Kulturpflanzen


Kulturpflanzen

Kulturpflanzen, alle Pflanzen, die zu irgend einem Zweck gezogen (kultiviert) werden, im Gegensatz zu den wild wachsenden. Die Geschichte der K. greift in die vorgeschichtliche Zeit zurück, doch sind Pflanzenfunde aus der ältern Steinzeit (paläolithischen Zeit) nicht bekannt, vielmehr gehören die ältesten Funde der neolithischen Zeit oder noch spätern Epochen an. Eine sehr große Anzahl von Resten rührt von wild wachsenden Pflanzen her, deren Früchte oder Samen aufgespeichert und genossen wurden, wie z. B. Bucheckern, Haselnüsse, die an manchen Fundstellen eine 1–2 dm mächtige Schicht bilden, Holzäpfel und Holzbirnen in Schnitten, Mehlbeeren, Vogelbeeren (nur in einem Pfahlbau des Mondsees), Vogelkirschen, Kriechpflaumen, Schlehen und Traubenkirschen, Beeren von Holunder und Attich, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren, Kornelkirschen (in Pfahlbauten Italiens und bei Laibach), in seltenen Fällen auch Heidelbeeren, während die Preißelbeere völlig fehlt. Auffallend erscheint das massenhafte Auftreten der Wassernuß (Trapa natans), deren Früchte z. B. im Laibacher Moor bis zu 1,2 dm dicken Schichten angehäuft gefunden werden. Da die Pflanze nach ihrem fossilen Auftreten während der ältern Postglazialzeit eine weitere Verbreitung nordwärts bis nach Skandinavien besaß und an ihren gegenwärtig bekannten Standorten immer mehr verschwindet, darf hieraus vielleicht auf eine absichtliche Aussäung der Früchte durch die Pfahlbaubewohner und eine durch Menschen besorgte Verbreitung der Pflanze über ihr natürliches Areal hinaus geschlossen werden. Des Mehlreichtums wegen wurden auch die Samen von Gänsefuß (Chenopodium album) und Knötericharten (Polygonum, Convolvulus u. a.) gesammelt; letztere sind z. B. in den Niederlassungen der jüngern slawischen Zeit in Norddeutschland nicht selten und wurden noch im Anfang des 19. Jahrh. in Pommern als Ersatz des Buchweizens benutzt. Als Gewürzpflanze der Pfahlbauzeit ist der Kümmel, als Gemüsepflanzen Pastinak und Mohrrübe zu erwähnen, obgleich zweifelhaft ist, ob letztere angebaut wurden.

Die Getreidepflanzen der vorgeschichtlichen Zeit bestehen teils aus Arten, die, wie Weizen, Gerste und wahrscheinlich auch Hirse, uralter Kulturbesitz der Pfahlbaubewohner waren, teils aus Erwerbungen einer nachweislich viel jüngern Zeit, wie Roggen und Hafer. Erstere Gruppe besitzt ihren vorgeschichtlichen Resten nach eine weite, von den mitteleuropäischen Pfahlbauten bis nach Ägypten und Asien reichende Verbreitung, und ihre Kultur muß in Mitteleuropa schon während der Steinzeit ausgeübt sein, während die zweite Gruppe erst in der Bronze- und Eisenzeit in viel engerm, wesentlich auf Europa sich beschränkendem Umkreis erscheint. Unter den alten Kulturrassen des Weizens scheint der durch die Kleinheit und die kaffeebohnenartige Form seiner Körner ausgezeichnete Pfahlbauweizen (Triticum vulgare antiquorum) ausschließlich der Vorzeit anzugehören und stellt also eine ausgestorbene Rasse dar. Er ist bis jetzt in vorgeschichtlichen Resten der neolithischen Periode aus Deutschland (Schussenried), der Schweiz (Store, Wangen), Italien (Lagozza, Isola Virginia) und Ungarn (Aggtelek, Lengyel) sowie der Bronzezeit aus Österreich (Ölmütz, Stillfried), Dänemark (Laaland) und Spanien (Juenta, Argar u. a.) bekannt; auch wurde er in Mumiengräbern von Dashûr in Ägypten nachgewiesen. Die Hauptform des Binkelweizens (T. compactum) ist in den vorgeschichtlichen Funden vorwiegend auf Mitteleuropa beschränkt. Zweifelhaft ist das Vorkommen des Bartweizens (T. turgidum) sowohl in den Niederlassungen der europäischen Steinzeit als in Ägypten. Dagegen haben sich Weizenkörner, die Schliemann in jüngern Niederlassungen bei Hissarlyk auffand, als Hartweizen (T. durum) herausgestellt. Vom Spelt (T. Spelta) fehlt in der Vorzeit jede sichere Spur, wohl aber ist der mit ihm nahe verwandte Emmer (T. dicoccum) sowohl in Ägypten (Grab des Ani zu Gebelîn) als in Pfahlbauten der Bronzeperiode (Auvernier, Petersinsel, Aquileja) nachgewiesen. Das Einkorn (T. monococcum), das in den Trümmern von Hissarlyk aufgefunden wurde, ist für die neolithische Periode aus Niederlassungen der Schweiz und Ungarns bekannt. Eine zweite uralte, der europäischen Steinzeit und dem altägyptischen Kulturkreise gemeinsame Getreidepflanze, die Gerste, war in der spätern neolithischen Periode bereits bis Mitteldeutschland (Ettersberg in Thüringen) verbreitet; außerdem ist sie, wenigstens in der sechszeiligen Form (Hordeum hexastichum) aus Niederlassungen der Schweiz, Österreichs, Ungarns, Italiens, Frankreichs, Spaniens und Griechenlands bekannt. In den Pfahlbauten der Schweiz kommen bereits zwei deutlich verschiedene Gerstenvarietäten mit kleinern oder größern Körnern vor. Ob die vorgeschichtlichen Reste der Hirse der Rispenhirse (Panicum miliaceum) oder der Kolbenhirse (P. italicum) angehören, läßt sich nicht entscheiden; die ältern Funde beschränken sich auf Niederlassungen in Rumänien, Italien, der Schweiz und Ungarn; in der Bronze- und Eisenperiode treten auch Fundstellen in Österreich, Deutschland und Dänemark hinzu. Erst in späterer vorgeschichtlicher Zeit sind Roggen und Hafer in Kultur genommen worden. Die Roggen kultur scheint von zwei Hauptgebieten, einerseits dem Umkreise des Kaukasusgebiets, anderseits den nördlichen Balkanländern ausgestrahlt zu sein, wofür auch sprachgeschichtliche Gründe sprechen. Von vorgeschichtlichen Funden des Roggens, die ihrem Alter nach einigermaßen sicher festgestellt sind, gehört der älteste (in einem Pfahlbau von Olmütz) der Bronzeperiode, die übrigen erst der Eisenperiode oder noch spätern römischen und slawischen Zeiten an. Der Hafer (Avena sativa) wurde in vorgeschichtlicher Zeit wahrscheinlich zuerst von keltischen Völkern angebaut, in deren Niederlassungen in der Schweiz, Savoyen und bei Hallein die ältesten Reste gefunden wurden. Anderseits führt die Übereinstimmung in der Wortbezeichnung für Hafer in den slawischen, litauischen und germanischen Sprachen zu der Vermutung, daß der Hafer auch in Osteuropa an den damaligen Wohnsitzen der Slavo-Letten und Germanen angebaut worden ist. In Übereinstimmung damit nehmen mit dem Vordringen der Slawen nach Westen auch die Haferfunde in den slawisch-mittelalterlichen Niederlassungen Norddeutschlands zu. Den Griechen und Römern wurden Roggen und Hafer als Getreidepflanzen erst von nördlicher wohnenden Nachbarvölkern her bekannt.

Unter den übrigen Mehlfrüchten der vorgeschichtlichen Zeit sind Linsen, Buffbohnen und Erbsen die wichtigsten, von denen die letztern den Funden nach als jünger und ihrer Verbreitung nach beschränkter erscheinen als die beiden erstgenannten. Die Erbse fehlt in den ägyptischen Gräbern und läßt sich in ältern Perioden der Vorgeschichte nur in der Schweiz und in Kleinasien (Hissarlyk), in späterer Zeit auch in Spanien und in Deutschland (seit der Hallstattperiode), und zwar immer in auffallend kleinsamigen Formen, nachweisen. Von der Linse wurden Reste in altägyptischen Gräbern, unter den Trümmern von Alt-Troja, in einem alten Bronzegefäß auf Kreta, in Pfahlbauten Italiens, der Schweiz, Ungarns, Deutschlands (erst zur Eisenzeit) und Frankreichs (immer in kleinsamigen Formen) aufgefunden. Von der Buff- oder Saubohne (Vicia Faba) sind in ägyptischen Gräbern bisher nur zwei Samen konstatiert, Schliemann fand zahlreiche Bohnenreste unter den Trümmern des alten Troja; neolithische Funde sind ferner aus Italien, Spanien und Ungarn bekannt, in Deutschland tritt sie erst in der Eisenperiode auf. Es lassen sich unter den vorgeschichtlichen Resten bereits zwei Hauptformen, eine kleinere, mehr rundliche Varietät, die vorwiegend im östlichen Europa vertreten ist, und eine größere, mehr nierenförmige, flachere Rasse mit westlicher Verbreitung unterscheiden. Als mutmaßliche Ölpflanze der Pfahlbauzeit ist der Gartenmohn (Papaver somniferum) zu nennen, dessen Samen nach einem Funde zu Robenhausen jedoch auch zu Kuchen zusammengebacken wurden; sonst kommen vorgeschichtliche Mohnsamen und Kapseln bei Bourget in Frankreich und bei Lagozza in Italien vor, fehlen jedoch im alten Ägypten. Die vorgeschichtlichen Reste zeigen eine eigentümliche Zwischenstellung zwischen Acker- und Gartenmohn. Die älteste Gespinstpflanze der Vorzeit ist der Lein, von dem in der jüngern Steinzeit nur die im Mittelmeergebiet einheimische Stammpflanze (Linum angustifolium) mit aufspringenden Kapseln und kleinern Samen angebaut wurde, während in den altägyptischen Gräbern bereits unsre jetzige Kulturform (Linum usitatissimum) mit geschlossenen Kapseln und größern Samen gefunden wurde.

Die ältesten, historisch beglaubigten Reste von K. stammen aus den altägyptischen Gräbern, aus ihnen läßt sich im Zusammenhange mit zahlreichen bildlichen Darstellungen auf Denkmälern und unter Zuhilfenahme von Sprachforschungen sowie floristischen und pflanzengeographischen Untersuchungen ein annäherndes Bild von den K. Ägyptens seit einer um 3–4 Jahrtausende rückwärts liegenden Epoche machen. Unter ihnen bilden Pflanzen, wie Weizen, Gerste, Emmer und Lein, den ältesten Kulturbesitz der in das Niltal eingewanderten hamitischen Stämme. Ihnen schließen sich dem Alter nach die Weinrebe, der Granatapfel, die Feige und die Sykomore an, deren Anbau in Ägypten sich bis in sehr alte Perioden zurückverfolgen läßt; auch finden sich wenigstens die drei erstgenannten Pflanzen auf altassyrischen Denkmälern dargestellt. Mit der Sykomore, die der ägyptischen Göttin Hathor geheiligt war, ist wahrscheinlich auch die Weihrauchpflanze des Tempeldienstes, der »Lebbach« der arabischen Schriftsteller, die Sapotazee Mimusops Schimperi, aus ihrem Heimatlande Südarabien (dem alten Puntlande) nach Ägypten gelangt. Eine zweite Gruppe von K. entnahmen die Ägypter der Flora des Niltales, wie z. B. Acacia nilotica, deren Holz neben dem der Sykomore vielfach Anwendung fand, Tamarix nilotica, die dem Osiris geheiligt war, und deren Zweige zu Matten verarbeitet wurden, ferner die Wassermelone (Citrullus vulgaris), die Aggurgurke (Cucumis Chate) u. a. Schwieriger ist die Herkunft einiger andrer altägyptischer K. von vorwiegend tropischer Verbreitung festzustellen, wie der Dattelpalme, die ihren Ursprung als Kulturbaum wahrscheinlich in den Euphratländern, ihre wilde Stammform aber in der afrikanischen Phoenix reclinata hat, desgleichen der Wunderbaum (Ricinus communis), der wegen der Ölgewinnung aus den Samen angebaut wurde und seit der 12. Dynastie nachweisbar ist, der Ebenholzbaum (Ebenoxylum verum), dessen Holz schon in der Periode der Pyramidenbauten Anwendung fand und später z. B. aus dem Lande der Somal bezogen wurde, und die Papyrusstaude (Papyrus antiquorum), deren Schäfte zur Papierbereitung, vielerlei Flechtarbeiten, selbst zur Anfertigung kleiner Boote dienten. Trotz der Massenhaftigkeit, mit der diese Pflanze in Ägypten aufgetreten sein muß, kommt sie gegenwärtig daselbst nicht mehr vor und überschreitet mit ihrer nördlichen Grenze in Afrika kaum den 38.° nördl. Br. Andre Tropengewächse wurden nachweislich von Vorderindien nach Ägypten übergeführt, wie die indische Lotosblume (Nelumbium speciosum), die während der persischen Epoche die einheimischen Lotosarten (Nymphaea Lotos und coerulea) als Symbolpflanze verdrängte und später wieder verschwand, der zum Rotfärben der Nägel als Henna verwendete Alkannastrauch (Lawsonia inermis), der zum Blaufärben der Gewänder benutzte Indigo, der ölreiche Sesam, dessen wilde Arten jedoch afrikanisch sind, u. a. Eine große Zahl der ägyptischen K. leitet ihren Ursprung aus dem Gebiete der Mittelmeerflora ab, wie Linse, Saubohne, Koriander, Anis, Mutterkümmel, Artischocke, Pistazie, Johannisbrotbaum, Wolfsbohne (Lupinus Termis), Pfefferminze u. a. Ältern Datums, jedoch ihrem Ursprunge nach unsicher, erscheinen einige Zwiebel- und Knoblaucharten (Allium Cepa, A. sativum u. a.), deren Verbrauch in Ägypten den historischen Nachrichten zufolge ein sehr umfangreicher war, und die wahrscheinlich aus Zentralasien stammen, ferner der zum Färben benutzte Saflor (Carthamus tinctorius), der zuerst in Mumiensärgen der 18. Dynastie (ca. 1600 v. Chr.) auftritt, desgleichen die Olive, die durch Blätter, Zweige und Samenkerne in den Königsgräbern seit der 20. Dynastie vertreten ist. Ihre Kultur scheint von Kleinasien ausgegangen und in Ägypten erst während der griechischen Periode in größerm Umfange betrieben worden zu sein; die Stammpflanze ist dagegen sowohl im Orient als in den Mittelmeerländern ursprünglich einheimisch.

Die griechisch-römische Kulturwelt entnahm ihre Nutzpflanzen vorzugsweise solchen Gewächsarten, die in den Mittelmeerländern schon seit Urzeiten ansässig waren, entlehnte aber deren Kulturform und Behandlungsweise in der Regel von östlichen oder südöstlichen, vorwiegend semitischen Nachbarvölkern. Sehr schlagende Beispiele dafür bieten unter anderm Weinstock, Feigenbaum und Olive dar. Auch für Lorbeer, Myrte, Walnuß, Edelkastanie u. a. ist das Indigenat in den Mittelmeerländern unzweifelhaft; dagegen sind Granatapfel, Mandelbaum und Quitte u. a. wohl erst durch die Kultur nach den westlichen Teilen des Mittelmeergebietes von Osten aus verbreitet worden. Mit einer andern Reihe von K. wurde das griechische Altertum durch den Kriegszug Alexanders d. Gr. und durch spätere Handelsbeziehungen mit südasiatischen Völkern bekannt; aus Südasien stammen unter anderm die medischen oder persischen Äpfel, die Theophrast erwähnt, und deren Stammpflanze wahrscheinlich eine Varietät von Citrus medica mit großen, dickschaligen Früchten gewesen ist. Pfirsiche und Aprikosen, die in China und einigen Ländern Zentralasiens wild wachsen, wurden in Italien im 1. Jahrh. der Kaiserherrschaft bekannt. Zitronen und Pomeranzen wurden dagegen erst zur Zeit der Kreuzzüge, Apfelsinen erst durch die Portugiesen aus dem südlichen China in das Mittelmeergebiet gebracht.

Während des Mittelalters haben sich zunächst die Araber um die Überführung wichtiger K., wie Reis, Baumwolle, Zuckerrohr u. a., aus Südasien nach Afrika, Sizilien und Spanien große Verdienste erworben; auch die weitere Verbreitung der Dattelpalme ist ihrem Einfluß zuzuschreiben. Die mitteleuropäischen Völker germanischer und romanischer Zunge entnahmen während des Mittelalters ihren Bedarf an Nutz-, Heil-, Obst- und Zierpflanzen vorzugsweise dem südlichen Europa und suchten dieselben zumal in den Klostergärten zu akklimatisieren. In einer Verordnung Karls d. Gr. (Capitulare de villis) von 812 werden eine größere Reihe von Pflanzen genannt, die der Kaiser in seinen Gärten gebaut wissen wollte, davon von Heilpflanzen z. B. Eibisch, Gartenmohn, Liebstöckel (Levisticum), Eberraute (Artemisia Abrotanum), Drachenwurz (eine Arum-Art), von Farbpflanzen Krapp und Waid, von Gespinstpflanzen Flachs und Hanf, von Gemüsepflanzen Flaschenkürbis (Lagenaria), Gurken, Kohl (Caules, in Südeuropa gezüchtete Varietäten von Brassica oleracea), Gartenkresse, Rettich, Felderbsen (Pisum arvense), Faselbohnen (faseolus des Mittelalters, nicht unsre jetzige Gartenbohne, sondern die aus Vorderindien stammende Dolichos melanophthalmus mit schwarzem Nabelfleck des Samens), Möhren, Endivien, Zwiebeln, Lauch u. a., von Obstbäumen außer den gewöhnlichen auch Aprikosen, Pfirsiche, Mandeln, Maulbeer- und Feigenbäume. Die ursprüngliche Bezugsquelle für die Mehrzahl dieser K. bildete ohne Zweifel Italien, bez. das wärmere Frankreich. Nach einer Zusammenstellung von Höck sind unter 91 jetzt in Mitteleuropa verbreiteten Nährpflanzen nur Hafer, Bluthirse, Buchweizen, Haselnuß, Hagebutte, Zwergkirsche (Prunus Chamaecerasus), Erdbeere, Stachelbeere, Johannisbeere, Gichtbeere, Holunder, Sellerie, Pastinak, Knollenkerbel, Meerrettich, Gartenmelde, Sauerampfer, Brunnenkresse, Schaumkraut und Kohlvarietäten als ursprüngliche Erzeugnisse des nordischen Florenreichs zu betrachten, von denen jedoch eine größere Anzahl auch im Mittelmeergebiet einheimisch ist.

Eine kleine Gruppe von K. entstammt den gemäßigten Teilen Zentral- und Ostasiens, wie der Buchweizen, der in Deutschland zuerst in einer mecklenburgischen Urkunde von 1436 erwähnt wird und in der Mandschurei, am Amur und Baikalsee wild wächst; mit ihm ist zugleich eine verwandte Art (Fagopyrum tartaricum) aus der Tatarei und Sibirien verbreitet worden. Auch der Meerrettich (plattdeutsch Marrak, Maressig, Maredig, slaw. chren) stammt aus Osteuropa und dem angrenzenden Asien und erscheint in Kräuterbüchern oder Glossarien Deutschlands seit dem 12. Jahrh. Eine dritte, der Einführungszeit nach jedoch ältere Kulturpflanze des Ostens, der Hanf, der in Sibirien und im pontischen Gebiet wild vorkommt, und dessen Name auf uralisch-altaische oder turko-tatarische Sprachquellen zurückgeht, fehlt sowohl in den Pfahlbauten als im alten Ägypten; die Griechen lernten ihn erst aus der Beschreibung von Herodot kennen, und unter den Römern erwähnt ihn zuerst der Satiriker Lucilius etwa 100 Jahre v. Chr. Dagegen war der Hanfbau bei Chinesen und Skythen seit alter Zeit im Schwange; in Indien wird eine nahverwandte Form kultiviert, die das als Haschisch bekannte Betäubungsmittel liefert.

Eine neue und letzte Hauptepoche in der Geschichte der K. begann mit der Entdeckung Amerikas, das uns z. B. den Mais, die Garten- und Schminkbohne (Phaseolus vulgaris und multiflorus) sowie mehrere Arten von Kürbis (Cucurbita maxima und moschata) bescherte; der amerikanische Ursprung der genannten Pflanzen ist durch Funde in altperuanischen Gräbern sowie durch pflanzengeographische Gründe sichergestellt. Über die gegenwärtigen pflanzengeographischen Verhältnisse der K. s. Landbauzonen (mit Karte). Vgl. Bonavia, The flora of the Assyrian monuments and its outcomes (Westminster 1894); Braun, Über die im königlichen Museum zu Berlin aufbewahrten Pflanzenreste aus altägyptischen Gräbern (in der »Zeitschrift für Ethnologie«, 1877); Buschan, Vorgeschichtliche Botanik der Kultur- und Nutzpflanzen (Bresl. 1895); De Candolle, Der Ursprung der K. (deutsch von Göze, Leipz. 1884); v. Fischer-Benzon, Altdeutsche Gartenflora (Kiel 1894); Hehn, K. und Haustiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien (7. Aufl. von Schrader und Engler, Berl. 1902); Höck, Nährpflanzen Mitteleuropas (Stuttg. 1890); Loret, La flore pharaonique d'après les documents hiéroglyphiques (2. Aufl., Par. 1892); Schweinfurth, Ägyptens auswärtige Beziehungen hinsichtlich der Kulturgewächse (in der »Zeitschrift für Ethnologie«, 1891); Wittmack, Unsere jetzige Kenntnis vorgeschichtlicher Samen (in den »Berichten der deutschen botanischen Gesellschaft«, 1886); Joret, Les plantes dans l'antiquité et an moyen-âge (Par. 1897); Hoops, Waldbäume und K. im germanischen Altertum (Straßb. 1905).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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