Gesnudheitspflege der Haustiere


Gesnudheitspflege der Haustiere

Gesnudheitspflege der Haustiere. Auch die Haustiere verlangen eine geordnete Gesundheitspflege und lohnen solche durch Gedeihen und Leistung. Die Regeln der Gesundheitspflege können freilich für die Haustiere nicht das alleinige und oberste Gesetz bilden. Wie ja auch beim Menschen Erwerb und Vermögenslage häufig gesundheitswidrige Lebensweise bedingen, so wird diese bei den Tieren durch deren Nutzung bestimmt und ist daher z. T. eine wenig naturgemässe. Als naturgemäß ist für alle Haustiere das Leben im Freien anzusehen, und die Stallhaltung, die vielfach wirtschaftlich geboten ist, kommt dem Stubensitzen gleich. Anderseits bietet freilich den Haustieren (gegenüber dem Wild) im Winter die Aufstallung sehr großen Vorteil. Der Schutz vor Kälte und Witterungsunbilden in Verbindung mit der regelmäßigen Fütterung ermöglichen viel bessere Ausnutzung der Nährstoffe zugunsten des Körpers und seiner Nutzung. Trotzdem ist der lange ununterbrochene Stallaufenthalt eine an sich unnatürliche Lebensweise, die von den Tieren (mit Ausnahme des Schafes) zwar ertragen wird, aber Nachteile für den Körper hat. Gerade dadurch erwächst aber der Gesundheitspflege die wichtige Aufgabe, jene aus wirtschaftlichen Gründen unabänderlichen Nachteile einzuschränken und auszugleichen, was unter Mithilfe der Gewöhnung möglich ist. Die Sorgfalt der G. muß gesteigert werden, wenn von dem Tierkörper große Leistungen verlangt werden. Schon die Mast ist eine falche Leistung, deren Beeinträchtigung bei mangelhafter Pflege sich dadurch äußert, daß das Tier weniger, als erwünscht, zunimmt. Starke Arbeitsleistung und reichliche Milchabsonderung dagegen zehren am Körper selbst und bringen das Tier, wenn ihm dabei nicht genügende Gesundheitspflege zuteil wird, herunter, wobei auch die Leistungen selbst geringer werden. Es kommt noch dazu, daß der Züchter, um höchsten Ertrag zu erzielen, vielfach so einseitig auf bestimmte Leistungen züchtet, bez. durch die Haltung der Tiere hinarbeitet, daß dadurch die Gesamtkonstitution des Körpers zugunsten einer Einzelheit beeinträchtigt und selbst geradezu das Leben gefährdet wird. So ist ein hochgemästetes Schwein fast bewegungsunfähig und der Gefahr eines Herzschlages ausgesetzt. Der hohe Milchertrag entzieht dem Körper eine Menge wichtiger Stoffe, und das ausschließliche Streben danach in der Zucht hat bei den besten Milchrassen vielfach zu einer Nichtbeachtung gewisser Mängel im Körperbau, namentlich des Brustkorbes und der Lungen, geführt. Beide Umstände in Verbindung mit der Haltung in schlechten Ställen bewirken die immer stärkere Ausbreitung der Tuberkulose. Der Schwerpunkt für die Gesundheitspflege bei den Haustieren liegt in dem Stalleben. Richtig wäre Freileben im Sommer, Stallhaltung im Winter, und für die Schafe ist auch der Sommerweidegang ganz unentbehrlich. Für Rinder und Schweine währt in vielen Gegenden die Stallhaltung notgedrungen das ganze Jahr. Übrigens hat der plötzliche Wechsel zwischen Winterstall und Sommerweide auch seine Gefahren. Die naturgemäßeste Lebensweise führt das Pferd, bez. das Arbeitstier, das Sommer und Winter zur Arbeit ins Freie kommt und bei dem an Stelle des Nichtstuns häufige gesunde Muskelanstrengung tritt. Trotzdem erfordert gerade das Pferd die sorgfältigste Gesundheitspflege, weil es unter allen Haustieren die regste Hauttätigkeit hat, daher zu Erkältungen neigt und der Hautpflege bedarf; auch gegen Futterfehler ist es empfindlicher als andre Tiere. Der Schutz vor Erkältung ist bei allen Tieren gerade im Stall erforderlich. Feuchte Wände, kalter Boden ohne genügende Streu, schlecht schließende Türen und Fenster machen Erkältung. Besonders empfindlich sind Lämmer, frischmilchende Kühe und Pferde, letztere namentlich, wenn sie erhitzt in den Stall kommen. Die Hautpflege besteht in gründlichem täglichen Putzen und ist für das Pferd unentbehrlich; das Pferd nährt sich dann besser (»Gut geputzt ist halb gefüttert«), fühlt sich wohler und leistet mehr infolge der Lebhaftigkeit des Blutumlaufs und der Ausdünstung der Haut. Aber auch für Rinder ist das Putzen wohltätig. Im Sommer empfiehlt sich für Pferde und Rinder öfteres Schwemmen. Im Frühjahrshaarwechsel ist die Haut besonders empfindlich. Im Winter schwitzen die Pferde infolge ihres langen dichtern Winterhaares stärker, weshalb sie vielfach geschoren werden; doch empfiehlt sich dies jedenfalls nur bei Pferden, die nicht gelegentlich länger im Freien stehen müssen. Die Hufe müssen ebenfalls sorgfältig gepflegt, gewaschen und eingefettet werden; ihr Wachstum wird beim Beschlag reguliert. Bei Stallrindern wachsen die Klauen lang und krumm bis zur Behinderung des Gehens, wenn sie nicht manchmal beschnitten werden. Wenn das Pferd draußen durch Bewegung in Schweiß geraten ist, darf es nicht in Wind, Kälte oder Regen schutzlos stehen; es muß entweder in langsamer Bewegung bleiben oder zugedeckt werden. Trinken oder Durchwatung von Wasser schaden nichts, wenn das Pferd in Bewegung bleibt; andernfalls soll es erst nach Abkühlung trinken. Das Pferd soll nicht schwitzend in den Stall kommen, deshalb ist die Bewegung rechtzeitig vor dem Eintreffen zu verlangsamen, damit die Abkühlung draußen erfolgt. Trotz allem erkälten sich Pferde oft; bei der gleichzeitigen Anstrengung der Lungen neigen sie namentlich zu Erkrankungen des Atmungsapparats. Daß übermäßige Anstrengungen Nachteile aller Art, namentlich auch Lahmheiten verursachen, ist selbstverständlich. Anderseits wird das Pferd durch tagelanges Müßigstehen im Stall erfahrungsgemäß geschädigt. Ist dies nicht zu ändern, so muß das Pferd knappes Futter, Heu und wenig Hafer bekommen, sonst »sticht es der Hafer«, es wird zu »stallmutig«, schlägt etc.; auch ist übermäßige Ernährung bei Nichtstun direkt gesundheitsgefährlich (s. Hämoglobinämie). Der Stall darf nicht zu warm und das Pferd nicht eingedeckt sein, weil es sonst verweichlicht wird. Die Beine werden mit Wollbinden bandagiert, weil sie leicht anlaufen. Wenn möglich, ist das Pferd täglich wenigstens eine Stunde zu führen. Auch Kühen und Schweinen ist es sehr nützlich, wenn sie wenigstens öfters in Laufhöfe, auf eingezäunte Dungstätten etc. herausgelassen werden. Ganz unentbehrlich ist die Bewegung im Freien allen Jungtieren. Füllen und Kälber müssen sich im Freien tummeln können, wenn sich Knochen, Muskeln und Lungen normal entwickeln sollen; andernfalls ist an eine Aufzucht nicht zu denken. Unterbleiben muß dagegen die Bewegung bei Masttieren, und direkt gefährlich ist sie für Mastschweine. Wenn solche, namentlich bei Wärme, getrieben werden, sterben sie plötzlich an Herzlähmung; schon die Aufregung und das Sträuben beim Aufladen auf einen Wagen bewirkt oft Herzschlag (wegen der bestehenden Herzverfettung). Die Fütterung muß bei jeder Tierart und für jede Leistung eine besondere sein. Die größte Sorgfalt verlangt das Pferd in Qualität, Regelmäßigkeit und Reinlichkeit; Diätfehler bedingen sehr oft Verdauungskrankheiten (Kolik). Auch hochtragende und geboren habende Tiere sowie Neugeborne müssen vorsichtig gefüttert werden. Bei Rindern entstehen infolge des Futters besonders häufig Aufblähen, Herzbeutel-Zwerchfellentzündung und chronische Untätigkeit des Pansens. Schädlich ist allen Tieren welkes Grünfutter und das Beweiden beregneter Klee- etc. Felder (plötzliches Aufblähen). Für Schafe sind nasse Weiden überhaupt gefährlich wegen der Aufnahme von Wurmbrut. Zur G. gehört auch das Verhalten des Menschen zu den Tieren, das ruhig und human sein soll. Alle Tiere werden durch laute und rohe Behandlung geängstigt und daher geschädigt, Arbeitstiere oft, junge fast immer, dadurch widersetzlich gemacht und gänzlich verdorben. Von großer Wichtigkeit ist endlich die Beschaffenheit des Stalles (s.d.) und die Beobachtung und Kenntnis der allgemeinen Krankheitszeichen. Vgl. Dammann, Die Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere (3. Aufl., Berl. 1902).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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