Mōtor

Mōtor

Mōtor (lat., »Beweger«), Kraftmaschine, im Gegensatz zu Arbeitsmaschine eine Vorrichtung, mittels der eine bewegende Kraft veranlaßt werden kann, sich in mechanischer Arbeit zu äußern, daneben aber auch diese bewegende oder motorische Kraft selbst. Man nennt also z. B. sowohl die Dampfmaschine als den Dampf einen M. Im folgenden soll unter M. immer eine mechanische Vorrichtung verstanden werden. Man kann unter den Motoren solche, die direkt von einer Naturkraft betrieben werden (Motoren im engern Sinne, Motoren erster Ordnung, primiäre Motoren), von andern unterscheiden, deren Triebkraft erst mit Hilfe eines andern Motors rege gemacht werden muß (Motoren im weitern Sinne, Motoren zweiter Ordnung, sekundäre Motoren). – Motoren im engern Sinne sind: die Maschinen zur Aufnahme der Muskelkräfte der Menschen und Tiere: Hebel, Kurbel, Haspel, Göpel, Tretscheibe, Tretmühle etc.; die durch die Kraft des strömenden oder langsam niedersinken den Wassers getriebenen Wasser- oder hydraulischen Motoren: Wasserräder, Turbinen und Wassersäulenmaschinen; die den Druck der bewegten Luft ausnutzenden Windräder; ferner die Wärmekraft- oder thermodynamischen Maschinen: Dampfmaschinen und Dampfturbinen, die den Druck von gespanntem Wasserdampf nutzbar machen; Heißluft- und Feuerluftmaschinen (kalorische Maschinen), welche die Spannkraft von erhitzter Luft, bez. von Verbrennungsgasen verwerten; Gas-, Benzin-, Petroleum-, Spiritus- und dergleichen Motoren (Verbrennungsmotoren, Explosionsmotoren), die durch die Verbrennung eines Gemenges aus Luft und einem Kraftstoff (Gas, vergastes oder zerstäubtes Petroleum etc.) betrieben werden. Als Motoren zweiter Ordnung sind z. B. anzusehen: die Elektromotoren, insofern der zu ihrem Betrieb erforderliche elektrische Strom erst mit Hilfe von Wasser-, Dampf-, Gas- oder andern Motoren erzeugt wird; die Maschinen, die mit Druckluft oder Druckwasser arbeiten, da die Luft vorher komprimiert, der Wasserdruck (sofern er nicht infolge natürlichen Gefälles vorhanden ist) erst vorher erzeugt werden muß; ferner die Uhren- und Federmotoren, die erst dadurch Betriebskraft erhalten, daß sie ausgezogen werden. Zuweilen ist ein M. mit einer Arbeitsmaschine so eng verwachsen, daß sich gar nicht bestimmen läßt, was davon M., was Arbeitsmaschine ist. Das ist z. B. der Fall bei den Pulsometern, deren Kammern zugleich die Stelle des Dampfzylinders und der Pumpe versehen; ähnlich bei den Strahlapparaten und dem hydraulischen Widder. Bei andern, aus Kraft- und Arbeitsmaschine zusammengesetzten Maschinen, z. B. bei einer Dampfpumpe, sind die beiden Teile leicht zu unterscheiden. Dampfzylinder mit Kolben und Steuerung bilden hier den kraftaufnehmenden Teil (Rezeptor).

Die motorischen Kräfte teilt man ein in animalische (Muskelkräfte der Menschen und Tiere) und in Elementarkräfte (Wasser-, Wind-, Dampfkraft etc.). Bei genauer Betrachtung zeigt sich, daß sie sich fast alle auf die Wärme oder auf die Massenanziehung zurückführen lassen, aber nicht alle direkten oder indirekten, durch die Wärme oder die Massenanziehung begründeten Kräfte werden motorisch benutzt. So wird die Sonnenwärme, die Wellenbewegung des Meeres, die Erscheinung von Ebbe und Flut etc. gar nicht oder nur ausnahmsweise zur Arbeitsleistung gezwungen, und zwar teils aus ökonomischen Gründen, teils darum, weil dazu geeignete Maschinen (»Motoren«) noch nicht erfunden worden sind (vgl. Sonnenmaschine). Bei der Wahl der motorischen Kräfte ist nämlich sowohl die ökonomische Frage als der Standpunkt der heutigen Vollendung der Konstruktion des Motors maßgebend. Wenn auch die motorische Kraft des Menschen im allgemeinen die teuerste von allen ist, besonders wo es sich um größere Kraftleistungen handelt, so wird sie doch nie entbehrlich sein, besonders weil zu vielen Arbeiten außer der motorischen Kraft auch menschliche Überlegung gehört. Die Tierkraft ist gleichfalls teuer, jedoch als Zugkraft für Fuhrwerke auf ungeschienten Straßen sowie als bewegende Kraft landwirtschaftlicher Maschinen für kleinen und mittlern Betrieb unersetzlich. Am billigsten bieten uns die hydraulischen Motoren ihren Dienst, denn die Kraft des fallenden Wassers ist ein Naturgeschenk, das sich ohne unser Zutun erneut, freilich in der trockenen Jahreszeit auch oft ausbleibt. Deshalb findet man neben Wassermotoren noch andre Kraftmaschinen zur Reserve aufgestellt. Windräder sind noch mehr von den Launen des Klimas abhängig und können auch nicht leicht sehr beträchtliche Leistungen erzeugen. Gänzlich unabhängig aber von den Änderungen der Witterung sind die Wärmekraftmaschinen. Große Motoren arbeiten im allgemeinen billiger als kleine, d.h. die Betriebskosten für die Leistungseinheit (1 Pferd in 1 Stunde) sind bei Großmotoren geringer als bei Kleinmotoren. Vgl. auch die Artikel »Maschine« und »Kleinkraftmaschinen«.

Die ersten Versuche, Tierkräfte motorisch nutzbar zu machen, und die ersten Anfänge der Heranziehung der Wasserkraft zu mechanischer Arbeit (chinesische Schöpfräder) fallen in die vorgeschichtliche Zeit. Über die Motoren für Menschen-, Tier- und Wasserkraft kam der Erfindungsgeist lange nicht hinaus. Nur von diesen wird uns aus dem ganzen geschichtlichen Altertum und dem Mittelalter Kunde, und wenn auch die alten Griechen und Römer den Dampf zu mechanischen Spielereien (Heronsball, Äolipile etc.) zu benutzen wußten, so hatten sie doch nicht im entferntesten eine Vorstellung von der großartigen Steigerung, deren die motorische Wirkung des Dampfes fähig ist. Erst die Erweiterung der physikalischen Kenntnisse im 16. und 17. Jahrh. ermöglichte im 18. Jahrh. die Erfindung der Dampfmaschine, daneben auch eine bedeutende Verbesserung der Wassermotoren. Im 19. Jahrh. folgte die Erfindung der Heißluft- und Feuerluftmaschinen, der Gas-, Petroleum-, Spiritus- und dergleichen Motoren. Die Verwendung von Elektromotoren datiert erst von der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips (zweite Hälfte des 19. Jahrh.), gewinnt aber von Tag zu Tag an Verbreitung. Vgl. Grashof, Theorie der Kraftmaschinen, Bd. 3 (Leipz. 1890); Marr, Die neuern Kraftmaschinen, ihre Kosten und ihre Verwendung (Münch. 1904) und die Literatur bei den einzelnen Artikeln (Dampfmaschine, Kleinkraftmaschinen etc.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • motor — [mōt′ər] n. [L, a mover < motus, pp. of movere,MOVE] 1. anything that produces or imparts motion 2. an engine; esp., an internal combustion engine for propelling a vehicle 3. MOTOR VEHICLE 4. Elec. a machine for converting electric energy into …   English World dictionary

  • motor — |ô| adj. 1. Que dá movimento. 2.  [Anatomia] Que transmite movimento. • s. m. 3. Tudo que em mecânica imprime movimento, como o vapor, a água, o vento, etc. 4. Sistema material que transforma em energia mecânica outras formas de energia. 5. … …   Dicionário da Língua Portuguesa


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