Krätze [2]

Krätze [2]

Krätze (lat. Scabies, von scabĕre, »kratzen«), Hautkrankheit, die von der Einwanderung einer Milbe, Sarcoptes (Acarus) scabiei (s. Milben), herrührt. Schon von den Arabern wird ein Tierchen bei der K. als Syrones erwähnt, aus dem 12. Jahrh. und später liegen Zeugnisse über diesen Syrones oder Seuren vor und über die Kunst, denselben aus der Haut zu entfernen, »seuren graben«. Trotzdem galt noch bis in das 19. Jahrh. die K. als eine Krankheit des Blutes und der Säfte, bei der der Milbe nur die Rolle einer Trägerin des Krankheitsgiftes zugeschrieben ward, oder bei der sich gar die Milben aus den verdorbenen Säften bilden sollten. Erst in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Männchen und Weibchen beobachtet und abgebildet und die Krankheit lediglich als eine Reizwirkung derselben dargestellt. Lieblingssitz sind die Hautflächen zwischen den Fingern, die Beugeflächen am Hand-, Ellbogen- und Kniegelenk, am Hodensack. Mit Hilfe einer Lupe erkennt man in der Haut die Milbengänge, die davon herrühren, daß die Milben und namentlich die erwachsenen weiblichen Tierchen sich unter die Oberhaut eingraben und unter derselben fortkriechen, um hier ihre Eier abzulegen und Nahrung zu suchen. Diese Gänge sind 1 mm bis mehrere Zentimeter lang und verlaufen meist gerade, zuweilen auch geschlängelt etc. An ihrem Ende erkennt man die Milbe als ein seines Pünktchen. Außerdem finden sich stets Spuren des stattgehabten Kratzens, Rötung, Quaddeln oder nässende Wunden, die das heftige Jucken noch vermehren. Die Übertragung geschieht unmittelbar von Mensch zu Mensch, durch Kleidungsstücke, welche die Milben enthalten, auch durch Tiere, von denen z. B. Pferde, Schafe, Katzen, Kaninchen, Kamele und Elefanten mit Rande- oder Krätzmilben behaftet gefunden werden. Man heilt die K. durch Mittel, welche die Milbe töten (Einreibungen mit grüner Seife, besser mit Perubalsam oder Styrax). Der Kranke erhält ein warmes Bad und reibt dann morgens, mittags und abends, im ganzen vier- bis sechsmal, den ganzen Körper ein mit Ausnahme des Kopfes. Das Jucken verschwindet sehr schnell, und es wird keine Reizung der Haut hervorgerufen. Eine sorgfältige Reinigung der Kleider, der Bettüberzüge, der Wäsche etc., teils durch Waschen, am besten aber durch Erhitzen im Desinfektor (in strömendem Wasserdampf) ist notwendig. Die K., früher stark in der Bevölkerung verbreitet und in den stehenden Heeren anscheinend unausrottbar, ist geradezu selten geworden, so daß z. B. in der deutschen Armee die K. nur noch sporadisch vorkommt. Über die K. bei Haustieren s. Räude. Vgl. Hebra, Über Diagnose, Ätiologie und Therapie der K. (Wien 1844), Gerlach, K. und Räude (Berl. 1857); Fürstenberg, Die Krätzmilben der Menschen und Tiere (Leipz. 1861); Gudden, Beitrag zur Lehre von der Scabies (2. Aufl., Würzburg 1363).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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