder daß sie mit Dienstbarkeitsrechten belastet sind (vgl. Gemeinheitsteilung). Auch bedeutet G. soviel wie Realgemeinde (s. Allmande).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Gemeinheit — (de) …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Gemeinheit — Gemeinheit, 1) (Allgemeinheit), was Mehreren od. Allen zugleich zukommt; 2) Denkart u. Handelsweise, wie sie dem ungebildeten großen Haufen eigen ist; 3) so v.w. Gemeinde. Daher Gemeinheitstheilung, so v.w. Gemeindetheilung …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gemeinheit — 1. ↑Vulgarität, 2. ↑Infamie, Zynismus …   Das große Fremdwörterbuch

  • Gemeinheit — Niederträchtigkeit; Falschheit; Abscheulichkeit; Niedertracht; Gehässigkeit; Boshaftigkeit; Bosheit; Teufelei; Böses; Übeltat; Schurkerei; Übel * * * …   Universal-Lexikon

  • Gemeinheit — Das ist eine (bodenlose) Gemeinheit!: das ist sehr bösartig, niederträchtig und verwerflich. In dieser Redensart hat der Begriff ›Gemeinheit‹ die Bedeutung von ›niedriger Gesinnung‹, die er ursprünglich nicht hatte. Vielmehr wurde er in früher… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Gemeinheit — Ge·mein·heit die; , en; 1 nur Sg; eine gemeine1 (1) Art, Einstellung ≈ Schlechtigkeit ↔ Güte: Er hat seinen Bruder aus purer Gemeinheit geschlagen 2 eine gemeine1 (1) Tat ≈ Schikane: Es war eine große Gemeinheit, den Hund auszusetzen 3 gespr;… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Gemeinheit — die Gemeinheit, en (Aufbaustufe) eine niederträchtige Verhaltensweise Synonyme: Boshaftigkeit, Bosheit, Garstigkeit, Gehässigkeit, Niederträchtigkeit, Niedertracht (geh.), Giftigkeit (ugs.) Beispiel: Die Tat bestätigte nur seine Gemeinheit.… …   Extremes Deutsch

  • Gemeinheit — 1. Man kann die Gemeinheit überschmieren, aber nicht curiren. 2. Wo Gemeinheit, da fehlt Reinheit. »So wenig unsere Kröten jemals fliegen lernen, so wenig können sich gemeine Seelen zu edeln Handlungen erheben.« (Welt und Zeit, I, 115, 73.)… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Gemeinheit — gemein: Das altgerm. Adjektiv mhd. gemein‹e›, ahd. gimeini, got. gamains, niederl. gemeen, aengl. gemæne, dem außerhalb des Germ. lat. communis »gemeinsam, gemeinschaftlich« (↑ Kommune) entspricht, gehört zu der unter ↑ Meineid dargestellten idg …   Das Herkunftswörterbuch

  • Gemeinheit — Umgangssprachlich bezeichnete gemein ursprünglich eine Eigenschaft, die mehrere Menschen gemeinsam besaßen (Beispiel: „all diesen Leuten ist die Muttersprache Deutsch gemein“). Bei Tier und Pflanzengattungen bedeutet „gemein“, dass diese Spezies… …   Deutsch Wikipedia

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