Jagdgewehr

Jagdgewehr

Jagdgewehr (hierzu Tafel »Jagdgewehre«), die Handfeuerwaffe, die bei Ausübung der Jagd benutzt wird, die Büchse (Birschbüchse) zur Erlegung des Hochwildes, die Flinte zur Erlegung des kleinen Wildes. Gewöhnlich haben die Jagdgewehre zwei Läufe: Doppelflinte, Doppelbüchse mit zwei Flinten-, bez. zwei Büchsenläufen, Büchsflinte mit einem Büchsen- und einem Flintenlauf. In neuerer Zeit ist der Drilling stark in Aufnahme gekommen, der gewöhnlich zwei Flinten- und einen darunter liegenden Büchsenlauf, aber auch zwei Büchsen- und einen Flintenlauf hat. Beim Doppelzeug ist für Flinten- und Büchsflintenläufe nur ein Schaft vorhanden. Jedes J. besteht aus Lauf, Schloß, Bewegungs- und Verschlußmechanismus, Schaft und Garnitur. Das Material des Laufes muß zäh, aber auch elastisch sein. Erstere Eigenschaft hat das Eisen, letztere der Stahl, der in seiner gewöhnlichen Beschaffenheit wenig Zähigkeit besitzt. Man stellt deshalb durch Zusammenschmieden von Stahl und Eisen in ganz seinen Stäben, die man meist noch vielfach knickt, den Damast her, der in seinen bessern Sorten, Bernard-, Rosen-, türkischen, Hufnageldamast, allen Anforderungen entspricht. Man fertigt indes auch kohlenstoffarmen Stahl, der neben Elastizität die genügende Zähigkeit besitzt (Siemensstahl, Spezialstahl von Krupp, Wittener- und Withworthstahl u. a.). Während die Damastläufe um einen Dorn geschmiedet werden, stellt man Stahlläufe durch Guß her und bohrt sie auf einer Bohrmaschine aus. Zur Herstellung von Doppelläufen werden zwei Läufe mit Deckschienen versehen und so entweder mit Messing (hart) oder mit Zinn (weich) aneinander gelötet. Auch verbindet man beide Methoden wohl miteinander. Die Hartlötung ist fester, doch schadet die dabei angewendete starke Hitze leicht dem Lauf, Weichlötung ist teuerer. Die durch Pieper vorgeschlagene Verbindung durch Doppelringe hat sich nicht eingeführt. Der Flintenlauf hat gewöhnlich eine Länge von 75–80 cm, die Stärke beträgt an der schwächsten Stelle 1–1,25 mm. Die Bohrung ist zylindrisch und muß durchaus gleichmäßig weit sein, damit ein Entweichen von Pulvergasen neben dem Pfropfen ausgeschlossen ist. Zur Verbesserung des Schusses findet man jetzt vielfach die Chokebohrung (engl. choke-bore, Würgebohrung), bei der der sonst zylindrische Lauf 20–25 mm vor der Mündung sich mit konischem Übergang um 0,3–0,9 mm verengert; hierdurch wird in den meisten Fällen ein schärferer, mehr zusammenhaltender Schuß erzielt. Hin und wieder besitzen Flinten sogen. Haarzüge, gerade verlaufende seine Einschnitte, die bei den Vorderladern insofern Zweck hatten, als sie die schwache Reibung des Pfropfens erhöhten und dadurch eine bessere Ausnutzung der Pulvergase ermöglichten. Bei den Hinterladern sind sie überflüssig und eher nachteilig. Unter choke rifle versteht man Haarzüge, die sich nach der Mündung zu verflachen, wodurch dort eine schwache Verengerung des Laufs herbeigeführt wird. Sie haben wenig Verbreitung gefunden. Das Patronenlager muß genau konzentrisch gebohrt sein und in Länge und Weite der Patrone entsprechen; es geht gewöhnlich allmählich in die Laufseele über. Das Kaliber wird bei der Flinte nach der Anzahl der aus 1 Pfd. Blei gegossenen passenden Rundkugeln bezeichnet. Das verbreitetste ist Kaliber 16, doch finden wir auch vielfach Kaliber 12, seltener Kaliber 20. Die Visiervorrichtung besteht in einem einfachen, kurz vor der Mündung auf der Laufschiene befestigten Korn. Für das Zielen in der Dunkelheit verwendet man wohl ein Elfenbeinkorn oder ein mit Leuchtmasse gefülltes Korn, z. B. das Witzlebensche Leuchtkorn. Auch hat man Visiere hergestellt, die für etwaige Kugelschüsse auf den Flintenläufen leicht abnehmbar angebracht werden können.

Der Büchsenlauf wird jetzt wohl ausschließlich aus Gußstahl hergestellt, der sich seiner Gleichmäßigkeit halber zum Einschneiden der Züge besser eignet als der Damast. Die Länge ist 60–70 cm, bei Doppelbüchsen wird wohl, um geringeres Gewicht zu erzielen, auch auf 55 cm herabgegangen. Die Stärke muß dem größern Gasdruck entsprechend eine größere sein, als die der Flinten. Von größter Wichtigkeit für die Güte der Büchse ist die Bohrung. Während man zuerst mit der Kugel aus glattem Lauf schoß, dann zu geraden Zügen überging, haben wir jetzt ausschließlich Drallzüge in unsern Büchsen, d. h. Züge, die einen spiralförmigen Verlauf zeigen. In die Züge soll sich das Geschoß hineinzwängen und dadurch eine rotierende Bewegung erhalten, die den Widerstand der Luft leichter überwindet und Ablenkungen von der Bahn verhindert. Von den tief eingeschnittenen Zügen der frühern Büchsen ist man zurückgekommen, die jetzt am meisten angewendeten sogen. Expreßzüge sind ganz flach. Unter Drall versteht man die Drehung der Züge. War die Stärke früher nur gering, so ist man besonders bei den kleinkalibrigen Gewehren zu sehr starken Drehungen übergegangen. Auf die genau konzentrische Bohrung des Patronenlagers ist bei der Büchse noch mehr Gewicht zu legen als bei der Flinte. Seine Länge muß derart sein, daß die Kugel genau an die Züge ansetzt. Das Kaliber der Jagdgewehre ist ein noch jetzt viel umstrittener Punkt. Bis zu 11 mm war die Jägerei mit wenig Ausnahmen anstandslos dem Militärgewehr gefolgt, bei Übergang zu 8 und gar 6 mm erhoben sich jedoch viele Stimmen dagegen. Es wird dem kleinen Kaliber ein zu geringer Schweißerguß nachgesagt, und die Gefährlichkeit der Waffe für Menschen und Tiere ist bei der weiten Flugbahn und der großen Durchschlagskraft nicht zu leugnen. Die vallistischen Vorzüge, die bedeutend größere Treffsicherheit haben aber dem 8 mm-Militärgewehr in Jägerkreisen eine große Verbreitung verschafft. Daß junge Jäger dadurch leicht zu weiten, unweidmännischen Schüssen verleitet werden können, muß allerdings zugegeben werden. Von größter Wichtigkeit für die Brauchbarkeit der Büchsen ist die Visierung. Sie besteht gewöhnlich aus Visier und Korn in verschiedenster Ausführung. Das Korn ist meist ein Käferkorn, oben abgerundet, das Visier hat entweder eine horizontale oder eine nach der Kimme geneigte Oberkante, die Kimme selbst wird in verschiedenster Form hergestellt (Textfig. 1–3, 10 und 12).

Fig. 1–3. Visiere verschiedener Form.
Fig. 1–3. Visiere verschiedener Form.

Um bei verschiedener Beleuchtung das Korn deutlich erkennen zu können, ist die Verwendung eines Wechselkorns zu empfehlen (Textfig. 4 und 5). Dasselbe zeigt eine dunkle Metall- und eine helle Elfenbeinseite, die nach Bedarf dem Auge zugedreht werden können.

Fig. 4 u. 5. Lagessches Wechselkorn.
Fig. 4 u. 5. Lagessches Wechselkorn.

Eine Umschaltung sowohl für Visier als Korn hat die Merremsche Licht- und Schattenvisierung Lux (Textfig. 6–9), auch hier ist eine Seite hell, die andre dunkel hergestellt.

Fig. 6–9. Visierung Lux.
Fig. 6–9. Visierung Lux.

Die Fronhöfersche Visierung (Textfig. 10 und 11) bezweckt eine genaue Abmessung der Höhe, um Hoch- und Tiefschüsse zu vermeiden, es darf beim Visieren nur die scharfe Spitze die Visieroberkante überragen. Besser wird dieser Zweck noch erreich: durch die Junacksche Plattenkornvisierung (Textfig. 12 u. 13), bei der die über dem Korn angebrachte Platte als helle Linie erscheint und ein genaues Höhenehmen ermöglicht.

Fig. 10 u. 11. Fronhöfersche Visierung.
Fig. 10 u. 11. Fronhöfersche Visierung.
Fig. 12 u. 13. Junacksche Plattenkornvisierung.
Fig. 12 u. 13. Junacksche Plattenkornvisierung.
Fig. 14 u. 15. Hefner-Alteneck-Visierung.
Fig. 14 u. 15. Hefner-Alteneck-Visierung.
Fig. 16–18. Fernrohrvisierungen.
Fig. 16–18. Fernrohrvisierungen.

Erwähnt sei ferner die Ringvisierung von Hefner-Alteneck, deren Anwendung aus Textfig. 14 u. 15 ersichtlich ist. Auch das Fernrohr hat man in neuerer Zeit vielfach auf Büchsen montiert, um einen genauen Schuß zu ermöglichen. Die Anbringung erfolgt entweder über der Laufschiene auf durchbrochenem Fuß, um den Gebrauch von Visier und Korn nicht zu beeinträchtigen, oder seitwärts. Verwendet wird meist ein terrestrisches Fernrohr, neuerdings auch Prismenfernrohre, die aber nicht so stabil befestigt und bei ihrer großen Empfindlichkeit leicht beschädigt werden können. Der Zielpunkt ist entweder als zentrischer Punkt, als Fadenkreuz, als Linie mit Punkt oder als halbes Fadenkreuz im Fernrohr angebracht (Textfig. 16–18). Am meisten zu empfehlen ist eine der letzten drei Einrichtungen, da durch den Faden zugleich ein Korrektiv gegen das Verkanten gegeben ist. Das Schloß war früher allgemein das alte Perkussionsschloß und wurde entweder vorliegend (Tafel, Fig. 1) oder rückliegend verwendet. Durch eine Änderung der Anordnung wird ein Zurückspringen des Hahnes aus der ersten Ruhe bewirkt, Reaktions- oder Rückspringschloß. Beim Zündnadelgewehr und wenigen neuern Systemen wird die Nadel, bez. der Schlagstift durch eine starke Feder vorgeschnellt. Die Zahl der neuern Schloßsysteme ist sehr groß, doch sind fast alle auf das Perkussionsschloß zurückzuführen, mit den durch die Besonderheit des Systems bedingten Abänderungen. Im großen und ganzen unterscheiden wir Doppelschlösser, auf dem Abzugsblech oder im Innern der Basküle angebracht, wie z. B. Greeners Hammerlaß (Tafel, Fig. 7) zeigt, oder Seitenschlösser, wie das Selbstspannseitenschloß von Sauer u. Sohn (Tafel, Fig. 2). Erwähnt sei noch, daß das Büchsenschloß. bei den Jagdgewehren meist mit einer Steckvorrichtung versehen ist, die das Abziehen durch leisesten Druck am Abzug ermöglicht. Haupterfordernis eines guten Schlosses ist tadelloses Material, das durch Klang und Gefühl beim Spannen erkannt werden kann, und sauberste Arbeit. Während der alte Vorderlader, dessen Ladung nur schwer entfernt werden konnte, einer Sicherung der Hähne gegen Herabschlagen bedurfte, wurde diese bei Lefaucheux- und den Zentralfeuerhahngewehren fortgelassen. Die hahnlosen Selbstspanner, bei denen die Kontrolle über das richtige Funktionieren des Systems etc. nicht möglich ist, verlangten die Wiedereinführung der Sicherung, und finden wir dieselbe in verschiedenster Form bei allen Systemen. Entweder ist sie automatisch und tritt mit dem Spannen zugleich in Tätigkeit, oder ihre Bedienung ist dem Schützen überlassen. Sie sperrt entweder die Abzüge oder stellt Stangen oder Schlagbolzen fest, oder sie drückt den Zündbolzen gegen den Schlag des Hammers. Alle diese Sicherungen werden von denen übertroffen, die eine vollständige Entspannung der Schlagfeder herbeiführen, wie wir sie in verschiedener Form bei den sogen. Sicherheitsgewehren finden. Bewegungs- u. Verschlußmechanismus verbinden Lauf und Schaft meist derart, daß ein Herunterklappen des erstern gegen den letztern, seltener ein Verschieben stattfindet (die sogen. Blockverschlüsse, bei denen Lauf und Schaft unbeweglich miteinander verbunden sind, s. Handfeuerwaffen [Militärgewehre]). Die Verbindung zwischen Lauf und Schaft muß nach Schließen des Gewehres eine so feste sein, daß sie auch durch die Erschütterung des Schusses nicht gelockert wird. Der alte Hebelverschluß (Tafel, Fig. 3) entspricht wenig dieser Anforderung, die neuen Schieberverschlüsse mit mehreren Schiebern bieten dagegen vollste Sicherheit. Mit dem Verschluß in Verbindung steht der Patronenauszieher oder -Werfer. Der Schaft wird bei guten Gewehren meist aus Nußbaum hergestellt. Die deutsche Schäftung hat eine Backe, bei der englischen fehlt sie. Ist der Hals pistolenförmig ausgearbeitet, so haben wir die jetzt sehr beliebte Pistolenschäftung. Die deutschen Gewehre haben einen Gewehrriemen zum Tragen, der bei englischen und französischen Gewehren häufig fehlt. – Für die Büchse hat sich die Metallpatrone fast vollständig eingebürgert, während sie wegen ihres größern Gewichts und des leichten Lockerns der Ladung bei der Flinte wenig im Gebrauch ist. Die Papphülse muß gasdicht sein und in Länge und Weite genau in das Lager passen, da andernfalls der Schuß dadurch stark beeinträchtigt werden kann. Als Pulver wird meist noch das Schwarzpulver verwendet, obgleich auch das rauchschwache Pulver besonders für Büchsen weite Verbreitung gefunden hat. Beim Schrot unterscheidet man Hart- und Weichschrot, ersteres wird im Laufe selbst und beim Aufschlagen weniger deformiert und liefert bessere Schußresultate. Der Pfropfen soll genau passen, gasdicht schließen und elastisch sein. Diesen Anforderungen entsprechen am besten die äußerlich gefetteten Papppfropfen. Die Rundkugel wird nur noch aus Flintenläufen geschossen, wo sie aber auch vielfach durch das Witzlebengeschoß, dem Armbrustbolzen nachgebildet, verdrängt ist. Die Jagdbüchsenkugel ist meist länglich mit ogivaler und abgeplatteter Spitze, doch gibt es sehr viele Abänderungen. Auf großes Wild, besonders Raubzeug, wird wohl ein Expansionsgeschoß verwendet, dessen Spitze hohl und mit Wachs oder einer hohlen Kupferröhre gefüllt ist. Beim Aufschlagen auf einen Knochen zersplittert dies Geschoß. Noch stärker ist die Wirkung von Explosionsgeschossen, deren Füllung beim Aufschlagen explodiert. Beide Geschoßarten werden von weidgerechten Jägern in Deutschland wohl kaum verwendet. Die Munition der kleinkalibrigen Gewehre s. bei Handfeuerwaffen. – Durch Gesetz vom 19. Mai 1891 ist bei uns, wie z. T. in andern Staaten seit langer Zeit, eine amtliche Prüfung der Gewehrläufe vorgeschrieben, Gewehre ohne Prüfungsstempel dürfen nicht in den Handel gebracht werden. – Von einem J. verlangen wir neben gutem Material und sorgfältigster Arbeit aller Teile vor allem guten Schuß. Die Büchse darf in den einzelnen Schüssen eine nur geringe Abweichung, Streuungskegel, zeigen, bei der Doppelbüchse müssen beide Läufe möglichst denselben Schuß liefern. Die Flinte soll eine gute Durchschlagskraft und eine zweckmäßige Streuung haben, d. h. die Schrote sollen in genügender Anzahl gleichmäßig über das ganze Schußbild verteilt sein. In Halensee bei Berlin wurde 1891 eine Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen errichtet, die das Anschießen und die Beurteilung der Schußleistung von Gewehren übernimmt.

Die ältesten nach Erfindung des Schießpulvers hergestellten Handfeuerwaffen (s. d.) waren so unhandlich, daß sie für Jagdzwecke nicht in Frage kommen konnten. Auch die durch Einführung des Lunten- und später des Feuersteinschlosses bedingten Verbesserungen schufen hierin wenig Wandel, erst die Erfindung des Zündhütchens verschaffte den Feuergewehren allgemeinere Verbreitung bei der Jägerei. Sehr bald machte man dann den Versuch, Schnell- und Hinterlader herzustellen. Einen durchschlagenden Erfolg in dieser Beziehung hatte Lefaucheux vor allem dadurch, daß er seinem Gewehr (Tafel, Fig. 3) eine gasdichte Einheitspatrone gab. Nachdem dasselbe lange Jahre fast ausschließlich in Jägerkreisen die Herrschaft geführt, ist es jetzt fast vollkommen durch die Zentralfeuergewehre verdrängt. Seine Hauptfehler waren die langsame Zündung und die Unzuverlässigkeit und Gefährlichkeit der Patronen, die bei nachlässiger Anfertigung oft versagten und beim Entladen des Gewehrs oder beim Niederfallen sich leicht entzünden konnten. Außerdem war das Laden dadurch erschwert, daß der Stift der Patronen an den Ausschnitt des Laufes gepaßt werden mußte. Das Zentralfeuergewehr mit Hähnen (Fig. 4) zeigt diese Mängel nicht und hat sich in Jägerkreisen schnell eingeführt. Gegen dasselbe, wie gegen alle Hahngewehre, wird geltend gemacht, daß die Hähne das Gesichtsfeld beengen und leicht am Gestrüpp od. dgl. hängen bleiben, wodurch eine vorzeitige Entladung herbeigeführt werden kann. Immerhin haben diese Übelstände es nicht verdrängen können, obgleich die hahnlosen Selbstspanner den weitern Vorteil brachten, daß die Arbeit des Aufziehens der Hähne fortfällt. Der älteste Selbstspanner, das Zündnadelgewehr von Dreyse (Fig. 5), hat sich trotz seines anerkannt guten Schusses nicht halten können, die dünne Papierpatrone ist zu wenig gegen Nässe geschützt und der Mechanismus ziemlich empfindlich. Ebenso hat das Teschnergewehr (Fig. 6) eine nur lokale Verbreitung gefunden. Die Anzahl der neuen Selbstspannersysteme ist groß und vergrößert sich von Jahr zu Jahr. Das älteste brauchbare derartige Gewehr ist Greeners Hammerleß (Fig. 7), das trotz hohen Preises sich auch in Deutschland bald viele Freunde erwarb und einer Anzahl andrer Systeme als Vorbild gedient hat. Es hat ein Schlagfederdoppelschloß, doppelte Sicherung und automatischen Patronenauswerfer. Das Auslösen der Sicherung geschieht durch Herumlegen eines an der linken Schaftseite befindlichen Exzenters und durch den Druck gegen den Abzug. Das Schloß ist möglichst einfach konstruiert und sehr zweckmäßig an der Basküle angebracht. Vielleicht noch mehr verbreitet in Deutschland ist der Selbstspanner von Anson und Daley mit seinen vielen Nachbildungen. Ähnlich im Prinzip mit einigen zweckmäßigen Abänderungen ist der Nimrod-Hammerleß von Thieme u. Schlegelmilch in Suhl. Von Seitenschloßselbstspannern seien die Systeme von Dreyse, Sauer u. Sohn, Keßler und Thieme u. Schlegelmilch erwähnt. – Die in neuerer Zeit vielfach angepriesenen sogen. Sicherheitsgewehre, bei denen die Entsicherung, bez. die Spannung der Schlagfeder erst kurz vor dem Schießen durch besondere Griffe erfolgt, sind in mannigfachster Form vorhanden. Erwähnt sei das Hubertusgewehr von Imm. Meffert-Suhl als erste derartige Konstruktion, von neuern das von Thieme u. Schlegelmilch, Hänel-Suhl, Schrader-Göttingen, Frank-Berlin und das Rationelgewehr von Pieper in Berlin (Fig. 8). Das letztere hat ein außerordentlich einfaches Schloß, einen sehr sinnreich konstruierten Patronenauswerfer und als Vorrichtung zum Spannen, bez. Entspannen der Schlagfeder einen linksseitig angebrachten Spannhebel. Derselbe, auf der Figur durch eine punktierte Linie angedeutet, wird zum Spannen nach rückwärts gedrückt, während durch Vorwärtsdrücken die Federn entspannt werden. Von weitern neuen Jagdgewehrkonstruktionen mögen hier noch das Kronengewehr von Fückert, ein Selbstspanner mit Hähnen, das Sicherheitsgewehr von Brenneke in Leipzig mit hahnartigen Griffen und das Idealgewehr genannt werden. Bei letzterm wird durch kleine Stifte am Hinterrande der Basküle angezeigt, ob das Gewehr geladen, ebenso wie aus der Stellung der Abzüge, die nach dem Schuß verschwinden, zu ersehen ist, ob die Schlagfeder gespannt. – Daß die Drillinge, Gewehre mit drei Läufen, und zwar meist zwei Schrot- und einem Kugellauf, die vielseitigsten Konstruktionen aufzuweisen haben, ist klar. Auch hier finden wir Hahngewehre und hahnlose Selbstspanner aller Art. Der Zentralfeuerdrilling mit Hähnen hat zwei Schlösser und eine Umschaltung für Flinten- und Kugellauf, die zwischen den Hähnen als drehbarer Hebel (Fig. 10) oder verschiebbarer Knopf, oder auch seitlich angebracht ist. Die Selbstspannerdrillinge haben meist für jeden Abzug ein besonderes Schloß, doch finden wir auch Konstruktionen mit nur zwei Schlössern. Entweder führen sie drei Abzüge oder zwei Abzüge mit Umschaltung. Welchen von diesen Einrichtungen der Vorzug zu geben, ist schwer zu sagen, die Gewohnheit spricht hier viel mit. Entweder werden die sämtlichen drei Schlösser zugleich gespannt, gesichert und entsichert, oder nach gleichzeitiger Spannung wird der Kugellauf für sich gesichert, oder endlich der Kugellauf wird erst im Augenblicke des Gebrauchs gespannt. Jede Waffenfabrik fast hat ihre eigne Konstruktion. Zu der letztgenannten Gruppe gehört auch der Drilling von Sauer u. Sohn in Suhl (Fig. 9). Durch das Öffnen der Läufe erfolgt nur die Spannung der Schrotlausschlösser, die durch das Zurückschieben des auf dem Kolbenhalse befindlichen Knopfes gesichert werden. Das Spannen des Büchsenlaufes wird durch das Abwärtsdrücken des linksseitig am Kolbenhals angebrachten Hebels bewirkt. Hierdurch wird gleichzeitig der erste Abzug für das Kugelrohr eingestellt, der bis dahin das rechte Flintenrohr bediente. - Mehrlader werden in neuerer Zeit sowohl für Kugel als für Schrot verwendet. Für erstere sind besonders die Militärgewehre mit geringen, eine größere Handlichkeit bedingenden Abänderungen eingeführt. Auch als Einzellader werden die verschiedenen Militärgewehre in neuerer Zeit gern als Jagdwaffen verwendet (s. auch Handfeuerwaffen). Sehr verbreitet, besonders in Amerika, sind die Repetierbüchsen von Colt (Fig. 11) und Winchester, auch Revolvergewehre hat man konstruiert. Die Firma Browning bringt Flinten in den Handel, die nach Art ihrer Pistolen das Entfernen der abgeschossenen Hülsen, Neuladen und Spannen durch den Rückstoß bewirken. Das Gewehr hat fünf Schuß und zeigt vorzügliche Schußleistung. Für Schrot hat eine größere Anzahl von Schüssen der geringen Tragweite wegen weniger Bedeutung, zudem spricht das größere Gewicht dieser Waffen gegen ihre allgemeinere Einführung, wir finden deshalb nur vereinzelt Schrotmehrlader. Vgl. Neumann, Die heutigen Jagd-, Scheiben- und Schutzwaffen (Weim. 1872); Zimmer, Die Jagdfeuergewehre (2. Aufl., Darmst. 1877); Koch, Jagdwaffenkunde (Berl. 1899); Leue, Die Jagdflinte der Neuzeit (das. 1894); Ruegg, Die Schrotflinte (Zürich 1896); Corneli, Die Jagd und ihre Wandlungen (Leipz. 1884); Deinert, Die Kunst des Schießens mit der Schrotflinte (2. Aufl., Berl. 1905); Wild-Queisner, Die Kunst des Schießens mit der Büchse (das. 1903); Preuß, Lehrbuch des Flintenschießens (Neudamm 1905).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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